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Der Bericht aus Bologna: Gute Stimmung auf der internationalen Kinderbuchmesse, ein Verlags-Verkauf und viele gute neue Ideen

Um die Standard-Fragen vorab zu klären: Das Wetter auf der diesjährigen (mit dem Termin vom 24. bis zum 27. April sehr spät gelegenen) internationalen Kinderbuchmesse in Bologna war super, die Stimmung dementsprechend gelassen (auch deshalb, weil einige Entscheidungen schon vorher gefallen waren).

Und auf dem Flug von Deutschland nach Italien waren diesmal die Koffer von Adrienne Hinze, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) sowie von Teilen der Thienemann– und der Carlsen-Truppe auf der Strecke geblieben. Am ersten Abend waren die meisten aber nach Ende des avj-Empfangs nachgeliefert geworden.

Der deutsche Gemeinschaftsstand, ein Kontaktprogramm und was es sonst noch an Besonderheiten gab

Treffpunkt avj-Empfang

Zum jenem traditionellen avj-Empfang konnte der Vorsitzende und Thienemann-Verleger Klaus Willberg diesmal seine Gäste in neuen Räumlichkeiten empfangen. Diese haben den großen Vorteil, über einen schönen Innenhof zu verfügen, in dem sich bei angenehmen Temperaturen die ersten Begegnungen ergaben.

Als am Dienstag, dem 24. April, die Hallen öffneten, meldete Roberta Chinni, Messechefin der Bologna Children’s Book Fair, 1200 Aussteller aus über 60 Ländern. Überall waren die Bilder des Wuppertaler Künstlers Wolf Erlbruch präsent, der als

Erlbruch-Bilder, überall

Gewinner des Hans Christian Andersen-Awards die Ehre hatte, das Messeplakat sowie das Cover des Katalogs der Illustratoren-Schau zu gestalten.

Jenes Herz der Bologna-Messe, die Illustratoren-Schau, war wie immer bestens besucht, sehr überzeugend auch der Auftritt des diesjährigen Gastlandes Belgien / Wallonien.

Der deutsche Gemeinschaftsstand in Halle 30 war wie immer ein Anlaufpunkt für alle Interessenten an der deutschen Kinderbuchproduktion. Bärbel Becker von der Frankfurter Buchmesse], organisierte ihn gemeinsam mit Adrienne Hinze, tatkräftig unterstützt von Birke Vöhringer, die im echten Leben für den Pendragon Verlag arbeitet.

Adrienne Hinze

Im zweiten Jahr als Geschäftsführerin der avj hatte Adrienne Hinze diesmal Rückendeckung von Pippi Langstrumpf: Die Illustration von Katrin Engelking zierte den Stand ebenso wie den deutschen Lizenzkatalog.

Bärbel Becker wiederum hatte Anregungen von Bologna-Neulingen des Vorjahres umgesetzt. Ein Kontaktprogramm führte interessierte Aussteller mit Verlegern aus

Begegnungen am deutschen Gemeinschaftstand

Italien, Polen, China und Frankreich zusammen. Und eine Umorganisation des Standes machte ihn mit eigener Sitzecke noch kommunikativer.

Eine angemietete Wand präsentierte die Programm-Highlights der Aussteller und nicht, wie im Vorjahr, die Auswahlliste des Deutschen Jugendliteraturpreises, die sich nun mal zu einem großen Teil aus Lizenzen aus dem Ausland zusammensetzt.

Mladen Jandrlic, der mit seiner Zürcher Agentur books & rights zum ersten Mal das Angebot des deutschen Gemeinschaftsstandes in Anspruch nahm, lobte die gute Infrastruktur des Konzepts: „So lässt es sich effektiv arbeiten.“

Bilderbücher bleiben für viele Sorgenkinder

Die wunderbare Vielfalt an Illustrationen aus allen Ländern macht das Urteil vieler Verleger leider nicht bestechlicher. Das Bilderbuch tut sich nach wie vor schwer, lautet die von ganz wenigen Ausnahmen durchgängig geäußerte Meinung.

Renate Herre, Programmgeschäftsführerin des Ravensburger Buchverlags, sieht zwar eine Erholung bei der Pappe, das klassische Bilderbuch jedoch lasse sich nur mit Anstrengung und über das Thema durchsetzen. So funktioniere beispielsweise der Titel aus dem Frühjahrsprogramm, „So ein dicker Hund“ von Doris Rübel und Ursel Scheffler in Kooperation mit der AOK gut.

