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VdS Bildungsmedien e.V. wehrt sich gegen Stiftung Warentest: Schulbücher mehrheitlich ohne Fehler

Der VdS Bildungsmedien e.V. hat anlässlich der Buchmesse Stellung zum „Schulbuchtest“ der Stiftung Warentest bezogen:

In der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift „test“ behauptet Stiftung Warentest, dass alle 17 von ihr untersuchten Biologie- und Geschichtsbücher Fehler enthielten, „einige sogar auf jeder Seite“. Diese Behauptung ist für uns nicht nachvollziehbar. Zur Überprüfung stehen uns zwar gegenwärtig nur die von der Stiftung publizierten Beispiele zur Verfügung: Sie aber sind mehrheitlich keine Fehler.

Eine Auswahl:
– Dass der Uhu in der Nahrungspyramide nicht unter, sondern über dem Fuchs steht, ist nach Aussagen von Fachwissenschaftlern richtig. Gerade junge Füchse sind eine leichte Beute für ausgewachsene Uhus. Da Uhus zudem weniger natürliche Feinde als Füchse haben, ist es üblich, diese Vögel an die Spitze der Nahrungspyramide zu setzen.
– Im Falle der kritisierten Gewässergütekarten ist es Aufgabe des Schülers, die relative Verbesserung der Gewässer an Hand der Karten zu erklären. Alle Informationen hierzu – auch die im Test vermissten Farben – werden auf den vorangestellten Seiten des Kapitels ausführlich gegeben.
– Dass die EU-Geschichte auf die deutsch-französische Freundschaft reduziert wird, erklärt sich aus dem zugrunde liegenden NRW-Lehrplan von 1993. Er sieht eine ausführliche Themeneinheit zur EU-Geschichte nicht für Klasse 10, sondern für Klasse 9 vor. Das vorangehende Lehrbuch für die 9. Klasse beinhaltet entsprechend ein ausführliches Europa-Kapitel. Für Klasse 10 wird gemäß Lehrplan „Deutschland in Europa“ als untergeordnetes Thema mit den Aspekten der deutsch-französischen sowie deutsch-polnischen Beziehungen behandelt.

Anders, als es die Gutachter der Stiftung Warentest beanstanden, sind auch die Vergrößerungen von Elektronenmikroskopen korrekt angegeben, Muskelzellen als solche richtig bezeichnet oder die Qualifizierung von Günther Schabowskis Pressekonferenz vor Öffnung der Mauer als „wirre Mitteilungen“ sachlich vertretbar. Sogar die Einführung der Jugendweihe lässt sich nicht so eindeutig datieren, wie es die Tester suggerieren – da die Entscheidung 1954 gefällt und die erste Weihe 1955 durchgeführt wurde.
In summa: Von den insgesamt 20 publizierten, derzeit identifizier- und überprüfbaren, angeblichen Fehlern sind jedenfalls 15 keine Fehler.

Umso wichtiger wäre für die Schulbuchverlage gewesen, dass die Stiftung Warentest die Verlage vor der Veröffentlichung zu ihren Behauptungen angehört hätte. Tatsächlich hat sie ihnen weder die Prüfergebnisse noch den Artikel übermittelt und sich auch nach Publikation geweigert, ihre Datenbasis in Kopie zur Verfügung zu stellen – es sei denn, die Verlage würden sich verpflichten, keine juristischen oder publizistischen Schritte gegen die Stiftung einzuleiten. Da die Verlage zu einer solchen Verpflichtung nicht bereit waren, hat die Stiftung ihnen jetzt immerhin angeboten, unter Aufsicht Einblick in die Mängellisten und Gutachten zu nehmen – ohne ihnen allerdings das Kopieren zu erlauben.

Die Verlage werden in den nächsten Tagen beginnen, bei der Stiftung Warentest, die Beanstandungen vollständig zu überprüfen. Verifizierbare Fehler werden die Verlage umgehend korrigieren. So oder so aber kann die Untersuchung der Stiftung Warentest keine Repräsentanz beanspruchen. Die empirische Basis von 17 auszugsweise getesteten Schulbüchern ist zu gering, um Schlüsse auf den gesamten deutschen Markt mit mehr als 40.000 Schulbüchern zu ermöglichen. .

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