
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Die Zeit
Feuilleton
„Hat Daniel Kehlmann als Erster seine eigene Sperrfrist gebrochen?“ fragt Christoph Siemens, aber so richtig werden wir nicht schlau daraus, worauf sich diese Frage nun bezieht.
Auch Ulrich Greiner hat den Effie Briest-Film gefressen. An gewissen Stellen scheint er Gefallen gefunden zu haben, hält den Film aber grundsätzlich für ein Missverständnis.
Doppelinterview mit Jan Josef Liefers und Frank Goosen über den Sound zweier Kindheiten.
Literatur
Große Geschichtsschreibung: Clemens Meier erzählt in Kultur um der Freiheit willen (Siedler) von der griechischen Polis.
Ulrich Greiner erinnert daran, dass Salman Rushdie seit nunmehr 20 Jahren mit der Todesdrohung lebt.
Der Germanist Gerhard Kaiser zeigt, was die Wissenschaft von der Literatur eigentlich bedeutet. Gleich in zwei Büchern: Spätlese (Francke) und Väter und Brüder (Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig).
Endlich die Wahrheit über Vietnam zulassen: Dafür plädiert Deborah Nelson in The War Behind Me (Basic Books).
„Ich bin ein Schwein“ überschreibt Adam Soboczynski seinen Artikel zum 20 Todestag von Thomas Bernhard und meint natürlich nicht sich selbst.
„Ein neuer schaurig-schöner Barcelona-Roman“ ist Carlos Ruiz Zafóns Das Spiel des Engels (S. Fischer), meint Kristina Maidt-Zinke.
Noch ein Buch über Nurejew: Bilder seiner Lebens hat Henschel vorgelegt.
Ulrich Baron findet den neuen Stewart O’Nan Alle, alle lieben dich (Rowohlt) großartig.
Kinder- und Jugendbuch
Siggi Seuss bespricht Nathan und die Kinder von Mirjam Pressler (Beltz & Gelberg), eine freie Bearbeitung von Lessings großer Dichtung.
„Weltlustig illustriert“ findet Reinhard Osteroth die Geschichte ohne Ende und Anfang von Andrej Usatschow und Alexandra Junge (NordSüd).
Ein „bewegendes Debüt“ ist Maggie Schneider/Jacky Gleich Opa Meume und ich (Tulipan Verlag).
Die LUCHS-Jury empfiehlt
M. Cottin/R. Faria Das schwarze Buch der Farben (Fischer Schatzinsel), Ingrid Law Schimmer (Carlsen) und S. Partsch/R. Zacher Der Traum vom Fliegen (Bloomsbury).
Doch was zu Suhrkamp und Berlin: Andreas Maier fragt sich, was sein Verlag in der Hauptstadt will. Und unklare Antwort: So recht weiß er es nicht…
Franz Schuh schreibt über Bella Block, Hannelore Hoger, Theodor Storm und ein Lesebuch für Verliebte (Fischer TB).
Annotationen
Eckhard Nordhofen Tridentische Messe: Ein Streitfall (Butzon & Bercker) und Reinhard Marx Das Kapital (Pattloch) – da sieht man wieder, wohin es führt, dass es zu Karl Marx’ Zeiten noch keinen Titelschutz gab.
Schön zu Mehdorns Spitzeleien passt ein Gedicht über die geballten Unfähigkeiten der Bahn: Der ICE-Zugchef von Thomas Gsella.
Frankfurter Rundschau
Vor 20 Jahren starb Thomas Bernhard – Manfred Schneider erinnert an den Dichter.
„Immerhin, nackt ist sie“ – die Überschrift von Uwe Mies deutet schon an, was er über die neue Effie Briest-Verfilmung denkt: „Die Akteure tragen zeitgenössische Garderobe spazieren“, augenscheinlich aber nicht immer…
Auf der letzten Seite schreibt Claus-Jürgen Göpfert: „Warum Suhrkamp-Manager Thomas Sparr den Verlag in die Bundeshauptstadt führt“: Er habe die Verlegerin lediglich in dieser Entscheidung bestärkt…
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Michel Foucaults Parrhesia und Roland Barthes’ Buch der Trauer bewegen Frankreich – schreibt Jürg Altwegg, schön, dass es noch Länder gibt, die sich von Büchern bewegen lassen.
Vielleicht lassen wir uns ja bewegen von Barbara Piattis Die Geographie der Literatur (Wallstein) – eine Besichtigung der Schauplätze von Literatur. Man könnte dem Buch immerhin nachreisen.
Irmela-Hijiya-Kirschnereit hat Durs Grünbeins „Reisetagebücher in Haikus“ unter dem Titel Lob des Taifuns (Insel) gelesen – das Buch, findet sie, sei durchaus eine Alternative zu Polaroids.
Annotationen
Jorge Luis Borges Handbuch der phantastischen Zoologie (Hanser) und Christoph Geiser Wenn der Mann im Mond erwacht (Ammann).
