
Gert Frederking wird heute 70 Jahre alt.
Er dürfte der Mann mit den meisten Einträgen in unserem Online-Archiv sein – und dabei spiegelt das nur die letzten Jahre seiner großartigen Karriere. Aber ich kann trotzdem aus dem Vorspann meines kürzlichen Gespräches mit ihm wiederholen [mehr…]: „Er war Buchhändler, Vertriebsleiter, Geschäftsführer, Buch-, Taschenbuch-, Kinderbuch-, MA- und Bildband-Verleger; er war Angestellter und selbständig, er war Gründer und ideenreicher Event-Organisator und er war und ist mutig: In einem Alter, in dem andere ans Altenteil denken, hatte er (nach zehn Jahren auch als Verleger des Bertelsmann-Clubs) noch einmal den mit seiner Frau Monika gegründeten Verlag Frederking & Thaler (den er zwischenzeitlich verkauft hatte) zurückerworben, zu neuer Blüte geführt und erst vor kurzem wieder abgegeben.“
Dss ging alles nur, weil er eine ganz große Begabung hat, die sein Freund Heiner Hugendubel vor zehn Jahren so beschrieb: Es ist seine „Fähigkeit, sich mit einer Aufgabe, auch einer Rolle, mit Haut und Haaren zu identifizieren“.
Und es ist seine Fähigkeit, nach jedem Rückschlag wieder aufzustehen und neue Ziele anzusteuern. Die Beschäftigung mit dem, was Gert in all den Jahren immer wieder angestoßen hat, lässt mich auch heute noch staunen, obwohl ich fast von Anfang an seinen Weg als Freund und Beobachter begleitet habe. Gert staunt selbst darüber: „Nach jedem Rückschlag ging eine neue Tür auf“.
Mir bleiben unauslöschliche Nachrichtensplitter aus über 40 Jahren in Erinnerung: Bei Molden die von seinem Mentor Olaf Paeschke erfundene Knef-Tournee (sowas hatte es zuvor nicht gegeben). Dann die Idee, mit 500 Buchhändlern nach Torremolinos zu fliegen – die spätere Neuauflage einer solchen Wahnsinnsaktion bei Goldmann, mit nur „99 Buchhändlern für 99 Mark“ nach New Yok zu fliegen, schien kleinkariert dagegen (es waren dann mit Tross auch 135 Leute). „Groß“artig war auch seine Erfindung „München liest“, die Vorbild für Events wie „Leipzig liest“ und deren Nachfolger wurde. Und beim Blättern in alten BuchMarkt-Heften fallen mir immer mehr seiner Verrücktheiten ein: Die Gründung der ersten grossen Werbegemeinschaft der Branche, die der SZ, der AZ und dem Münchner Merkur in über einer Million Auflage eine Weihnachtszeitung beilegte – die Mittäter hießen damals Ludwig, Hugendubel, Kaiser und Merkel – damals untereinander alles beinharte Wettbewerber.
Oder bei Molden die Grundung des Taschenbuch-Verlages; dann damals der zunächst ebenso verrückt scheinender Ausbau von Goldmann; die Börsenblatt-Sondernummer zujm 30sten Goldmann Geburtstag (einmalig in der Geschichte des Börsenblatts); der neue Buchtyp Flexcover, der (ähnlich wie später bei dtv das Verbot einer Hardcover Produktion bei Goldmann unterlief und heute bei Weltbild als „Reader“ weiter lebt.
Oder wie er beim damals wohl aktivsten MA-Verlag Pawlak mit den Sonderausgaben/Reihen von Danella, Follett, Anne Golon und einigen mehr das MA-Geschäft im Buchhandel entscheidend neu geprägt hat – wieder mit Haut und Haar der Sache verschrieben. Was dann sogar dazu führte, dass Rolf Rottmar im Börsenblatt in doppelseitigen Anzeigen (sinngemäß) warnte: „Sortimenter, wollt Ihr die Zukunft des Buchhandels den Pawlaks und Frederkings überlassen?“
Ich vermute, dass ihm im Rückblick anderes wichtiger ist, etwa die Gründung der Opernreihe bei Goldmann, die heute bei Schott weiterlebt; oder die Durchsetzung des Potsdamer Abkommens. Und auf jeden Fall die eigene Verlagsgründung Frederking & Thaler, die aus der Reihe Abenteuer-Report entstand, die seine Frau und er aus dem Franz Schneider Verlag mitnahmen: Heute ist das die grösste Abenteuer Reihe der Welt; daraus entstand dann mit Frederking &Thaler einer der meistbeachtesten Bildband-Verlage der Branche.
Vieles davon könnte und sollte man (eine Fundgrube !) nochmal nachlesen; z.B. in dem Buch WEGBEREITER WEGBEGLEITER, das ihm vor zehn Jahren geschenkt wurde (versuchen Sie, sich das zu besorgen; vielleicht hat er noch ein paar davon übrig?).
Beim Blättern in diesem Erinnerungsbuch merke ich: Glück gehört zu solch einem Wahnsinnsleben natürlich auch – das hat er immer wieder herausgefordert. Sein größtes Glück scheint mir jetzt seine Frau Monika Thaler zu sein, die ihm den Rückhalt gibt, den er immer wieder braucht. Ich bin nämlich sicher, Gert würde auch ohne Seil in die steilste Wand gehen.
Die Bücher aus dem F&T-Buchprogramm haben ihm, da bin ich sicher, den Weg gewiesen: Heute ist er irgendwo auf Trekking-Tour zwischen Indien, Buthan und Thailand. Geh uns da nicht verloren, wie damals als kleines Kind schon einmal!
Dein C.
Kontakt: Gert.frederking@cosmos-ft.de
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