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Die Dschungelbücher zu Gast in Düsseldorf

Heute abend präsentierten Illustrator Martin Baltscheit und Übersetzer Gisbert Haefs „Die Dschungelbücher“ in der Buchhandlung Müller & Böhm in Düsseldorf. Ein schöner Auftritt für ein opulentes Buch bei Boje.

Martin Baltscheit (l.), Gisbert Haefs

Rudyard Kipling sei vielstimmig, erklärte Gisbert Haefs, und es habe ihm viel Vergnügen bereitet, sich an der Übersetzung zu versuchen. Weil es lange Zeit nur gekürzte und schludrige Übersetzungen gegeben habe, hatte Haefs Ende der 80er Jahre begonnen, Kipling für den Haffmans Verlag neu zu übersetzen. Auf den Autor war er bei seinen Übertragungen von Jorge Luis Borges gestoßen, der immer wieder auf ihn verwiesen hatte.

An der Disney-Version des Dschungelbuchs, die nach wie vor zuerst mit Kiplings Werk assoziiert wird, habe ihn immer die Verniedlichung gestört, so Haefs. Denn bei Kipling gehe es nicht ums Singen, Tanzen und Turteln, sondern ums Töten und Überleben. Daher sei er sehr gespannt gewesen, welche Bilder Martin Baltscheit zu diesem Text einfallen würden.

Nach rund 105 Jahre mit rund 200 illustrierten Fassungen sei diese, bei Boje nun vorliegende, „die erste richtig gute Ausgabe“, resümierte Gisbert Haefs. Tatsächlich, „Die Dschungelbücher“, für die Lektorin Natalie Tornai mit Martin Baltscheit lange über die Wahl des Papiers beratschlagte und viele Andrucke in der Druckerei prüfte, sind etwas ganz Besonderes geworden. 448 Seiten, Halbleinen mit Prägung im Schuber, gleich zweimal ausgezeichnet von der Stiftung Buchkunst, es steckt viel Sorgfalt und Liebe zum Detail in diesem Buch.

v.l.: Boje-GF Ulrich Störiko-Blume, Martin Baltscheit
Natalie Tornai, Gisbert Haefs,
vorne: Rudolf Müller

Die Vorgabe vom Verlag habe geheißen, dass eine Zusatzfarbe zur Verfügung stehe, erklärte Martin Baltscheit, zudem ein glänzender Vorleser (Hörbuch: Hörcompany). Dass diese Farbe nur Rot sein konnte, da es um Leben und Tod geht, lag auf der Hand. Manche würden sagen, die Bilder seien aber düster geworden, erklärte der gebürtige Düsseldorfer. „Heij, habt ihr den Text gelesen? Was soll ich denn machen?“, entgegnet er diesen Kritikern.

Gerade für Jugendliche, und unter ihnen insbesondere für die Jungs seien die „Dschungelbücher“ eine gute Lektüre, denn der Protagonist Mowgli, der sich zwischen der Tier- und der Menschenwelt hin- und her gerissen fühlt, spiegele deren Zerrissenheit zwischen der Kinder- und der Erwachsenenwelt wider, so Baltscheit, frisch gebackener Vater von neun Wochen alten Zwillingssöhnen.

Der Abend klang aus mit Weihnachtsgebäck – es war die letzte Veranstaltung in diesem Jahr im Heine Haus, in dem die Buchhandlung Müller & Böhm seit 2006 ihren Standort gefunden hat. Auf spannende Begegnungen im neuen Jahr – dann feiern die Buchhändler Selinde Böhm und Rudolf Müller 20-jähriges Firmenjubiläum.

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