Die schönsten „Wörter mit Migrationshintergrund“ stehen fest: Auf den ersten Platz wurde der aus dem Ungarischen eingewanderte Tollpatsch gewählt, Platz zwei belegte die deutsch-tamilische Verbindung Currywurst und Nummer drei wurde der aus dem Griechischen entlehnte Engel.
Jutta Limbach, die neben Anne Will, Loriot und Wolfgang Thierse zur Jury gehörte, kürte die Sieger bei der feierlichen Preisverleihung am Freitag, den 25. April im Berliner Bode-Museum. Am Wettbewerb des Goethe-Instituts und des Deutschen Sprachrats hatten sich bis zum Einsendeschluss am 29. Februar über 3.500 Einsender aus 45 Ländern beteiligt.
Die Hauptgewinnerin, Barbara Eulberg aus Berlin, überzeugte die Jury mit ihrer Begründung für das Wort „Tollpatsch“: „Dieses Wort ist viele Kilometer gelaufen und hat Grenzen überwunden. Es hat einen Fuß vor den anderen gesetzt, hat sich auf seinem weiten Weg von Ungarn nach Deutschland die Sohlen abgelaufen. Endlich am Ziel, steht das einst breitfüßige, schwerfällige Wort in deutschen Landen nur ungeschickt vor uns. Wir lachen über den Neuankömmling, aber integrieren den Migranten schnell und so konsequent, dass wir seinen Migrationshintergrund ganz vergessen haben. – ,Talpas‘ nannte man ungarische Fußsoldaten im 17. Jahrhundert. ,Breitfüßig, schwerfällig‘ war die Bedeutung dieses Spitznamens (ung. Talp = Sohle, Fuß).“ Die Gewinnerin erhält eine Reise für zwei Personen nach Ungarn, das Herkunftsland ihres Lieblingsworts.
Mark Mühlhäusler aus Bad Suderode erklärte die „Currywurst“ zu seinem liebsten eingewanderten Wort: „Ein Traumpaar: die urdeutsche ,Wurst‘ lebt mit ,Curry‘ in glücklicher Ehe.“ Das sei der lebendige Beweis, dass Integration eben nicht Assimilation heißen solle. Die „Currywurst“ erhielt den zweiten Platz. Platz drei ging an Klaus Göldner aus Maxhütte-Haidhof für sein Lieblingswort „Engel“: „Er hat lächelnd Grenzen, Kulturen und Zeiten durchschritten. Überall war und ist er willkommen und ihm öffneten sich Welten und Herzen. Fremd ist er schon lange nicht mehr bei uns.“
Als besten Beitrag einer Schulklasse wählte die Jury den Milchshake: Die Klasse 8a des Paul-Klee-Gymnasiums in Gersthofen nannte das Wort einen „Sprachcocktail, der aus Englisch und Deutsch geschüttelt ist und der zeigt, dass das Deutsche keine Berührungsängste mit anderen Sprachen hat.“ Und führte aus: „Wer möchte schon einen ‚Milchschüttel‘ trinken?“
Der beste Beitrag eines Jugendlichen kam von Sandro Plonka (15 Jahre) aus Vogtsburg, der sich für das aus dem Griechischen entlehnte Chaos („leerer Raum“) entschieden hatte und seine Wahl mit seiner persönlichen Erfahrung untermauerte: „Als ich mein Zimmer im Dachgeschoss bezog, befand es sich in seinem Ursprungszustand – ein leerer Raum. In kürzester Zeit hat es sich der heutigen Bedeutung des Wortes angepasst: wüstes Durcheinander! Jedes Aufräumen entspricht einer lebendigen Etymologie des Wortes, wenn im Schnelldurchgang aus dem wüsten Durcheinander ein (fast) leerer, zumindest ziemlich geordneter Raum wird. Der Vorgang läuft jedoch, aus unerklärlicher Ursache, in umgekehrter Richtung mindestens ebenso schnell ab – mein Zimmer stellt also einen universellen (Teufels)kreis dar!“ Sandro Plonka kann sich über ein Notebook im Wert von 1 000 Euro freuen.
Zu Beginn der Preisverleihung sprachen die Jury-Mitglieder Jutta Limbach und Wolfgang Thierse in einem Bühnengespräch über den Gewinn, den eingewanderte Wörter für die deutsche Sprache darstellen, und gingen der Frage nach, warum es die fremden Wörter häufig so schwer bei uns haben. Moderiert wurde die Veranstaltung von Katrin Bauerfeind. Für das Rahmenprogramm sorgten unter anderen Pigor & Eichhorn. Präsentiert wurde auch das im Hueber Verlag erschienene Buch zum Wettbewerb, das unter dem Titel „Eingewanderte Wörter“ die besten Einsendungen enthält. Jeder Teilnehmer, dessen Beitrag in das Buch aufgenommen wurde, erhält ein Geschenkexemplar.
Weitere Infos unter www.das-beste-eingewanderte-wort.de