Ein kleiner Überraschungserfolg ist das kleine Buch „Läusealarm“ bei arsEdition. Auch hier hat das Thema, um das keine Familie mit Kindern herumkommt, durchgesetzt, sowie die Kooperation mit einem Haarwaschmittel-Hersteller. Die Mini-Ausgabe, so Programmgeschäftsführerin Ute Freudenberger, habe nun die Frage beim Endverbraucher erzeugt, ob es das Buch denn auch als richtiges Bilderbuch gebe.

Bei wachsender Komplexität der Pappe und der Tendenz, immer früher zum Kinderbuch zu greifen, bleibe, so Renate Herre, im Schnitt leider immer weniger Zeit fürs Bilderbuch.

Jean Christophe Boele van Hensbroek

Eine Tendenz, die auch Jean Christophe Boele van Hensbroek, Verleger des Lemniscaat Verlags in Rotterdam www.lemniscaat.nl, beobachtet. Seit 22 Jahren führt er das vor 44 Jahren von seinen Eltern gegründete Unternehmen. Um der Flüchtigkeit eines Buches, an dem Illustratoren, Autoren und Verlag lange gearbeitet haben, gegenzusteuern, hat sein Verlag ein „Adoptions-Programm“ initiiert.

Etwa 25 holländische Buchhandlungen haben inzwischen einen Autor oder einen Illustrator von Lemniscaat „adoptiert“. Die Künstler machen gemeinsame, exklusive Aktionen mit den Buchhändlern wie Lesungen oder Signierstunden. Ihre Bücher sind immer vorrätig. So soll sich eine lebenslange Verbindung und Zusammenarbeit ergeben.

Ein Lebenswerk im Bilderbuch-Geschäft ist im Rahmen der Bologna-Messe verkauft worden. Die verlegerische Kontinuität soll jedoch weitergehen: Bodo Horn-Rumold und Michael Becker, Geschäftsführer des Baumhaus Verlags, haben den Schweizer Verlag bohem press gekauft.

Otakar Bozejovsky von Rawenoff

Verleger bleibt Otakar Bozejovsky von Rawenoff, der bohem press 1973 gemeinsam mit dem Künstler Stefan Zavrel in Zürich gegründet hatte. Susanne Zeller wird sich weiterhin um Rechte und Lizenzen kümmern in einem Programm, das sich der Internationalität sowie der Kunst für Kinder verpflichtet sieht.

Bodo Horn-Rumold betonte, dass es sich beim Kauf von bohem press um ein privates Engagement von Michael Becker und ihm handele. bohem werde kein Teil des Baumhaus Verlags, aber Presse und Vertrieb sollen künftig mit Frankfurt koordiniert werden, ebenso werde man über gemeinsame Auflagen bei Gesprächen mit Druckereien verhandeln.

Stichwort Künstlerisches Bilderbuch: Eva Kutter, Programmleiterin der Fischer Schatzinsel, wagt im Herbst den einzigen Text für Kinder von Aldous Huxley. „Die Krähen von Pearblossom“ werden von Sabine Willharm illustriert.

Ein neues Buch von Cheng Jianghong, der für „Han Gan und das Wunderpferd“ (Moritz Verlag) 2005 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, erscheint im Herbst wieder beim Moritz Verlag: „Lian“. Und ein weiteres bei Bloomsbury: „Ich werde Wunder verbringen“, so der optimistische Titel.

Voller Optimismus blickt auch Julia Marshall, Verlegerin des 2004 gestarteten neuseeländischen Verlags Gecko Press www.geckopress.com in die Zukunft. Sie hat sich das Ziel gesetzt, den englischsprachigen Markt, der etwa ein Prozent Lizenzen aus dem Ausland aufnehme, mit Büchern aus Ländern wie Deutschland, Skandinavien oder Taiwan zu bereichern.

Julia Marshall, Arianna Squilloni

Was nur in Bologna möglich ist: Während unseres Gesprächs läuft Arianna Squilloni, Lektorin von Thule Ediciones www.thuleediciones.com in Barcelona vorbei. Sie hat die spanische Lizenz von „Guji-Guji“ verlegt, einem Buch aus Taiwan, das Julia Marshall auf englisch publiziert hat. Beide Enthusiastinnen tauschen ihre Verlagsvorschauen und entdecken weitere gemeinsame Vorlieben, z.B. für die Künstlerin Sonja Bougaeva bei Atlantis.

