Der Arbeitskreis Unabhängiger Sortimente (AkS) tagt derzeit in Dresden – und schon jetzt wird deutlich, dass das Tagungsmotto „Schluss mit dem Gejammer“ richtig gewählt ist.

Autor Dietmar Bittrich („Böse Spüche für jeden Tag“, dtv), gestern Abend „Überraschungsgast“, erinnerte (in Anlehnung an den Tagungsort) an August

den Starken, der gesagt haben soll: „Ich weiß nicht, wohin Gott mich führt. Ich weiß nur: Wenn er in diese Richtung weitergeht, schlage ich vor, dann geht er allein weiter.“ In die falsche Richtung wollen die hier diskutierenden Buchhändler nämlich nicht.
Absicht oder Zufall: Seine pointierte Lesung traf den Nerv der rund 100 Buchhändler und Gäste, die nach Wegen suchen, nicht nur „Motivation im Alltag und Verkauf“ (Arbeitstitel für die Tagung) zu finden, sondern die sich auch praktische Hilfe und Unterstützung erhoffen. Die ist nötig: „Denn wir sind sonst immer die Einzigen“, wie es Irmgard Meier (Kreuzauer Buchhandlung, Kreuzau) auf den Punkt bringt, „aber nur allein sind wir die Einzigen, die Probleme haben.“
Als Gruppe kann man mehr bewegen – z.B. Öffentlichkeit schaffen, wie es auch Christel Gunkelmann-Klan aus Langen (Der Buchladen) macht: Sie berichtete von ihrem inzwischen fast fünfjährigen Streit mit KNV wegen dramatischer Fehler in ihrer Eurobis-Software. Es stellte sich heraus, dass sie damit nicht allein ist. Und es gibt viele andere Themen, bei denen der unabhängige Buchhandel Hilfen braucht.
Wie die von Ilona Schönle z.B., die beim Börsenverein ein Programm aufbaut, das den sinnigen Namen „Seitenreich“ trägt, aber tatsächlich nennenswerte Vorteile bringt: Die Fahrt zu den kommenden Buchhändlertagen in Berlin kostet von jedem Ort der Republik nur 79 Euro, beim Kauf bestimmter Automarken kann man die Gebühren der Mitgliedschaft spielend einsparen, es gibt neue Angebote für EC-Geräte, das Büro Wulff & Partner hat neue Konzepte zur Altersversorgung, die insolvenzsicher sind.

Und Annemarie Schneider, eine der beiden Sprecherinnen, hat es hier vor ein paar Tagen schon gesagt [mehr…]: Immer mehr findet die Gruppierung Unterstützung bei den Verlagen (allein über 50 Buchhändler haben sich für den von arsEdition und Hanser finanzierten Workshop zum Aufbau einer eigenen Webseite angemeldet).
Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, machte Mut, ein Zeichen zu setzen für die Kraft der Ideen und des Machens: „Das Buch ist ein Erfolgsprodukt, um das uns andere Branchen beneiden; der Buch-Einzelhandel hat im letzten Jahr mit einem Umsatz-Plus von rd. vier Prozent abgeschnitten – fast alle anderen Branchen müssen mit einem Minus vor der Umsatzzahl leben.“

wichtiger als Filialisten
Aber die „gefühlte“ Lage sei tatsächlich durch die Umwälzungen um uns herum anders. Hier helfe nur, sich noch mehr auf den Kunden einzustellen, mehr über ihn zu wissen, und danach zu handeln. Dazu solle der Handel die neuen Entwicklungen sehen, z.B. LIBREKA: „Hätten wir das nicht, sähe die Zukunft düster aus“ – aber wer hat sich das schon mal im Internet angesehen?
Und er wünscht sich: „Ich hoffe, dass von Ihnen (auch) ein Signal ausgeht. Krempeln wir alle die Ärmel hoch und tun was.“
Mit welchen kleinen Schritten das schon möglich ist, zeigt gerade die Beraterin Sabine Janssen auf. Und sie macht Mut: „Buchhandlungen wie Ihre sind für viele Verlage wichtiger als die Filialisten, weil Sie mit ihrem Produkt anders umgehen.“







