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Podiumsdiskussion: Kopieren ist keine Kunst: Urheberrecht im Internet

Oliver Rohrbeck, Johannes Stricker, Hans Sarkowitz, Julius Mittenzwei und Björn Frommer

Trotz des Lokführerstreiks waren die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion pünktlich. Die Reihen der Zuhörer füllten sich nach und nach; die letzten Besucher konnten sich die Diskussion nur noch stehend anhören. Das Interesse am Thema „Kopieren ist keine Kunst: Urheberrecht im Internet“ war offensichtlich groß. Veranstalter dieser Gesprächsrunde waren der FOCUS Magazin Verlag, und die AG Piraterie im Börsenverein.
Im Podium sprachen Oliver Rohrbeck (Schauspieler, Hörspielsprecher und Regisseur), Johannes Stricker (der hörverlag), Julius Mittenzwei (Chaos Computer Club) und Björn Frommer (Waldorf Rechtsanwälte), die Moderation übernahm Hans Sarkowitz vom Hessischen Rundfunk.
Gegenwärtig, so informierte Sarkowitz einführend, seien 30.000 Verfahren illegalen Kopierens in der Musikindustrie anhängig, bisher gab es 60 Verurteilungen. Betrachtet man die Entwicklung in der Musikbranche, so sind in den Jahren 1995 bis 2005 ein Drittel weniger CDs verkauft worden, eine Tendenz, die sich fortsetzt. Diese Entwicklung, ergänzte Björn Frommer, macht auch Hörbüchern und e books zu schaffen. Zum Beispiel stehen 2000 illegalen Download-Angeboten 50 CD-Verkäufe gegenüber. „Wir können von solchen Download-Zahlen nur träumen. Da wurde 150.000fach Harry Potter in einer Woche illegal herunter geladen, verkauft haben wir 100.000 Potter-Hörbücher im Jahr“, verdeutlicht Johannes Stricker das Problem.
Die Situation ist in der Tat prekär: Einerseits bietet das Internet ungeahnte Möglichkeiten, sich mit Informationen aller Art zu versorgen, andererseits bleiben die Urheberrechte der Künstler auf der Strecke. Auch die zivilrechtliche Lage ist nicht bis ins Ende geklärt, zwar gibt es EU-Vorschriften wie die Enforcement-Richtlinien, die jedoch in Deutschland noch kaum umgesetzt sind. Die derzeitige Gesetzeslage erschwert eher eine Verfolgung von Raubkopien und deren Urhebern – zu teuer, zu bürokratisch. „Für uns nicht handhabbar“, bilanziert Johannes Stricker. Fakt allerdings ist: unerlaubtes Kopieren ist Unrecht, die Aneignung fremden Eigentums genauso. Wenn es also aufgrund der gegenwärtigen Gesetzeslage – und der fortschreitenden technischen Entwicklung im Internet – nicht möglich ist, Raubkopierern das Handwerk zu legen, wie geht es dann weiter? Auf diese Frage hat keiner der Diskussionsteilnehmer eine richtige Lösung. Sicher könnten entsprechende Gesetze auf den Weg gebracht werden, das hat aber die Vorratshaltung von Daten zur Folge. Damit beschäftigt sich die Politik derzeit im Besonderen. Diese Datenberge wecken natürlich allerorts Begehrlichkeiten. Will man das? Eher nicht – darüber sind sich die Gesprächspartner einig. Heißt das aber im Endeffekt, Umsatzverluste durch illegales Kopieren hinzunehmen? Björn Frommer formuliert: „Ich will keine Überwachungsprofile, sondern Detailauskünfte.“ Doch wer zieht die Grenze?
Moderator Hans Sarkowitz fragt Künstler und Verleger: „Welche Unterstützung wünschen Sie sich?“ Johannes Stricker: „Wir möchten als Künstler bzw. als Verleger tätig sein, statt auf überaus mühsamen Wegen Raubkopierer zu verfolgen. Wir möchten unser Urheberrecht geschützt wissen. Hörbücher werden mit einer höheren Mehrwertsteuer veranschlagt und unterliegen nicht der Preisbindung. Warum? Hier ist auch die Politik gefragt.“
Zum Schluss der Diskussion bilanziert Hans Sarkowitz: „Die Zeit ist zwar um, das Thema allerdings bleibt spannend. Es wird noch viel darüber zu reden sein.“
JF

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