
Marcel Reich-Ranicki, Uwe Wittstock
Die zahlreichen Besucher der gestrigen Veranstaltungen im Literaturhaus am Frankfurter Mainufer fühlten sich an das Literarische Quartett erinnert: Auf dem Podium saßen neben Marcel Reich-Ranicki der Verleger von Kiepenheuer & Witsch, Helge Malchow, Autor Volker Weidermann und Autor Uwe Wittstock.
Malchow sieht Weidermanns „Das Buch der verbrannten Bücher“, vor wenigen Wochen bei KiWi erschienen, als Fortsetzung einer Verlagstradition. Er kündigte außerdem die Aufarbeitung des Lebens und Wirkens des ambivalenten ersten Verlegers des Hauses, Dr. Joseph Caspar Witsch, an.
Gerade einmal ein Menschenleben liegt zwischen dem Tag, als in Deutschland die Scheiterhaufen der dem Nazi-Regime nicht genehmen Bücher brannten, und dem Erscheinungstag des neuen Buches, das an die 131 verfemten Autoren erinnert. So gesehen sind 75 Jahre eine kurze Zeit. Dennoch reicht sie aus, um Autoren und ihre Schicksale zu vergessen. Das Buch, so unterstreicht Uwe Wittstock, kämpft gegen dieses Vergessen an.

Auf das Erscheinungsdatum geht auch Marcel Reich-Ranicki noch einmal ein: Für ihn eine späte und deshalb umso wichtigere Würdigung der vergessenen Autoren. Reich-Ranicki, der als Kind den Reichstagsbrand miterlebte, ein Ereignis, das weitere Brände bis zum Weltbrand nach sich zog, erinnert an das damalige Deutschland und die Haltung der meisten Menschen in dieser Zeit: Bücherverbrennung? Wen interessierten Bücher? Die Menschen hatten andere, größere Sorgen.
Auf das jetzt vorliegende Buch eingehend, empfahl er es u.a. mit den Worten: „Es ist gar nicht langweilig!“ Und er demonstrierte seine Feststellung, indem er unvorbereitet einige Sätze aus dem Buch vorlas.
Auf den letzten Seiten geht Autor Volker Weidermann auf die Sammlung Georg Salzmanns ein [mehr…]. Er hofft, dass diese der Nachwelt und bestenfalls auch der Öffentlichkeit erhalten bleibt.
JF