
„Die Meinung, dass der August ein schlechter Monat für Veranstaltungen ist, wird mit ihrer Anwesenheit heute Abend deutlich widerlegt“, begrüßte Werner Söllner vom Hessischen Literaturforum erfreut die vielen Gäste in der Studiobühne im Mousonturm in Frankfurt.
Dag Solstad, 1941 in Sandjeford geboren, zählt zu den bedeutendsten norwegischen Gegenwartsautoren. Skandinavist und Übersetzer Uwe Englert stellte den Autor vor, der bis heute etwa 30 Bücher – Romane, Theaterstücke und Essays – veröffentlichte, von denen leider bisher nur vier ins Deutsche übersetzt wurden. Vor einigen Tagen ist sein Buch „Armand V.“, wofür er den Bragepreis, den wichtigsten Literaturpreis Norwegens erhielt, in der deutschen Übersetzung von Ina Kronenberger im Dörlemann Verlag Zürich erschienen. Der Roman, konzipiert aus 99 Fußnoten, der dem Autor in dieser Komposition erlaubt, die Darstellung auf ein Höchstmaß zu komprimieren, stellt die Sein-Schein-Problematik in den Mittelpunkt. Der Leser lernt den Diplomaten Armand V. und sein Umfeld in verschiedenen Situationen kennen, die zum Teil skurril und grotesk sind, immer überraschend.
Dag Solstad liest selbst die Ouvertüre und die Fußnote 42 im Original, die Übertragung und ein weiterer Text aus dem Buch wird von Walter Jauernich vorgetragen.
Dag Solstad, in Oslo und Berlin wohnend, ist erst zum zweiten Mal in Frankfurt gewesen. Am Ende des interessanten Abends, der auch Einblicke in das Leben und die Ideen des Schriftstellers gab, erhält Dag Solstad viel Applaus. Hätte es einen Büchertisch gegeben, wären sicher einige Exemplare von „Armand V.“ verkauft worden. Freundlicherweise stellten Werner Söllner und Uwe Englert ihre beiden druckfrischen Ausgaben dem Publikum zur Verfügung – der Autor signierte diese und von den Gästen mitgebrachte Bücher im Anschluss.
JF