
Foto: Annemarie Schubert
Eckhard Müller wird heute 60 Jahre alt. Der langjährige Vertriebs- und Marketingleiter der Verlagsgruppe Beltz wurde 1970 – nach ersten Leseerfahrungen in der elterlichen Buchhandlung und einer Ausbildung zum Buchhändler – bei Ullstein der jüngste Vertreter Deutschlands, war 1983 an der Gründung des Quadriga Verlags beteiligt und baute ab 1986 bei Beltz Vertrieb und Marketing auf und aus.
„Eckhard Müller ist ein guter Verkäufer und gleichzeitig ein Idealist,“, so Beltz-Verlegerin Marianne Rübelmann, „einer der sich selbst als ‚Helfer des Buchs‘ bezeichnet und es als seine Aufgabe ansieht, ‚den Autoren zu dienen‘, d.h. ihnen Leser zuzuführen, sie mit seiner Begeisterung für Literatur anzustecken.“
Ausschlaggebend für seine Entscheidung, 1986 bei Beltz anzufangen waren der Ruf des damaligen Verlegers Manfred Beltz Rübelmann und das Buch „Die roten Matrosen“. Vorher hatte Eckhard Müller laut eigener Aussage „mit Kinderbüchern nichts am Hut“. Aber mit Klaus Kordon war er auf einen Autor gestoßen, der in „ungeahnter Weise Geschichte Kindern und Jugendlichen zugänglich machte“. Und so gewann Beltz einen Vertriebsleiter, der sich 22 Jahre lang engagiert für den Erfolg des Unternehmens einsetzte und das Wachstum des Verlags mit vorantrieb.
Eckhard Müller: „Viele Verlage haben in dieser Zeit ihre Eigenständigkeit verloren. Ich bin stolz darauf, zum wirtschaftlichen Erfolg von Beltz und damit zum Erhalt der Unabhängigkeit beigetragen zu haben.“
Moderne Formen des Marketings brachte Eckhard Müller aus seiner Zeit bei Ullstein Propyläen mit. 1971, zwei Jahre nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Buchhändler bei Lometsch in Kassel, wollte Eckhard Müller auch „die andere Seite der Medaille“ kennen lernen.
Der 25-Jährige bewarb sich bei Wolf Jobst Siedler mit den Worten: „Ich will Vertreter werden. Nach Durchsicht aller Verlage habe ich mich für Ullstein Propyläen entschieden.“ Und wurde – wie schon erwähnt – der jüngste Vertreter Deutschlands. An die folgenden Jahre denkt Eckhard Müller gerne zurück, da im Zentrum seiner Arbeit das Buch, die Literatur selbst stand: „Über Inhalte, nicht über Konditionen wurde im Verkaufsgespräch diskutiert.“
Über Bücher sprechen – das hatte Eckhard Müller in der elterlichen Buchhandlung und Buchbinderei im nordhessischen Karlshafen gelernt. Nachdem er nachts immer heimlich die Stiegen zur Buchhandlung heruntergeschlichen war, um sich mit Lesestoff zu versorgen, hatte er mit zwölf bereits den damaligen Kanon der Jugendliteratur durchgelesen, mit vierzehn vertrat er zum ersten Mal seine Eltern während ihres Urlaubs. Und mit achtzehn, nach dem Abitur, beschloss er, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und Buchhändler zu werden.
Neben seiner vertrieblichen Tätigkeit hat Eckhard Müller sich für die Weiterbildung eingesetzt und sein Wissen u.a. in der IHK Frankfurt und bei WBS weitergegeben.
Wenngleich er immer „mit Lust und Leidenschaft dabei“ war, stimmt ihn das Wegbrechen der mittleren Buchhandlungen „traurig“. Als einer der ersten hat er die Aktion „Der Rote Punkt“ und später die LG Buch gefördert, weil „die mittleren Buchhandlungen die Freiheit der Literatur stützen“.
Zeit seines Lebens sei er „verstrickt gewesen in die Komplexität des Büchermachens und -verkaufens“, nun ist es an der Zeit den Stab weiterzugeben.
Am 1. April hat er Andreas Horn die Verantwortung für Marketing und Vertrieb übergeben. Ende des Jahres wird er in den wohlverdienten Ruhestand treten.
Marianne Rübelmann indes freut sich, dass Beltz so lange noch von seinen Erfahrung und seinem Wissen profitieren kann: „So wird für den bestmöglichen Übergang gesorgt.“
Das ist er seinen Freunden, den Büchern, die ihn Zeit seines Lebens inspiriert und begleitet haben, schließlich schuldig.
Kontakt: e.mueller@beltz.de
Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage