Heute Abend fand im Festsaal des von Goethe entworfenen Weimarer Stadtschlosses die

enthusiastisch gefeierte “Ur“lesung und damit Buchpremiere von Martin Walsers neuem Roman “Ein liebender Mann“ statt. Stoffliche Vorlage dieses Buches ist des 74-jährigen Goethes nicht oder nur halb erwiderte Liebe zur 19-jährigen Ulrike von Levetzow.
Der Rowohlt Verleger Alexander Fest hält diesen Roman für etwas Besonderes und begrüßte den Bundespräsidenten Horst Köhler, die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth und die gesamte Kulturspitze Weimars. Anwesend waren auch Peter Sloterdijk, der Lyriker Wulf Kirsten und neben Wolfgang Herles (Aspekte)

auch die Creme der bundesdeutschen Kulturpresse.
Ijoma Mangold, von der Redaktion der Süddeutschen Zeitung, führte kenntnisreich in das Werk von Martin Walser ein und disputierte anschließend mit einem gut gelaunten Dichter.
Auf die Frage, ob sein Roman historisch oder autobiografisch sei, lehnte sich Walser genüsslich zurück und machte deutlich, dass es ein Roman ist: „Die Leute, die es anders wissen, wissen es ja anders.“
Walser schreibt: „Daran, dass man alt ist, stirbt man nicht. Schlimm ist, nicht mehr zu lieben.“
Über diese These und das Alter werden die Medien noch wochenlang diskutieren. Der Goethekenner Lutz Görner, der immerhin 1,5 Mio. Goethe-Medien dem Volk zu Gehör brachte und seit 30 Jahren mit Goethetexten auf der Bühne steht und auch unter den Gästen war, ist nach dem Abend sicher, dass Walser mit diesem Buch eine neue Goethewelle lostreten wird: „Walser hat wie Thomas Mann den Mut, sich als berühmter zeitgenössischer Dichter mit Goethe auseinanderzusetzen, was sicherlich zur Popularisierung Goethes bei vielen führen wird, und bemerkenswert ist, zumindest, was die Lesung anbelangte, die ungeheuer präzise Wortwahl Walsers in diesem Roman.“