Markus Weber, Verleger des Moritz Verlages, begegnet in der belgischen Illustratoren-Schau der Künstlerin Jeanne Ashbé. Er bewundere ihre Illustrationen,

Jeanne Ashbé, Markus Weber

sagt er, traue sich jedoch nicht, sie im deutschen Markt zu verlegen. Jeanne Ashbé, die vor allem Bücher für Babys bei Pastel gemacht hat, kennt diese Bedenken. „Bücher für Babys müssen nicht bunt sein“, meint sie, in Belgien habe sich das Bewusstsein über die Jahre und nach vielen Kolloquien langsam geändert.

Ihr neues Projekt ist ein Leporello für ganz kleine Kinder, das aufgestellt werden kann

Illustration: Jeanne Ashbé

und dem Kind die eigene Zeit zum Entdecken lässt. Ein Bilderbuch gebe Kindern die einzigartige Chance, selbst der Meister einer Geschichte zu sein, eine Erfahrung, die ein Kind, das sich ständig Erklärungen anhören muss, sonst kaum machen kann.

Isabel Finkenstaedt, Verlegerin von kaléidoscope www.editions-kaleidoscope.com in Paris, bezeichnet den deutschen Markt als „schwierig“ (England und USA: „impossible“). Sie publiziert etwa 40 Bilderbücher im Jahr, davon sind etwa die Hälfte Eigenproduktionen. Ihre Bücher sollen keine Probleme lösen, betont sie, sondern vor allem Kinder mit ihren Gefühlen nicht allein lassen. „Die Kindheit ist eine einsame Zeit“, sagt Isabel Finkenstaedt.

Finnische Bilderbuchkunst

„Stille Bücher“ suchen die Programm-Macherinnen des finnischen Verlags Lasten Keskus www.lastenkeskus.fi. Tanja Poskela und Arja Kanerva nehmen nach zahlreichen Lizenzen u.a. aus dem Deutschen inzwischen immer mehr Titel von finnischen Autoren ins Programm. Darunter zum Beispiel die bemerkenswerte Neuerscheinung „Suru-Saappaat“ („Emmis Trauerstiefel“) von Paivi Franzon und Sari Airola , die Geschichte des Verlusts der Großmutter. Expressive Bilder und zugleich stille Bilder, eine Entdeckung.

„Wer Bilder liest, kann später auch Texte lesen“, betont Peggy Espinosa, Verlegerin von Petra Ediciones www.petraediciones.com in Mexiko. 2005 gewann sie mit „Días tonaltin“ von Ianna Andréadis den New Horizons Bologna Ragazzi Award.

Die Möglichkeiten von Text und Bild hat Peggy Espinosa in zahlreichen Projekten erprobt, darunter auch die „Lotería fotográfica mexicana“, in der eine mexikanische Passion – die des Lottospielens – in künstlerischer Form wieder aufgegriffen wird. Ein Buch mit Bildern von Jill Hartley und kurzen Texten wird im Paket mit Lotto- und Fotokarten geliefert. Auch hier gilt: Bilder müssen nicht bunt sein. Nur gut.

Und, zurück zur unvergleichlichen Möglichkeit, in Bologna Bilder zu entdecken: „Fantastische Illustratoren habe ich gesehen“, freut sich Barbara Gelberg, Programmleiterin des Beltz & Gelberg Verlags. Messen seien für Illustratoren sehr wichtig, um sich zu präsentieren, lautet ihre Überzeugung. „Manchmal hat ein Verlag Texte in der Schublade, für die noch Illustratoren gesucht werden.“ Dann sei eine Begegnung auf der Messe oft zukunftsentscheidend.

Ein Bild von Philip Waechter macht den Beltz-Stand zum Blickfang. Von ihm sei im Frühjahr 2008 ein neues Bilderbuch zu erwarten, sagt Barbara Gelberg, Titel wie „Ich“ oder „Sehr berühmt“ erfreuen sich auch bei Lizenznehmern großer Nachfrage.

Ebenso ein Bild von Waechter schräg gegenüber am Gemeinschaftsstand der deutschen Verlage: Unsere Besten, eine Auswahl von Titeln der dort ausstellenden Verlage, wird von der Cover-Illustration des Flyers „Mit Bilderbüchern wächst man besser“ [mehr…] begleitet. Noch ein echter Hingucker.

