Home > Verlage > Vito von Eichborn über die Turbulenzen in seinem früheren Verlag

Vito von Eichborn über die Turbulenzen in seinem früheren Verlag

Vito von Eichborn

Da sich die Parteien noch bedeckt halten (gestern haben wir gemeldet, dass es einen Wechsel an der Spitze der Eichborn AG gibt [mehr…], Fragen an Vito von Eichborn, dessen Namen der von ihm gegründete Verlag trägt.

CvZ: Du hast öfter gesagt, Du hättest gewissermaßen „Dein Kind“ verlassen. Wie kommentierst Du die neue Entwicklung?
Vito von Eichborn: Kurz und klar: Das wurde ja auch Zeit.

Ein harter Vorwurf an einen Mann, der immerhin 28 Jahre ein tolles Programm verantwortet hat. Das hört sich nach Frust an.
Ja, ich hab damals einen Riesenfehler gemacht und mein Kind verlassen. Ich hatte unseren französischen Geldgebern erklärt, dass Kierzek unfähig sei. Leider habe ich recht behalten. Ich habe ihm nie etwas nachgetragen, persönlich schätze ich ihn durchaus. Aber er ist halt ein binär denkender Zahlenmensch – kein Unternehmer, der strategisch entscheiden kann. Er hat ja nicht nur diesen Verlag, sondern alle seine Unternehmen gegen die Wand gefahren.

Worin bestand damals Euer Konflikt?
Das ist komplex. Im Kern wollte ich, nach dem selbst geschaffenen Wildwuchs und dem irren Wachstum, ein Downsizing: mit weniger Leuten weniger, die ökonomisch sicheren Bücher machen, den Verlag quasi halbieren, um endlich mal Geld zu verdienen. Von meinem Freund Uwe Gruhle bekam ich das Messer in den Rücken, Kierzek gewann. Und ich Idiot schied aus, weil es nicht nach meiner Pfeife ging.

Worin besteht denn nach deiner Meinung der Hauptfehler des Verlags?
Das ist einfach zu beantworten: Einmal: Zu großen Teilen taugt das Programm ökonomisch nix. Und: Für diesen Umsatz arbeiten da entschieden zu viele Leute.
Ich fürchte, das wird jetzt hart.

Ist, auch durch die Strukturverschiebungen im Handel, das Überleben für einen unabhängigen Verlag dieser Art überhaupt möglich?
Natürlich, ja! Aber nur, wenn der Verlag sich auf das besinnt, was er besser kann als andere. In all den letzten Jahren war das Programm weitgehend austauschbar. Keine Ideen, Innovationen, kein Mut. Dieser Verlag hat nur dann eine Chance, wenn er nicht mit den Wölfen heult – und das heißt: wenn er nicht die gleichen „guten Bücher“ machen will wie alle. Das können die alteingesessenen Häuser besser, die haben länger geübt. Nur an den Rändern entsteht Neues.

Das war bei Euch anders?
Sowohl Moers wie die Andere Bibliothek wollte damals niemand haben. Nebenbei: letztere hätte ich längst eingestellt und nur noch die Rechte genutzt. Dieser Verlag muß quasi ununterbrochen Neues versuchen, Altes abschneiden, im Gegensatz zu all den Profildiskussionen der Verlage muß dieses Programm ein ständiger Quirl sein.

Fazit?
Ein Verlag ist wie ein Mensch. Je älter ein Kind wird, desto ausgeprägter ist sein Charakter. Nur wer seine Begabungen richtig fördert, bekommt entsprechende Leistungen, also Erfolge im konkurrierenden Verdrängungswettbewerb. Dieses Kind hat noch nicht mal sein Studium abgeschlossen. Und es ist für common sense ungeeignet, Unangepaßtheit ist seine Stärke. Ich hoffe, es landet nicht dauerhaft bei Hartz IV.

Ich denke, dazu wird es Widerspruch geben.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige

Neue Vertriebsleiterinnen bei dtv

Nicole Klose hat am 01.12.2025 die Vertriebsleitung (Markt) bei dtv übernommen. Nicole Klose kommt vom S. Fischer Verlag, wo sie zuletzt als stellvertretende Vertriebsleiterin tätig war. Gemeinsam mit Steffi Witter

weiterlesen