Das Softwarehaus SORT GmbH mit Sitz in Rendsburg wird heute 25 Jahre alt. Gegründet von der Betriebsberaterin Britta Schwarzner, dem Rendsburger Buchhändler Thomas-Peter Vohs, der Firma Lingenbrink sowie dem EDV-Dienstleister Rechenzentrum Rendsburg, bietet es bis heute Software für Sortiments- und Fachbuchhandlungen aller Größen.
Bereits einige Jahre vor Gründung der SORT GmbH als Firma suchte der Rendsburger Buchhändler Thomas-Peter Vohs gemeinsam mit seiner Betriebsberaterin Britta Schwarzner nach einer Firma, die als Dienstleistung Inventurauswertungen durchführte. Diese war dann auch recht schnell vor Ort gefunden: Das Rechenzentrum Rendsburg, bis dato vor allem im Bereich Bau und Werft als Dienstleister im EDV-Bereich tätig. Rationalisierung durch EDV-Einsatz war Ende der 70er Jahre noch ein umständliches und teures Unterfangen: Man jonglierte mit Disketten, auf denen entweder Programme oder aber Daten gespeichert waren, beides ging nicht.
Gearbeitet wurde mit der sogenannten „mittleren Datentechnik“: ein Großrechner hatte Kontakt zu „dummen“ Terminals, auf denen erfasst wurde. Diese Technologie konnte sich nur ein Bruchteil der Buchhandlungen überhaupt leisten, der Einsatz von Technik wurde auch lange Zeit für unnötig gehalten, hatte man doch seine Karteikästen, Buchlaufkarten, Bestellzettel …
Da im Rechenzentrum Kapazitäten frei waren, um neue Programme zu entwickeln, der damalige Geschäftsführer aber nicht sehr viel davon hielt, für den Buchhandel zu programmieren, wurde nach Maßgabe von Britta Schwarzner und Thomas-Peter Vohs mehr oder weniger heimlich die Abonnementverwaltung und Rechnungsschreibung, bis heute das Herzstück der Programmwelt, von Dietrich Dünkel programmiert.
Nun liefen die Programme in der Rendsburger Buchhandlung Reichel, also wurde ein überregional tätiger und bekannter Vertriebspartner gesucht, um auch andere Buchhandlungen mit der neuen Rationalisierungstechnik auszustatten: Buchgrossist Lingenbrink erklärte sich bereit, diesen Part zu übernehmen, und so wurde dann im Mai 1983 die SORT (Sortimentsbezogene Organisations- und RationalisierungsTechnik) GmbH mit den vier Gesellschaftern Vohs (Geschäftsführer), Schwarzner, RZR und Libri gegründet, das Programmpaket Libridatex getauft und los ging es.
Mitte der 80er Jahre wurde von IBM das Programm „Baby/36“ entwickelt, das die Programme der mittleren Datentechnik auch auf den ersten Generationen der PCs lauffähig machte, jetzt konnten auch „kleinere“ , innovative Buchhandlungen mit der neuen Technik durchstarten – erinnert sei an die „Betriebssystem-Schutzstecker“, auch „Dongle“ genannt?
Die Buchhandlung Phoenix in Bielefeld, damals auch durch Britta Schwarzner beraten, setzte die Aboverwaltung und Rechnungsschreibung ein, und ein ehrgeiziger und tüftelnder Azubi namens Edgar Scharf fiel Schwarzner auf, weil er sehr neugierig in Sachen EDV war und niemals ein „Das geht nicht“ akzeptierte.
Wenn man nun schon mit so einem Querdenker zu tun hat, dachte sich Schwarzner, dann holt man ihn am besten mit ins Boot, so kam dann auch der heutige Geschäftsführer zum Team. „Das geht so nicht“ ist übrigens immer noch ein Satz, den Edgar Scharf gar nicht mag, und es gibt eigentlich nur wenige Probleme, für die er nicht doch früher oder später eine Lösung findet.
Weil fast alle Beteiligten an dem Projekt direkt mit dem Buchhandel in Kontakt standen bzw. selbst Buchhändler waren (und bis heute sind), war der Slogan schnell gefunden. Bis in die heutige Zeit ist es selbstverständlich, die Technik bis ins kleinste Detail an die Erfordernisse der Branche anzupassen, nicht umgekehrt, auch wenn das auf den ersten Blick manchmal die Quadratur des Kreises scheint.
Außerdem gilt immer noch der Satz „Unsere Kunden sind unsere besten Berater“.
