
Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Er gilt bis heute als bedeutendster Verleger einer klassischen Epoche mit Autoren, die für die deutschsprachige Literatur Maßstäbe setzten.
Von Haus aus Jurist war er kein Gründer, sondern kaufte auf Drängen seines Vaters aus dem Besitz der eigenen Familie als Angehöriger der fünften Generation für 17.000 Gulden – zahlbar in zehn Jahresraten – eine Verlagsbuchhandlung, arbeitete sich rasch ein und setzte auf Expansion.
Als er ein Dreivierteljahr nach dem Tod seines wichtigsten Autors starb, musste sein Sohn mit Schrecken feststellen, dass das Unternehmen zwar über ein ansehnliches Vermögen verfügte, der Vater es aber durch seine vielfältigen Aktivitäten mit hohen Schulden belastet hatte. Der Sohn sanierte es, indem er es auf seinen Kern, nämlich die Verlagsbuchhandlung zurückschnitt. Dabei trennte er sich u.a. von einer Flachsspinnerei sowie von einer Maschinen- und einer Papierfabrik. Heute würde man diesem Sohn bescheinigen, dass er sich auf die Kernkompetenzen konzentrierte.
Als der Vater das Unternehmen vor 45 Jahren übernommen hatte, war es vornehmlich auf juristische und botanische Werke ausgerichtet und befand sich in einem wirtschaftlich eher desolaten Zustand. Die Begegnung mit einem damals avantgardistischen Dichter führte zur Gründung einer literarischen Zeitschrift unter dessen Redaktion. Die Zeitschrift war kurzlebig, ist aber bis heute berühmt und war die Grundlage dafür, dass sich der Verlag zu einem der „Schönen Künste“ entwickelte.
Der oben erwähnte Autor, der im gleichen Jahr wie sein Verleger starb, war der neuen Zeitschrift und ihrem Redakteur eng verbunden. Ein Jahr nach dessen Tod löste er seine anderweitigen Vertragsbindungen und vertraute die Rechte an seiner Werkausgabe dem gesuchten Verlag an, womit dieser einen der führenden Köpfe im Programm hatte, was auf andere wichtige Autoren wie ein Magnet wirkte.
150 Jahre lang hatte das Verlagsunternehmen seinen Hauptsitz in einer bis heute renommierten Universitätsstadt. Der Vertreter der fünften Generation verlegte es 23 Jahre nach Übernahme der Geschäftsführung in die Hauptstadt des Königreichs. Seinem hohen publizistischen Anspruch gemäß nutzte er alle Medien und gab nicht nur Bücher und Zeitschriften, sondern auch Tageszeitungen heraus. So gründete er ein politisches Blatt, das bald als das führende galt. Im Hinblick auf die Zensur wurden Druck und Verlag in ein Nachbarland umgesiedelt. Die Zeitung zog dort noch einmal um und wurde unter dem Namen des zweiten Druckortes allgemein bekannt. Ein internationales Korrespondentennetz sorgte dafür, dass sie Geltung auf dem ganzen Kontinent erhielt.
Zusätzlich gründete der Verleger eine literarisch-künstlerische Tageszeitung, die in den politischen Auseinandersetzungen späterer Jahre eine wichtige Rolle spielte. Im Zusammenhang damit bezeichnete ein großer Dichter und Polemiker einen ihrer leitenden Redakteure als „Latrinenfeger“, dem man die Tür weisen solle, weil dieser sich gegen eine fortschrittliche politisch-literarische Bewegung gestellt hatte.
Das war fünf Jahre nach dem Tod des Verlegers, dessen Sohn das Unternehmen sanierte und erfolgreich fortführte und sogar den wichtigsten Konkurrenzverlag übernehmen konnte. Dessen Sohn allerdings verkaufte das Unternehmen 220 Jahre nach der offiziellen Firmengründung an eine bekannte Buchhändlerfamilie, aus deren Besitz es nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst an eine Gruppe von ortsansässigen Buchhändler und Verlegern kam.
Vor 22 Jahren schließlich wurde es von einer großen deutschen Verlagsgruppe erworben, die es unter Voranstellung ihres eigenen Namens unter der alten Bezeichnung weiterführt. Sie ist es auch, die mit zwei der Verlagsgeschichte gewidmeten Publikationen der Gründung vor 350 Jahren gedenkt, obwohl das Unternehmen eigentlich noch älter ist: der erste Namensträger heiratete in ein schon bestehendes Unternehmen ein, führte es aber unter seinem eigenen Namen weiter und erst von da an datiert die Verlagsgeschichte.
Heinold fragt: Unter welchem Doppelnamen und Verlagssitz ist das Unternehmen heute am Markt?
Senden Sie die Lösung an: heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 18. Mai 2009. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ von Wolfgang E. Heinold, 5. neubearbeitete Auflage, 239 S., Bramann 2007.}