
Horst Windhöfel wird heute 70 Jahre alt. Der Vertreter, der u.a. fast ein Vierteljahrhundert für Lappan gereist ist („Eine Freundschaft für Leben“) und über 16 Jahre für Hölker (es gab nie einen schriftlichen Vertrag, sondern nur einen „Handschlag“), hat sich seit über zwei Jahren mit Ehefrau Christa, auch im Berufsleben seine Partnerin, ganz auf seinen „Altersruhesitz“ in den Allgäuer Bergen zurückgezogen – in ein über 400 Jahre altes Bauernhaus mit großem Garten in 1.000 Meter Höhe.
Seitdem versucht er, statt Taschen zu packen und Kilometer zu reißen, Triaden von Nacktschnecken zu überlisten – zumindest im Sommer. Jetzt im Winter brennt im Haus häufiger der Kamin und die Bücherstapel nehmen immer mehr zu.
Dabei war Horst Windhöfel schon als Lehrling klar, dass er mal Verlagsvertreter werden wollte. Seine großen Vorbilder damals: Fritz Krone, Dr. Eckert, Paridam von dem Knesebeck, Karl Goldmann etc., die von seinem Lehrherrn Alois Bäcker jedes Mal mit großem Bahnhof empfangen wurden.
1963 war es dann soweit: Für den Münchener Verleger Kurt Desch brachte er Hans Habe, Hans-Hellmut Kisch, „Die Geschichte des 2. Weltkriegs“ und die in lila Kardinalsseide gebundene Luxusausgabe der „Fanny Hill“ in den Buchhandel. „Das waren die ersten Höhepunkte meines Vertreterlebens“, erinnert sich Windhöfel, „ganz zu schweigen von den Vertreterfesten bei Kurt Desch, die nichts mit den heute üblichen Vertreter-Tagungen zu tun hatten.“
Bald kamen die Aufträge von Scherz. Und es war auch ein Scherz-Titel, der die nun schon über 36 Jahre dauernde, glückliche Partnerschaft mit seiner Frau Christa begründete: Mit „Dany, das schwarze Schaf“ konnte Windhöfel die prinzipientreue Jugendbuchhändlerin aus der Deuerlich’schen in Göttingen zuerst für den Scherz Verlag und dann auch für sich selbst gewinnen.
Später wurde aus der privaten Liaison auch eine geschäftliche – eine gemeinsame Verlagsvertretung mit den Reisegebieten Bayern und Baden-Württemberg. Und mit Verlagen wie J. F. Schreiber, Loewes, Middelhauve, Braun und Schneider, um nur einige zu nennen (für Gondrom organisierte Windhöfel übrigens bundesweit Aktionen mit dem berühmten Bücherkarren – die wohl erste richtige Outdoor-Verkaufsmaßnahme).
Zuerst beargwohnt, dann beneidet, wurde das Vertreterehepaar um den Semmel Verlach: Die „Werner“-Bücher von Semmel-Autor Röttger „Brösel“ Feldmann entwickelten sich zu Mega-Bestsellern. Genauso wie die Kinderbücher von Thomas Brezina, der damals, als die Breitschopf-Bücher („Mit Verleger Werner Brunner verbindet uns ebenfalls eine lange Freundschaft“) in die Windhöfel-Tasche wanderten, ein noch völlig unbekannter Autor war. „Wir nehmen für uns mit Stolz in Anspruch, Thomas Brezina im Süden Deutschlands mit Sturheit und viel Arbeit zu dem gemacht zu haben, was er heute ist“, so Windhöfel.
In diesem Wochenende, zu Windhöfels Geburtstag, hat ihn seine Frau eingeladen: Sie fahren nach Basel ins Vitra Design Museum in Weil und anschließend nach Baden-Baden zum Konzert von Hillary Hahn.
„Es ist noch immer spannend, in BuchMarkt zu lesen, wie die Branche sich verändert“, schreibt er uns. Jetzt feut er sich auf das Frühjahr mit vielen Osterglocken und Tulpen (ca. 10.000) im Garten und auf viele Reisen in die ganze Welt.
CoCa
Kontakt: wihoe@t-online.de
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