Als das Zauberwort von der Warenwirtschaft geboren wurde, gehörte die SORT zugegebenermaßen nicht zu den ersten Anbietern, da Britta Schwarzner aus ihrer intensiven Beratungstätigkeit ganz genau wusste: wer sein Lager „zu Fuß“ nicht ordentlich halten kann, schafft das auch nicht mit EDV. Einige Zeit wurde propagiert, die Verwaltung der Lagerhaltung per EDV sei DAS Allheilmittel für den angeschlagenen mittelständischen Buchhandel, heute wissen wir: Die eigentlichen Probleme liegen in der Struktur, der Kleinteiligkeit der Branche und im Kapital der Großen; die EDV kann ein sehr gutes Hilfsmittel sein, den Kopf klar zu halten, die Rettung ist sie nicht!
Wie wichtig auch fundierte Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Finanzen sind, wurde spätestens klar, als immer mehr Buchhändler sich für eine eigene Finanzbuchhaltung interessierten und unter Federführung von Hans-Jürgen Greve die bisherige Baufinanzbuchhaltung für die Bedürfnisse des Buchhandels modifiziert wurde.
Der Vorteil einer eigenen Finanzbuchhaltung liegt klar auf der Hand:
Weniger Steuerberatungskosten, da nur noch die Abschlüsse dorthin gegeben werden und vor Allem hat man stets selbst den Überblick über sein Zahlenwerk, kann auch jederzeit seinen Liquiditätsstatus tagesaktuell überprüfen (und nutzen).
Ein neues Betriebssystem eroberte die Welt, ein innovativer Unternehmer namens Bill Gates machte sich daran, die alteingesessene EDV-Welt kräftig durchzumischen. Das Zauberwort hieß plötzlich „Multitasking“, und bis heute halten sich hartnäckig die Gerüchte, die „Windows“ öffne man am besten und werfe den ganzen Mist aus besagten!
Trotzdem lässt es sich nicht leugnen, dass die Windows-Oberfläche ein schnelleres und effektiveres Arbeiten ermöglicht. Also wurde im Jahr 1994 auch im Rechenzentrum Rendsburg nach Diskussionen und mit Zähneknirschen ein junger, engagierter Programmierer (Erik Albrodt) mit der Entwicklung einer neuen Programmwelt für den Buchhandel betraut. Mit dieser Neuentwicklung wurden und werden die Programme immer komplexer und komfortabler, Schnittstellen zu vielen anderen brancheninternen und allgemeinen Produkten entstanden. Papierloses Arbeiten durch Datenkommunikation brachte auch so manchen altgedienten Buchhändler aus der Fassung, bürgerte sich aber rasch ein. Und auch das neue Programmpaket konnte jede Buchhandlung genau mit den Komponenten einsetzen, die zu ihren Bedürfnissen passten und kann dieses auch bis heute.
Zu Anfang des EDV-Booms war es absolut undenkbar, als Softwarehaus nicht auf der Frankfurter Buchmesse mit einem repräsentativen Stand zu erscheinen. In der Blütezeit, als sich die Softwarehäuser noch nicht mit vielen Mitteln die Kunden abwerben mussten, traf man sich noch zum Kaffee (und manchmal etwas mehr), zum Plausch und zum Blick auf die Neuheiten. Dann kam die Wende, die Buchmesse in Leipzig stellte sich als Herausforderung dar: Kaum ein Softwarehaus konnte seinen Messestand aus Frankfurt in den engen Messehallen der Innenstadt unterbringen. Zudem musste man feststellen, dass der Schwerpunkt der Leipziger Buchmesse eindeutig die Liebe zur Literatur war und ist („…und das ist auch gut so…“).
Seit einigen Jahren gehört es für eine steigende Anzahl der Softwarehäuser durchaus zum guten Ton, seine Anwender im Rahmen der Frankfurter Buchmesse im Sortimenterzentrum ganz entspannt zum Austausch zu treffen, eine Regelung, die sich auch für die SORT GmbH bewährt hat.
Im Jahr 1994 kaufte das Rechenzentrum Rendsburg die Anteile der übrigen Gesellschafter auf, ab diesem Zeitpunkt lag Entwicklung, Vertrieb und Support komplett in einer Hand. Auch heute ist das so, allerdings haben sich die Vorzeichen umgekehrt: Damals wurde der Buchhandel als weitere Branche neben dem Bau im RZR betreut, seit der Insolvenz des Rechenzentrums im Jahr 2006 hat die SORT GmbH den Bau- und Dienstleistungsbereich übernommen, beide Branchen sowie die Dienstleistungen (Baulohnabrechnung, Inventuren etc.) werden gleichberechtigt betreut.
Den Buchhandel samt Programmierung und Neuentwicklung betreut Geschäftsführer Edgar Scharf, für den Bau und die Finanzbuchhaltung zeichnet Stefan Biedorf verantwortlich, der sich dort genauso gut auskennt wie Scharf im Buchhandel, in der Hotline ist Michael Krätzig stets die Ruhe selbst und der Dienstleistungsbereich mit allen Lohnauswertungen sowie die Rechnungsschreibung wird von Ina Bünz sorgfältig und effizient erledigt.
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