
Das polarisiert die Branche: Nach über acht Jahren Pause hat „Medicus“-Autor Noah Gordon wieder einen neuen historischen Roman geschrieben, der im März mit Vorlauf als CLUB-Premiere – und dann erst im Buchhandel – kommt [mehr…]. Anlass für DREI FRAGEN an Blessing Verleger Ulrich Genzler:
buchmarkt.de: Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen dem Club Bertelsmann und dem Blessing Verlag?
Ulrich Genzler: Da der Roman weitgehend in Spanien spielt und die Rechte dort mit einem spektakulären Verlagswechsel verkauft wurden, war Club-Verleger Fernando Carro dank seiner katalanischen Wurzeln sehr früh über das Projekt informiert und hat sich um die deutschen Rechte bemüht. Klar, dass Blessing als Noah Gordons Heimverlag hier nicht tatenlos zuschauen konnte. Um einer destruktiven Konkurrenzsituation aus dem Weg zu gehen, entstand der Plan, sich zusammenzutun.
Das gibt doch mehr Ärger als Vorteile…
Das sehe ich anders: Der Club hat die Chance, durch den exklusiven Vorlauf seine verlegerische Kompetenz zu betonen und das Ersterscheinen eines großen Romans zu feiern, Blessing wird auf der anderen Seite den gewonnenen finanziellen Freiraum für ein Marketingfeuerwerk ungekannten Ausmaßes nutzen.
Sie wissen, dass der Buchhandel sauer ist, wenn der CLUB einen Vorlauf hat. Musste das sein?
Auch das kann man anders sehen. Mir ging es darum, den Autor bei Blessing zu halten und gleichzeitig seinem neuen Roman den größtmöglichen Auftritt in Deutschland zu verschaffen. Dazu gehört die große Presse- und Lesereise des Autors zum Erscheinen bei Blessing genauso wie Großflächenplakatierung, Anzeigenserien und Radiowerbung.
Wir wollten maximale Wirkung für ein Buchjuwel, wie man es nur alle paar Jahre in der Hand hat. Das bringt mit sich, dass man eben manchmal auch Wege gehen muss, die auf den ersten Blick steinig erscheinen. Die Erfahrungen, die im Übrigen viele Verlage in den letzten Jahren gemacht haben, haben gezeigt, dass ein Premieren-Vorlauf dem späteren Verkauf der Verlagsausgabe keineswegs schadet. Im Gegenteil: Es gibt eine Reihe von wichtigen Autoren, die erst durch diese Doppelstrategie zu größerem Erfolg geführt werden konnten. Letztlich geht es doch um Aufmerksamkeit, um Herausstellung, um Engagement für ein interessantes Buch. Und da kann nur von Vorteil sein, wenn der Club schon vorher mächtig trommelt. Wann hat es das schon einmal gegeben, dass ein Buch neun Monate lang in den Genuss flächendeckender Werbung kommt. Davon profitiert letztlich ganz entscheidend auch der Handel.