
Die kleine, aber sehenswerte Exposition im Museum am Schaumainkai 53 in Frankfurt zeigt eine Textauswahl überwiegend deutscher Offener Briefe. Sie beginnt in der Lutherzeit mit dem Brief des Reformators an Papst Leo X 1520 und verdeutlicht damit, dass diese Text-Gattung erst mit Erfindung des Drucks entstehen konnte. War es doch nunmehr möglich, Texte schnell zu vervielfältigen und bekannt zu machen. Gezeigt werden aus diesen Anfängen außerdem die Flugschriften Thomas Müntzers.
Moses Mendelssohns Schriften aus dem Ende des 18. Jahrhunderts spiegeln die schwierige Gegenwehr deutscher Juden in jener Zeit wider.

Natürlich ist auch der berühmteste Offene Brief, „J’accuse“ von Emil Zola an den Präsidenten der Französischen Republik, Felix Faure, zur Dreyfus-Affäre zu sehen. Der Brief wurde am 13.1.1898 in der französichen Zeitung „L’Aurore“ veröffentlicht.
Berühmte Schriftsteller nutzten Offene Briefe: Lion Feuchtwanger, Bert Brecht, Günter Grass. Und wer erinnert sich nicht an den Spiegel vom 21.8.1995, in dem Marcel Reich-Ranicki den Roman „Ein weites Feld“ von Günter Grass ver- und zerriss!
Längst haben Offene Briefe Einzug ins Internet gehalten, stehen großformatig und entsprechend teuer bezahlt als Anzeigen in den Zeitungen, wie es Beispiele von Microsoft oder Angela Merkel belegen.
Die Ausstellung, zu der eine Publikation im Wallstein Verlag erschienen ist, kann noch bis zum 3. Februar 2008 besucht werden.
JF