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Ich bin nicht da. Manfred Maurenbrecher in der Frankfurter Romanfabrik

Manfred Maurenbrecher liest

In seiner Ankündigung beugte gestern Abend Romanfabrik-Chef Michael Hohmann gleich vor: Bei dem Roman Ich bin nicht da von Manfred Maurenbrecher handelt es sich weder um einen Gegenentwurf zu Hape Kerkeling noch um eine Pilgerreise.

Im soeben im House of the Poets erschienen Buch geht es vielmehr um die Berliner Lesebühnen-Szene. Sie ist der Hintergrund und Nährboden für Gefühle, Intrigen und Auseinandersetzungen, die auch tödlich enden können.

Manfred Maurenbrecher setzt sich zuerst an den Flügel, singt vom Suchen und Finden und vom Tag, der aus den Scherben der Dämmerung hervor krabbelt.
So richtig leise ist das nicht, gewohnt kraftvoll tönt die etwas heisere Stimme, Klavier respektive Flügel kann gewaltig klingen – jedenfalls wenn Maurenbrecher auf die Tasten einhämmert, immer mit den Füßen den Takt dazu stampfend.

Maurenbrecher am Flügel

Dann, am Lesetisch, spricht er von der Buchidee, die 1999 geboren wurde. Entstanden ist der Roman zwischen 2002 und 2006, er spielt im Jahr 2002, als es schick war, ein Ossi zu sein. Maurenbrecher erklärt, dass in seinem Buch wahre und erfundene Personen mit richtigen und erfundenen Namen auftauchen: „Nicht alle kommen gut weg.“
Eine nicht erfundene Person ist beispielsweise Michael Stein, Autor, Kabarettist, Musiker und ehemals Band-Mitglied bei Maurenbrecher – ihm gefiel das Buch, er konnte es noch lesen. Stein starb 55-jährig im Oktober 2007.

Maurenbrecher karikiert in seinem Buch den Kulturbetrieb, nichts ist ihm heilig – aber so kennt man ihn seit 30 Jahren. Und so wird er geschätzt; sarkastisch, angriffslustig, unverbogen und sensibel.

Wieder am Flügel äußert er sich in einem Lied, vor fünf Wochen geschrieben angesichts der Schreckensmeldungen in der Finanzbranche und erster Versuche des Staates, einen Schutzschirm aufzuspannen, über die Jongleure des Geldes. „Es ist die Rückkehr des Agitprop-Songs“, sagt Maurenbrecher, und im Lied heißt es „Ab ins Bergwerk, Finanzmakler, lass doch dein Geld für dich arbeiten.“
Noch immer bestimmt das Sein das Bewusstsein.

Das Publikum applaudiert. In der Zugabe hört es ein Violetta-Para-Lied: „So gut tut das Leben“. Auch das ist Maurenbrecher.

JF

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