Home > Runde Geburtstage > Elmar Faber (75)

Elmar Faber (75)

Faber & Faber & Faber
und der rechte ist der Jubilar

Nein, lieber Elmar,

daß Du heute schon 75 wirst, muß ein Aprilscherz sein. Eben noch haben wir doch in der Moritzbastei beim Bier zusammengesessen, und Du sagtest mir, daß Du für Deine neue Aufbau-Reihe „Schicksale im 20. Jahrhundert“ meinen „Malik“ haben willst. Das war kurz nach dem Mauerfall.

Die Geschichte des Manuskripts kanntest Du nur vom Hörensagen – Michael, Dein Sohn, war so etwas wie mein Vorauslektor gewesen. Das Buch über Wieland Herzfelde, John Heartfield und George Grosz war eigentlich in einem anderen Verlag geplant, der wollte aber in jenen wilden Wendetagen Anfang der 90er nicht soviel Geld für eine illustrierte Ausgabe in die Hand nehmen, und irgendwie hast Du es recht schnell geschafft, mich aus dem alten Vertrag herauszuboxen.

Als das Buch dann auf den Markt kam, hatte man Dich gerade bei Aufbau entlassen. Wegen der Plusauflagengeschichte, gegen die Du zu Leipziger Börsenvereinssitzungen vor 1989 immer opponiert hast, da bin ich Augen- und Ohrenzeuge – und daß dieser Betrug stattzufinden habe, war staatlich verordnet und dementsprechend unausweichlich.

Aber: letztlich war es doch ein Glücksfall, dass Du 1990 gewissermaßen gezwungen wurdest, Deinen eigenen Verlag aufzuziehen: Faber & Faber, der eigentlich Faber & Faber & Faber heißen müsste, denn Deine Frau Renate war von Anfang an mit von der Partie. Und natürlich Dein Sohn Michael.

Hätte es diese Verlagsgründung nicht gegeben, dürfte es heutigen Ministerpräsidentenstellvertretern in Sachsen noch schwerer fallen, die blühende Verlagslandschaft der alten Bücherstadt Leipzig heraufzubeschwören, wenigstens einmal im Jahr: zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse, wenn diese Klientel das Thema Bücher auf den Zettel kriegt. Seien wir doch mal ehrlich: Soo viele Verlage haben in Leipzig leider nicht überlebt. Vor allem die ehemals großen Namen wie Brockhaus oder Reclam nicht. Und auch die Insel macht sich ja demnächst vom Acker. Da bist Du mit Deinem Verlag inzwischen eine Konstante, an der man nicht mehr vorbeikann.

Zwei klitzekleine aber geniale Ideen haben den Verlag erfolgreich gemacht: die Erstlingswerke deutscher Autoren in bibliophilen illustrierten Neuausgaben und die DDR-Bibliothek. Das sorgte bundesweit für Aufsehen. Damit habt Ihr drei Fabers den Laden aus einem Wohnzimmerunternehmen recht schnell zu einem „richtigen“ Verlag hochgefahren. Und immer wieder mit neuen Ideen überrascht: sei es die Kinderbuch-Klassiker-Edition, seien es die Leipziger Liebhaberdrucke (die kriegen nur die Subskribenten) oder sei es eine opulent illustrierte Ausgabe von Marxens „Kapital“. Von all den anderen Titeln nicht zu reden. Interessierte können hier schauen: http://faberundfaber.de/

Vielleicht ist das Geheimnis der Faberfaberfaber-Erfolgsgeschichte ja, dass Du mit allen verlegerischen Wassern gewaschen bist: Wer kann schon von sich sagen, dass er eine Pressendruckerei ebenso im Griff hat wie einen von ihm gegründeten Taschenbuchverlag? Oder, wie Wolfgang Tittel zur Eröffnung der Dir im Leipziger Haus des Buches gewidmeten Ausstellung „Drei Verlegerleben“ sagte: „Wer Elmar Faber nicht kennt, kann nicht zur Buchwelt gehören.“ Recht hat er.

Gehört in so einen Gratulationsartikel eigentlich eine Vita? Ich weiß es nicht, aber da ich sie Michael abgeluchst habe, kann ich sie ja auch benutzen. Also: Geboren am 1. April 1934 in Deesbach / Thüringen, 1954 Abitur, 1954-58 Studium der Germanistik in Leipzig bei Hans Mayer. Nebenfächer: Kunst- und Philosophiegeschichte bei Ernst Bloch, 1959-1968 Redakteur / Chefredakteur der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Leipziger Universität, 1968-1970 Lektor für Literatur- und Sprachwissenschaft im Bibliographischen Institut, zugleich Verlegerassistent, 1970-75 Cheflektor im Verlag EDITION LEIPZIG, 1975-1982 Verleger von EDITION LEIPZIG, 1983-1992 Verleger des Aufbau-Verlages und des Verlages Rütten & Loening, 1990 Gründung des Verlages Faber & Faber in Berlin, seit 1995 in Leipzig; erst als Alleineigentümer, später als Geschäftsführender Gesellschafter.

Was nicht in dieser Biographie steht, sind Deine Bücher. Zum Beispiel: „Die Allmacht des Geldes und die Zukunft der Phantasie. Betrachtungen zur Bücherwelt“, was jedem Branchenmenschen nur zur Lektüre empfohlen werden kann. Und zum 75. hast Du Dir selber ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Du bist nämlich Prosaautor geworden mit dem Erzählungsband „Nürnberger Pakete“, der beim Verlag Das Neue Berlin erschienen ist, nicht etwa im eigenen Verlag. Nicht zu zählen die Herausgaben und Fachartikel, die Deinen Namen tragen.

Wenn wir uns zur Buchmesse unterhalten, weiß ich, was Du literarisch/publizistisch noch alles auf der Pfanne hast: So ein paar höchst interessante Zensurgeschichten (neinnein, die sind nicht in der DDR passiert, sondern in den USA und in Westdeutschland zu Zeiten der Mauer – zensierte DDR-Bücher von namhaften Literaten, auch das gibt’s). Keine Angst, ich verrate nix, versprochen, weil Du die selbst erzählen willst, was ich Dir rechtschaffen neide, weil ich es natürlich auch gern täte. Aber bei mir wär’s nur Trittbrettfahrerei, und Du sitzt an der Quelle. Genauer: Du bist die Quelle.

Also, mein Lieber, dann laß mal sprudeln. Deine Leser warten a) auf Deine Texte und b) auf weitere Bücher aus dem Hause FFF.

Und laß Dich umarmen zum Geburtstag, an dem Du sicher jede Menge Bücher geschenkt kriegst.

Herzlich, Dein

Ulrich Faure

Kontakt: verlag@faberundfaber.de

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige