
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
Im Oktober ist der in Mumbai lebende Autor Aravind Adiga für seinen Roman Der weiße Tiger mit dem Booker Preis ausgezeichnet worden. Julia Kospach hat ihn zu Indien, seinem Debüt und schwierigen Lesereisen nach Europa, insbesondere Deutschland und Österreich, befragt.
Die Berliner Lyrikerin Monika Rinck erhält heute den mit 13.000 Euro dotierten Ernst-Meister-Preis der Stadt Hagen, Karikaturist Luff, alias Rolf Henn bekommt den Deutschen Preis für die politische Karikatur und 5.000 Euro.
Adam Olschewski sieht in der Jimi-Hendrix-Biografie (Rowohlt Berlin) des Autorenduos Klaus Theweleit und Rainer Höltschl „letztlich inhaltlich doch etwas Zählbares, nicht unbedingt aber etwas Neues“.
Und Antje Hildebrandt hat „10 Fragen an Walter Moers“, die klären, warum der Blaubär-Erfinder die Literaturkritik gefressen hat.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Tolstojs letztes Jahr: Reinhard Lauer bespricht Jay Parinis Roman, erschienen bei C.H. Beck, als „fesselnde Lektüre von Anfang bis Ende“.
Kritik in Kürze: Gustave Flaubert: „Leben und Werke des Paters Cruchard und weitere unveröffentlichte Texte“ (Friedenauer Presse) – das Bändchen erinnere an bessere Zeiten des literarischen Lebens.
Gabriele Garcia Márquez war einst ein armer Poet, der Journalismus bot ihm die Gelegenheit, etwas dazuzuverdienen. Seine journalistischen Arbeiten von 1961 bis 1984 lassen laut Kersten Knipp am Schluss der Lektüre verstehen, „warum Magie und Mythos am Ende unverzichtbar sind“ (Dornröschens Flugzeug, KiWi).
Mit dem Schweizer Buchpreis, der erstmals zur Messe buch.08 in Basel vergeben wird, sei zwar „so etwas wie ein schweizerisches Selbstbewusstsein zurückgekehrt“, kommentiert Pia Reinacher, allerdings hat sie auch noch einige „Schönheitsfehler“ gefunden: Bislang erscheine der Buchpreis vor allem als Medienpreis, der die saisonalen Tendenzen der Feuilletons vergrößert, statt ihnen Überraschendes entgegenzusetzen.
Die Nominierten Lukas Bärfuss, Anja Jardina, Rolf Lappert, Adolf Muschg und Peter Stamm haben sich bereits auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert und wer auch immer das Rennen machen wird, ein Preisgeld von 2500 Franken gebe es in jedem Fall.
Mit den Nominierten habe man aber auch einen längst fälligen Generationswechsel akzeptiert, sodass jüngere Autoren endlich die Chance hätten, nachzurücken.
„Waren das noch Zeiten!“ – Ernst Horst hat zwei Bücher unter die Lupe genommen, die die Konsumgesellschaft historisieren: Christian Kleinschmidts Konsumgesellschaft (Vandenhoeck & Ruprecht) und Wolfgang Königs Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft (Franz Steiner).
Die Welt
Wann gehört ein Autor Frankreich, wann der Frankofonie? Johannes Wetzel kommentiert die Vergabe der Pariser Literaturpreise, die für Streit sorgt. Eigentlich geht dieser Streit aber so tief, dass er die Buchhandlungen angeht. Die Frage ist nämlich: Warum werden frankophone Autoren zusammen mit den französischen Autoren in die Regale eingeordnet, also praktisch gleich behandelt? Fakt ist, sie alle schreiben auf Französisch, doch die einen stammen nicht aus Frankreich. Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärte zum Thema, dass die Frankophonie nicht tot sei, und auch nicht so schnell verschwinden werde, weder als Institution, noch als Kategorie für Buchhändler und Literaturkritiker.
Süddeutsche Zeitung
Burkhard Müller kann Michael Wildenhains Träumer des Absoluten (Klett-Cotta) nichts abgewinnen: Der Roman aus der Hausbesetzer-Szene halte keine Überraschungen bereit, sondern sei „linear erzählt und ohne Verwicklungen“, die Sprache des Autors bemühe sich um die „Coolness der Epoche, von der sie handelt, und landet dabei in einer glanzlosen Frostigkeit, von der keiner was hat.“
Spektakulär-subtil dagegen der BandVisconti. Schriften, Filme, Stars und Stills (SchirmerMosel) von Marianne Schneider und Lothar Schirmer, der für Fritz Göttler die Seele findet im Leben und im Jahrhundert-Werk des Kono-Grafen Luchino Visconti – „tastend, diskret, absichtsvoll im Fragmentarischen verbleibend“.
Innehalten und sehen – das lässt sich aus Karla Schneiders Büchern lernen. Anlässlich ihres 70. Geburtstages widmet die SZ der ehemaligen Buchhändlerin und ihren Romanen, die als „Kinderbücher gelten, obwohl sie es nicht sind, weil sie Biografien erzählen, die so wirklich anmuten, dass das Wunderbare, das in ihnen eine gewisse Rolle spielt, vor allem als Verstärkung von Wahrhaftigkeit dient“, ein kleines Porträt.
Neue Züricher Zeitung
Die neue Türkei ist im deutschsprachigen Buchmarkt angekommen: Volker S. Stahr empfiehlt unter „Demokratie, Islam und Jugend“ zum Thema die Titel:
Rainer Hermann: Wohin geht die türkische Gesellschaft? dtv; Thomas Brackmann: Zwischen Kemalismus und Islamisierung, Meidenbauer; Annette Grossbongardt: Istanbul Blues, Rowohlt; Constanze Letsch: Unser Istanbul, Berliner Taschenbuchverlag; Sibylle Thelen: Istanbul – Stadt unter Strom, Herder; Yunus Yoldas: Das politische System der Türkei. Verlag Peter Lang; Judith Hoffmann: Aufstieg und Wandel des politischen Islam in der Türkei, Schiler-Verlag; Felix Körner: Alter Text – neuer Kontext, Herder; Bekim Agai: Zwischen Netzwerk und Diskurs, EB-Verlag.
Michael von Ledebur über Rob Johnsons Pulverfass am Hindukusch. Dschihad, Erdöl und die Großmächte in Zentralasien (]Konrad-Theiss-Verlag]): Insgesamt zeige Johnsons Darstellung, dass sich die Situation in der Region im Vergleich zu den Ereignissen um die Jahrtausendwende eher entspannt habe. Von einer baldigen Explosion des „Cocktails“ könne gegenwärtig jedenfalls keine Rede sein: „Der Autor straft die Reklame, mit der sein Buch beworben wird, in positivem Sinn Lügen.“
Die Perspektiven einer globalisierten Politik beleuchtet der Sammelband Globale Akteure der Entwicklung. Die neuen Szenarien (VS Verlag für Sozialwissenschaften), hg. von Hans Norbert Janowski und Theodor Leuenberger. Marianne Affolter kommentiert, das Buch gebe den Blick frei auf die derzeitigen Herausforderungen, von wirtschaftlichen und sozialen Themen über die Umweltproblematik bis hin zur integrierenden und destruktiven Valenz von Religion und Militär. Es leiste damit einen Beitrag zu einer neuen Sicht auf verschiedene Aspekte heutiger Entwicklungspolitik.