
Lutz Lewejohann wird heute 65 Jahre alt. Seine Sammlung buchhändlerischer Devotionalien ist legendär: Seit seiner Jugend sammelt er alles, was die Buchverlage an Festschriften. Jubiläumsausgaben und Jahresgaben herausbringen – bis hin zu Werbegaben für den Handel (das legendäre MERIAN-Handtuch etwa besitzt er m.W. in allen Versionen). Seine Zweitwohnung in Grimma ist vollgestopft davon.
Zuviel davon belastet allerdings, das spürt er jetzt. Deswegen hat er selbst immer noch nicht das Buch „Alles was Sie schon immer über den deutschen Buchhandel wissen wollten und nie zu fragen wagten“ herausgebracht, das er schon zu seinem 40. Geburtstag angekündigt hatte. Das war aber damals so wenig ernstgemeint wie heute: Wir beide wollten (angeblich, das haben wir damals nur als Gag im BuchMarkt behauptetet) unter diesem Titel ein Buch mit leeren Seiten herausbringen, weil wir damals wie heute der Meinung sind, dass man diese Fragen nie wird richtig beantworten können.
Dabei bin ich der Meinung, dass Lutz das könnte. Er ist in meinen Augen der umtriebigste und sicher auch leidenschaftlichste Buchhändler unter meinen Freunden (Heino, Du kommst gleich danach).
Und er kennt die Branche aus allen Perspektiven: Er war Buchhändler; er war bei Bertelsmann in den Aufbaujahren dabei, er wurde Vertreter (die Liste seiner Verlage liest sich wie das Who is Who der Edelmarken von dtv über Suhrkamp/Insel zu Hoca, Thienemann und BI/Brockhaus), um seine Buchhandlung (s. BuchMarkt 9/2008) zu finanzieren; er hat sehr früh im MA-Geschäft mitgemischt; er war bei Orbis Verleger; er hat versucht, mit Rolf Rottmar und Johannes Immken seine Buchhändlerkollegen für die Idee des Roten Punkt zu begeistern.
Und wie das oft bei uns im Buchhandel so ist: Nicht alles war erfolgreich, er hat auch Niederlagen verkraftet, die er heute aber mit heiterer Gelassenheit sieht: “Ich habe ein erfülltes Leben“ – mit dazu bei tragen seine „kleinen“ Läden im „Osten“ und die etwas größeren im „Westen“, von denen er auch mit 65 nicht lassen kann und will – auch wenn er sich etwa in Neuss derzeit gegen die Mayersche stemmen muss – was „mir gelingen wird, auch wenn die ersten zwei Jahre nicht einfach sind.“
Wir beide kennen uns jetzt seit über 40 Jahren (mehr dazu in K&T im Oktoberheft d. Jahres) – und seither zwingt er mich mit seinen kritischen Anmerkungen und Ideen, unsere Themen wirklich mit buchhändlerischen Augen zu sehen – auch wenn ich zu seinem Leidwesen nicht immer auf ihn höre.
Wer weiß, ob es BuchMarkt ohne ihn noch gäbe: Bei meinem ersten Interview, (das war 1966 mit Helmut Kindler) hat er mir geholfen, die Fragen auch aus buchhändlerischer Sicht zu stellen. Ich war fürchterlich aufgeregt; Lutz war die Ruhe selbst – Dank seiner Hilfe habe ich das überlebt.
Christian v. Zittwitz
Kontakt: lutz.lewejohann@t-online.de
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