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Ulrich Hopp: Die kleineren Verlage müssen gemeinsam auf den Großbuchhandel zugehen

Ulrich Hopp

Ulrich Hopp ist Verleger des be.bra verlages mit den Imprints edition q, japan edition, berlin edition, berlin.krimi.verlag und dem be.bra wissenschaft verlag.

BECKMANN: Was war Ihre erste Reaktion, als Sie von Michael Wiesers Idee hörten, die Mayersche für unabhängige kleinere Verlage zu öffnen?

HOPP: Ich war sehr überrascht. Angenehm überrascht. Es ist ja schließlich so, dass kleinere Verlage bei den Großfilialisten kaum Beachtung finden, bei den Hausbörsen werden wir oft nicht berücksichtigt, unsere Vertreter finden nur sehr schwer Zugang.

BECKMANN: Eine Besorgnis erregende Situation.

HOPP: Eine bedrohliche Entwicklung. Denn die Ketten expandieren immer rasanter, werden im Handel laufend dominanter, und es scheint ganz so, als ob wir für sie keine große Rolle spielen, sie auf unsere Autoren und Titel nur partiell zurückgreifen wollen.

Und da kam nun plötzlich die Mayersche und zeigte sich willens, das Steuer herumzureißen. Die Mayersche hat vermutlich erkannt: So kann die Buchhandelsbranche nicht weitermachen. Der Buchhandel kriegt Probleme, wenn er mit nur 20 Prozent der deutschen Verlage – den großen Verlagen eben – 80 Prozent seiner Umsätze macht.

BECKMANN: Warum sollten dem Großbuchhandel daraus Probleme erwachsen?

HOPP: Die bis dato zunehmende Einförmigkeit des Titelangebots der Großbuchhandlungen, das bisherige Sortiment aus den immer gleichen Büchern in meist gleicher Ausstattung hat keine Zukunft, läuft sich tot. Der Handel braucht die Vielfältigkeit, und Vielfalt kommt vor allem von kleineren Verlagen, die nicht nur den von den Großen bestimmten Mainstream bedienen.

Die Mayersche hat erkannt: Wir Kleineren haben Perlen in unseren Programmen, auf die sie nicht verzichten sollten, „BuchSchätze“, um einen Ausdruck Michael Wiesers zu verwenden, die der Handel nicht länger ignorieren, missachten und übergehen sollte, die gehoben werden müssen. Mit ihrer Idee und Initiative setzt die Mayersche hoffentlich ein Signal, das von anderen Großen des Handels erkannt wird. Und das würde uns natürlich freuen.

BECKMANN: Es hatte aber doch vorher schon immer wieder Diskussionen über die Notwendigkeit gegeben, dass das Sortiment die Vielfalt der verlegerischen Arbeit spiegeln müsse …

HOPP: Gewiss, doch es war letztlich bei Diskussionen und Sonntagsreden geblieben. Ich habe oft den Eindruck, dass sich solche Diskussionen meist verselbständigen, Theorie bleiben, nicht in die Praxis umgesetzt werden und also zu nichts führen. Genau das wird sich, so hoffe ich, mit Michael Wiesers Aktion nun etwas ändern.

BECKMANN: Die Idee und die dann folgende Einladung zum Independent Day der Mayerschen ist also positiv aufgenommen worden. Wie ist es zunächst am 9. September in Aachen abgelaufen?

HOPP: Man hätte wohl 300 Verlage einladen können, für sie alle wäre in der Mayerschen aber kein Platz gewesen, Michael Wieser hat deswegen nur etwa 110 Verleger und Vertriebsleiter einladen können. Die gaben sich zunächst eher zurückhaltend, abwartend. Wir waren gespannt: Was wird man hier wohl von uns wollen? Welche Vorgaben will man uns machen? Wir gehören ja schließlich alle nicht zu den „A-Verlagen“.

BECKMANN: Und wie ist die Stimmung dann umgeschlagen?

HOPP: Von „umschlagen“ will ich nicht reden, sondern es wurde eben konkreter. Und zwar nach einem Vortrag von Anya Schutzbach – der Vertriebsleiterin von Weissbooks –, in dem sie die Lage der kleineren Verlage im Umgang mit den „Großen im Handel“ sehr schön darlegte und mit dem konkreten Vorschlag endete, dass wir „Kleinen“ uns im vertrieblichen Bereich zusammenschließen müssen und gemeinsam auf die Großbuchhandlungen zugehen.

Michael Wieser hat dargelegt, wie ein Filialist arbeitet und arbeiten muss, wie sehr es bei einem großen Buchhandelsunternehmen, das gezwungen ist, die zahlreichen Filialen zu steuern, auf eine Gewichtung der Novitäten, auf eine Bündelung der Informationen ankommt. Da können nicht Hunderte von Verlegern und/oder Vertriebsleitern einzeln, jeder für sich mit ihren sehr unterschiedlichen, heterogenen Programmen sowie differenten Marketing-, Werbe- und Medienaktivitäten anrücken. So etwas wäre einfach nicht zu bewältigen.

Uns wurde das Problem geschildert, in welch hohem Maße der Buchhandel unter einer kaum mehr übersehbaren Informationsflut aus den Verlagen ächzt, und dass wir uns daher Gedanken machen müssen, wie wir künftig unsere Anliegen gezielt vermitteln wollen. Nach dem bisherigen Muster kommen auch wir offensichtlich nicht weiter.

BECKMANN: Und wie könnte eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Mayer’schen künftig aussehen?

HOPP: In einem ersten konkreten Schritt hat Wieser beispielsweise das Mayersche Denken in „Themenwelten“ dargestellt und erläutert, auf welche Weise kleinere Verlage in die Gestaltung dieser Themenwelten einbezogen werden können.

Wesentlich ist es für die Mayersche zunächst, dass wir kleineren Verlage uns Gedanken machen, wie wir unseren Auftritt bündeln. Ob überhaupt Möglichkeiten bestehen, sich im Bereich Auslieferungen und Vertretungen zusammen zu finden, weiß ich noch nicht, aber wir sind aufgerufen, hier gemeinschaftlich gangbare Wege zu finden. Zu diesem Zweck ist zunächst einmal eine Werbegruppe aus 18 Verlagen gebildet worden – ein Anfang.

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