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Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens für Giwi Margwelaschwili

Giwi Margwelaschwili und sein
Verleger Jörg Sundermeier

Der deutsch-georgische Schriftsteller Giwi Margwelaschwili erhielt heute das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Kulturstaatssekretär André Schmitz überreichte dem Autor die hohe Auszeichnung.

Margwelaschwili wurde am 14.12.1927 als Sohn georgischer Emigranten in Berlin geboren. Von 1934 bis 1939 besuchte er die Volksschule in Berlin-Wilmersdorf, anschließend bis 1946 ein Gymnasium. Seine Mutter beging bereits 1931 -vermutlich aus Heimweh- Selbstmord. Anfang 1946 wurde er mit Ihrem Vater, der an der Kaiser-Wilhelm-Universität Philosophie und Orientalistik lehrte, durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD in den Ostsektor entführt; sein Vater wurde in die Sowjetunion deportiert und dort erschossen. Er selbst war bis Herbst 1947 im KZ Sachsenhausen, bevor er nach Georgien deportiert und dort bei Verwandten untergebracht wurde. In Georgien studierte er Deutsch und arbeitete bis 1970 als Deutschlehrer am Pädagogischen Fremdspracheninstitut. 1971 wurde er an das Philosophische Institut der Akademie der Wissenschaften berufen, wo er bis 1991 arbeitete. Dort verfasste er in seiner deutschen Muttersprache ein literarisches Werk von ca. 40 Bänden und umfangreiche philosophisches Arbeiten, vor allem zu den deutschen Philosophen Husserl und Heidegger.

Nach einem Besuch Heinrich Bölls in Georgien waren für ihn seit 1969 regelmäßige Reisen nach Deutschland möglich. 1990 und 1991 erhielt er Stipendien des DAAD und der Heinrich-Böll-Stiftung. Seit 1993 wohnt er in Berlin, ein Jahr später wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen.

Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. ein Ehrenstipendium des Bundespräsidenten, den Literaturpreis des Landes Brandenburg, den Förderungspreis Literatur des Kunstpreises Berlin, die Goethe-Medaille in Weimar. Auch in Georgien wurde er geehrt, 1998 erhielt er den Ehrendoktor der Staatlichen Universität Tblissi.

Staatssekretär Schmitz hob hervor, dass er nicht nur ein be- und geachteter Autor und Wissenschaftler ist, sondern sich stets durch mutiges Engagement ausgezeichnet habe. So hat er sich – auch als Dozent an der Georgischen Akademie der Wissenschaften – immer gegen totalitäre Ideologien aller Arten eingesetzt. Das hat ihm Schwierigkeiten und die Beobachtung durch die sowjetischen Behörden eingebracht und seine Stellung gefährdet. Die Umklammerung durch ideologische Imperative, durch Parteiprogramme, Herrschaftsideologien und Gesetze, die beanspruchen, das gesellschaftliche Sein des Einzelnen zu bestimmen, sind seine Grundthemen.

In Georgien ist er nie vollkommen heimisch geworden, zumal er – und das ist kurios – von den Einheimischen oft als „typisch Deutsch“ angesehen wurde. Georgische Nationalisten griffen ihn verbal an und sahen in ihm einen „Agenten des Westens“.

Weiter hob Schmitz sein Engagement für den PEN hervor. Er hilft trotz seiner krankheitsbedingten Einschränkungen seit vielen Jahren Künstlerinnen und Künstlern aus Georgien, Rat und Unterstützung suchen. Als Ehrenmitglied der Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft unterstützt er mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen die Arbeit des Vereins, der sich um Migranten aus dem Kaukasus-Bereich kümmert. Als Ratgeber in politisch-historischen und literarisch-künstlerischen Angelegenheiten ist er für den Verein unentbehrlich.

André Schmitz betonte, dass seine belletristische und wissenschaftliche Arbeit sowie sein ehrenamtliches Engagement vorbildlich sei. Seine Arbeit sei ein wichtiger Beitrag, um die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts in seinem Wesen zu verstehen. Unsere Gesellschaft ist ihm zu Dank verpflichtet. Seine Bücher, lange im Handel nicht erhältlich, erscheinen jetzt im Berliner Verbrecher Verlag.

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