
Der große Saal in der Botschaft Südafrikas in Berlin Tiergarten war bis auf den letzten Platz besetzt, als André Brink gestern Abend seinen Roman „Die andere Seite der Stille“ vorstellte.
Es ist der Verdienst des Berliner Osburg Verlags, dass das Buch, das die Tragödie der deutschen Kolonialgeschichte thematisiert, endlich auch auf Deutsch vorliegt. „Die andere Seite der Stille“ ist der Spitzentitel im Herbstprogramm des jungen Verlags, der sich mit dem Schwerpunkt „Menschen und ihre Geschichte“ profiliert.
Der 73jährige südafrikanische Autor André Brink, der seit Jahren als Kandidat für den Literaturnobelpreis im Gespräch ist, hat die Originalausgabe „The Other Side of Silence“ bereits 2002 veröffentlicht. Im Gespräch mit seinem Übersetzer Michael Kleeberg („Karlmann“) las und erzählte André Brink die bewegende Geschichte der Hanna X, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einem Bremer Waisenhaus aufwächst, wo sie erniedrigt und missbraucht wird. In der Hoffnung auf ein besseres Leben reist sie nach Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia. Doch statt der erhofften Freiheit erlebt sie die Brutalität, Folter und Gewalt der Siedler und Kolonialsoldaten, die die Frauen als Freiwild betrachten.
Das Schicksal der Frauen hat André Brink nicht mehr losgelassen. Er hat gründlich recherchiert und beschreibt anhand der großen Frauenfigur Hanna X die Gewalt, die Verstümmelung in schonungslosem Realismus. Er musste die Grausamkeiten aufschreiben, um ihnen ins Gesicht zu sehen, um nicht daran zu ersticken, erzählte Brink. Dennoch ist „die andere Seite der Stille keine pessimistische Geschichte. Hanna entdeckt den Hass als ihren Lebensimpuls, ist nicht länger Opfer, sondern Rächerin. Eine bewegende, mit großer Poesie erzählte Geschichte, der man viele Leser wünscht.
Für das Herbstprogramm 2009 kündigte Verleger Wolf-Rüdiger Osburg übrigens ein zweites Buch von André Brink an, dem noch weitere folgen sollen.
Weiterte Termine der Lesereise: Heute Abend lesen André Brink und Michael Kleeberg im Warburg-Haus Hamburg, am Mittwoch im Überseemuseum Bremen.
ML