Auf dem Titel des Reiseblatts die Dubliner Statue von James Joyce, der gewohnt missmutig dreinschaut: Dublin bewirbt sich um den Unesco-Titel „Stadt der Literatur“. Elsemarie Maletzke findet: zu Recht.
Bücher im Reiseblatt
Andreas Altmann Das Land der Regenbogenschlange (DuMont) (na, was ist gemeint? richtig: Australien), Michael Boyny Auszeit zu zweit (Bucher), Hendrik Sachs New York im Film (Reise Know How – die haben’s aber heute bei der FAZ mit Ortsbesichtigungen…) und Marilia Albanese Mit dem Auge Buddhas (White Star).
Die Welt
Wussten Sie, dass es im Weißen Haus eine LP-Sammlung gibt? Dass George W. Bush Van Morrison-Fan ist? Keiner weiß genau, was alles an Platten da rumsteht. Dass eine fehlt, ist aber gewiss: The Pres Blows heißt das Ding vieldeutig, denn gemeint ist der Mitschnitt von Clintons Konzert in Prag 1994. Den der Rundfunk heimlich machte.
Charlotte Roche ist mit Wetlands in England angekommen. Und wird dort ebenso heiß diskutiert wie weiland bei uns.
Als „Innovation der Woche“ feiert die Welt „1500 Bücher in einem E-Book“ – Friedemann Sittig freut sich über den in Deutschland nicht verfügbaren Kindle 2.
Süddeutsche Zeitung
„Ein Satz zum 20. Todestag von Thomas Bernhard“ – und Alex Rühle lügt nicht mit dieser Subline zu seinem halbspaltenlangen Artikel über „Österreichs Bauchredner“: Er hat wirklich nur einen Satz geschrieben. Aber die Kommas haben wir nicht gezählt.
Jan Philipp Reemtsma tritt in Jena die Schiller-Professur an, und heute, zum 200. Geburtstag, wenigstens hier ein Artikel zum Lincoln-Geburtstag. Die anderen hatten ja schon alle was. War aber auch keine Sperrfrist drauf…
„Glanz und Elend der Geschwister von Mendelssohn“: Dazu gibt es von Thomas Blubacher bei Henschel das Buch Gibt es etwas Schöneres als Sehnsucht.
„Wie man Keilriemen und Marienstatuen koppelt“ weiß Klaus Ferentschik in seinem Weltmaschinenroman (Matthes & Seitz) – Jutta Person ist davon so fasziniert, dass sie gleich das ganze Buch nacherzählt.
Die Neuauflage von Peter Beards Fotoband Die letzte Jagd (Taschen) hat ein Vorwort von Paul Theroux.
Neue Zürcher Zeitung
„Die mythische Verkörperung des ‚besseren Amerika'“, die Überschrift gibt nicht das wieder, woran Autor Michael Hochgeschwender erinert, wenn er über Abraham Lincoln schreibt: Messias sei Lincoln nicht gewesen, dafür aber ein „vorsichtiger Politiker mit einem Gespür für das Machbare in einer aufgeregten Zeit“. 2007 erschien von Hochgeschwender das Buch Amerikanische Religion – Evangelikalismus, Pfingstlertum, Fundamentalismus (Verlag der Weltreligionen).
Als lediglich „Spukhafte Fernwirkung“ empfindet Paul Jandl Stefan Beuses Roman Alles was du siehst, aus dem Verlag C. H. Beck, er hält darin vieles für unnötig übertrieben: „Wenn es der Fluch des Talents ist, mitunter mehr zu wollen, als man kann, dann ist der 1967 geborene Stefan Beuse eine Ausnahme. Er will weniger, als er könnte.“
„Kunst und Leidenschaft“ präge Adam Zagajewskis „mutige und elegante Verteidigung der Poesie“, so Ilma Rakusa über Verteidigung der Leidenschaft im (Verlag Carl Hanser).
Kurz besprochen wird unter
„Folgen geistiger Ausschweifung“: Immerhin waren es noch geistige als sich in den 50er Jahren die Wiener Gruppe formierte. Daran erinnert jetzt der Band Verschiedene Sätze treten auf. Die Wiener Gruppe in Aktion, herausgegeben von Thomas Eder und Juliane Vogel in der Profile-Reihe beim Zsolnay-Verlag.
Diese „Künstlerkatastrophe“ sei vorzüglich geschrieben: Hanno Millesi, Der Nachzügler, Luftschacht-Verlag
„Zeilen wie Bajonette“: Saskia Fischer Scharmützelwetter. Gedichte. Suhrkamp
Über einen „Schweizer in Marokko“ geht es in Konrad Stamm: Marokko-Müller, der einen Oberst im Reich des Sultans 1907–1911 beschreibt, erschienen im hauseigenen Verlag NZZ Libro