Von Krise keine Spur: Mit einem Rekordergebnis geht heute die Leipziger Buchmesse zu Ende. 147.000 Besucher

(2008: 129.000) kamen in den vergangenen vier Tagen auf das Messegelände. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 14 Prozent.
Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, erzählte heute Nacht in der alten Nikolaischule vom vorletzten Tag, der fast die Kapazität der Messe gesprengt hätte: Mit 58.000 Besuchern am Samstag war die rechnerische Kapazitätsgrenze der Messe fast erreicht worden – es waren 10.000 (unerwartete) Besucher mehr gekommenl, als es je an einem Buchmessetag gegeben hatte.“
Die Leipziger Buchmesse 2009 hat damit ihre „zwei wichtigsten Aufgaben erfüllt: Sie hat der Buchbranche Impulse gegeben, und sie hat gezeigt, dass die Gesellschaft das Buch braucht – zur Zeit mehr denn je“, sagte Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Leipziger Messe GmbH.
Die offizielle Ausstellerbefragung des Instituts für Marktforschung ergab dazu eine sehr hohe Zufriedenheit der Aussteller: Zwei Drittel bewertete ihren Messeerfolg mit „sehr gut“ oder „gut“. 92 Prozent der Aussteller sagten schon während der Messe, dass sie im nächsten Jahr auf alle Fälle wiederkommen wollen.
Hier Stimmen und Infos der offiziellen Abschlussmeldung von einer Messe, die im Zeichen auch des E-Books gestanden hatte, das zumindest einen furiosen Start hingelegt hat, auch wenn drum herum vielleicht noch zu viele Fragen offen sind – vor allem wohl die, wie der Buchhandel am Folgegeschäft partizipieren kann:
Georg Reuchlein (Random House): „Die Leipziger Buchmesse steht für mich im Zeichen der Kommunikation. Sie ist ein wichtiger Treffpunkt mit Kollegen aus dem Sortiment, anderen Verlagen und den Medien. Dabei hat die Leipziger Messe ein ganz besonderes Flair: Sie ist nicht von der Hektik sonstiger Messen getrieben, sondern wie ein wunderbarer Salon, in dem man sich in sonst seltener Ruhe und Tiefe austauschen kann.“
„Wir sind sehr zufrieden mit der Messe“, sagt Petra Baumann-Zink, Presseleitung Belletristik beim S. Fischer Verlag. „Es war eine rundum gelungene Veranstaltung. Besonderes Highlight war unsere Veranstaltung mit Sarah Kuttner im ausverkauften Cinestar. Für all unsere Autoren ist Leipzig die absolute Lieblingsmesse, und alle wollen hier vor dem Publikum ihre Bücher vorstellen.“
Suhrkamp Geschäftsführer Dr. Thomas Sparr: „Die Mischung aus Fach- und Publikumsmesse gefällt uns gut, wir schätzen das hier so interessierte Publikum. Und in diesem Jahr freuen wir uns natürlich besonders über den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik für unsere Autorin Sibylle Lewitscharoff.“
„Ich bin mit festen Erwartungen auf die Leipziger Buchmesse gekommen: erstmals unser gerade erschienenes Verlagsprogramm vorzustellen“, sagt Monika Osberghaus, Programmleiterin beim Klett Kinderbuchverlag. „Für mich war völlig klar, dass das in Leipzig geschehen muss und nicht anderswo. Die uns entegegengebrachte Medienaufmerksam ist für uns als junger Verlag natürlich enorm gewinnbringend. Aber auch die Leser sind hier sehr interessiert und schauen sich zum Teil alle Bücher genauestens an.“
Jörg Sundermeier (Verbrecher Verlag) bestätigt: „Für uns ist Leipzig die wichtigste Messe in Bezug auf unsere Leser. Hier bekommen wir ihr Feedback. Die Mischung aus Fach- und Publikumsmesse ist in jeder Hinsicht angenehm. Vor allem fühlen wir uns vom gesamten Buchmesse-Team sehr gut betreut. Wir kommen gerne nach Leipzig zurück, nur Hagelschlag und Blitzgewitter können uns davon abhalten!“
„Eine wunderbare Messe“, schwärmt Christoph Links (Christoph Links Verlag). „Wir hatten durchgängig sehr gute Veranstaltungen. Vor allem die Besucherresonanz in den Messeforen war beeindruckend. Das zeigt: das Buchmesse-Publikum war noch interessierter als in den Vorjahren.“
Auf zahlreichen Fachveranstaltungen, Sonderausstellungen und Präsentationen widmete sich die Messe allen Aspekten rund um Erziehung und Ausbildung – und das mit großem Erfolg: „Es waren deutlich mehr Lehrer als in den vergangenen Jahren auf der Buchmesse“, sagt Elke Wittenborn, Leiterin Messen und Ausstellungen beim Cornelsen Verlag. „Nahezu alle Fortbildungsveranstaltungen waren gut bis sehr gut besucht.“
Ein Novum der diesjährigen Buchmesse war der „Karrieretag Buch + Medien“, der am Messe-Freitag (13. März) Hunderte Schulabgänger und Studenten von Fach- und Hochschulen begeisterte. Veranstalter waren die Leipziger Buchmesse und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Führungskräfte aus Verlagen und Buchhandel stellten interessante Berufsbilder vor und standen in Podiumsdiskussionen und Gesprächen zu Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten in der Buchbranche Rede und Antwort. „Mit dem Karrieretag haben wir bildungspolitisch Akzente gesetzt. Wir werden diesen auf alle Fälle fortführen“, sagt Messe-Direktor Oliver Zille.