bild(l,)Gestern Abend wurden in der Zentralbibliothek Frankfurt am Main Bücherpakete an 37 Frankfurter Schulen übergeben. Es ist bereits die dritte Bücherspendenaktion. In diesem Jahr steht das Jubiläum 20 Jahre Mauerfall im Mittelpunkt.
Erstmals gibt es ihm Rahmen dieser Aktion einen Schülerwettbewerb unter dem Motto 20 Jahre Mauerfall – Was hab’ ich damit zu tun?.
Prof. Dr. Manfred Pohl, Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Kultur Komitees, Initiator der Bücherspenden, erläuterte die Aktion. 37 ausgewählte Schulen erhalten je 22 Bücher über das Thema. Vor allem die Schüler der 9. und 10. Klassen sollen sich damit auseinandersetzen, Mädchen und Jungen also, die nach der Wende geboren wurden.
Jutta Ebeling, Bürgermeisterin und Bildungsdezernentin in Frankfurt, wünschte sich, dass beim Lesen der vorgeschlagenen Bücher die Wendezeit für die Schülerinnen und Schüler lebendig wird, „denn diese Zeit ist für die meisten Nachgeborenen so weit entfernt wie die Weimarer Republik“. Statt eines einmaligen hippen Events sollen die Bücher für Nachhaltigkeit und Auseinandersetzung sorgen. Direktoren und Lehrerschaft sind aufgerufen, sich in ihren Schulen für die Weitergabe der Titel einzusetzen.
Da diese Aktion bereits zum dritten Mal stattfindet, haben somit in den vergangenen Jahren und in diesem Jahr bereits 100 Schulen Medienpakete erhalten.
Prof. Dr. Hans-Heino Ewers, Goethe-Universität, machte deutlich, dass nicht die Anzahl der Bücher, sondern das Ziel der Aktion – nämlich Leseförderung – wichtig ist. Aus seiner Tätigkeit an der Universität berichtete er, dass dort eine ähnliche Aktion und ein Wettbewerb erfolgreich durchgeführt worden sind. Nach Anfangsschwierigkeiten setzten sich die jungen Leute intensiv mit der Literatur auseinander. Ein ähnliches Ergebnis sei den Schulen zu wünschen.
Anschließend überreichten die zwölf Sponsoren, zu denen auch die Frankfurter Buchmesse und die Societäts-Druckerei Frankfurt gehören, die Buchpakete an die Vertreter der Schulen.
Mike Barowski, Vorstandsvorsitzender der Akademie für Marketing-Kommunikation, erläuterte den Wettbewerb. Bis zum 1. August 2009 muss die Anmeldung erfolgen, mitmachen können Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen. Ziel ist es, ein Audio-Format wie Feature, Interview, Reportage, Dokumentation oder Collage zu gestalten, das eine Länge von etwa 30 Minuten haben sollte. Abgabetermin ist der 31. Dezember 2009. Die Wettbewerbssieger erhalten die Möglichkeit, den eigenen Hörbeitrag in einem professionellen Studio zu produzieren.
In der nachfolgenden Podiumsdiskussion las zunächst Robert Ide aus seinem Roman Geteilte Träume: meine Eltern, die Wende und ich, 2007 im Luchterhand-Literaturverlag erschienen.
An der anschließenden Diskussion nahm neben Moderator Hans-Heino Ewers, dem Autor und Manfred Pohl außerdem Dr. Stefan Wolle, Wissenschaftlicher Leiter des DDR Museums Berlin und Projektleiter im Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin, teil.
Dabei standen nicht die Verhältnisse in der ehemaligen DDR, sondern vielmehr Erlebnisse der Wendezeit im Mittelpunkt. Fazit: Es gab wohl keine andere Alternative, als westliche Wirtschaftsformen so schnell es ging in den neuen Bundesländern durchzusetzen. Gleichwohl ist zu konstatieren, dass dabei oft Scherbenhaufen – vor allem emotionale – hinterlassen wurden.
JF