Ach, würden doch noch mehr aufs Bilderbuch gucken. Und es kaufen. Nirgends wünscht man sich das mehr als in Bologna. Und nirgends scheint es begehrter. Das musste auch die Peter Hammer-Verlegerin Monika Bilstein bemerken, allerdings schmerzlich: Ihr einziger Dummie des Herbst-Titels einer Afrika-Geschichte von Hermann Schulz mit Illustrationen von Thomas Krejtschi wurde ihr am zweiten Messetag geklaut. Am dritten war mit dem Besuch eines Kollegen von der Litho-Anstalt zum Glück wieder für Ersatz gesorgt.

Das Kinderbuch: Gesucht sind neue Autoren, und es gibt auch noch Einzeltitel

Es hat etwas gelitten in der medialen Aufmerksamkeit, zwischen Potter, Funke, Fantasy & Co: Das klassische Kinderbuch. Und deshalb scheinen in einigen Verlagen die Aufmerksamkeiten für dieses Genre wieder anzusteigen.

Nach dem Fünf-Gänge-Menü Bilderbuch folge für die Erstleser oft nur eine Tütensuppe, fasst Stefan Wendel, Lektorat Thienemann, das Dilemma zusammen. Verleger Klaus Willberg freut sich daher auf eine neue Reihe, die im Herbst startet – „Thienemanns Quatschgeschichten“.

Mit zwei Titeln geht man an den Start. Dem Prinzip der Bildergeschichten von Wilhelm Busch folgend, wird es ein Buch mit Geschichten von Dr. Brumm von Daniel Napp geben sowie einen Band mit den drei Freunden von Daniala Kulot, durchgehend vierfarbig illustriert.

Elisabeth Ruge, Verlegerin des Bloomsbury Kinderbuchverlags in Berlin, erhofft sich große Aufmerksamkeit für ein gemeinsames Projekt von Zoran Drvenkar und Martin Baltscheit: „Zarah“ ist die düster-komisch illustrierte Geschichte eines Mädchens, dem eine Mädchen-Bande auf alle erdenklichen Formen Angst machen will. Und ganz am Schluss erfährt man, warum sich Zarah durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.

Interessant ein Ausflug zum französischen Gemeinschaftsstand, den Bärbel Becker von der Frankfurter Buchmesse im Rahmen des Kontaktprogramms für die Aussteller am deutschen Gemeinschaftsstand organisiert hatte.

Bärbel Becker, Thomas Wolff, Alain Gründ

Alain Gründ, Organisator des Gemeinschaftsstandes, erklärt, dass in Frankreich die illustrierten Kinderbücher zu Gunsten der Sachbücher Anteile verlieren. Und dass es im Lizenzhandel – neben der Kenntnis der Kultur und Geschichte des Partnerlandes – wichtig ist zu wissen, dass französische Kinderbücher für die Altersgruppe von 8 bis 12 weniger Text zulassen als es der deutschsprachige Markt gewohnt ist.

Eva Kutter schickt auf der Fischer Schatzinsel mit „Liane Susewind“ eine neue Autorin ins Rennen: Tanya Stewner habe die kleine Schwester von „Emily“ und die Assistentin von Dr. Doolittle kreiiert, illustriert wird sie von Eva Schöffmann-Davidov.

Neue Autoren sucht auch Barbara Gelberg, die nach dem Relaunch der Kinderzeitschrift „Der bunte Hund“ (kommt an den Kiosk, erscheint 10 Mal im Jahr, wird Anzeigen beinhalten) dieses Medium verstärkt dafür nutzen möchte. Gefragt sind Schriftsteller, die Erzähltraditionen von Christine Nöstlinger und Peter Härtling auf eigene Weise und vor dem Hintergrund von veränderten Kindheiten fortführen können.

Ein internationales Projekt in Zusammenarbeit mit sieben Ländern wagt Christine Paxmann, die mit ihrer edition quinto in Bologna erstmals unter dem Dach von Terzio auftritt. „Freundschaften“ heißt eine Anthologie, die im Herbst erscheinen soll und die von der Frau des russischen Staatspräsidenten im Rahmen der russischen Buchmesse angestoßen wurde. Als Herausgeberin fungiert Doris Schröder-Köpf, Sponsor ist Gasprom, die Erlöse sollen deutsch-russischen Kindergärten zu Gute kommen. Illustriert hat Aljoscha Blau.

Dominierend bleiben im Genre Kinderbuch aber wohl weiterhin bekannte Serien wie „Das magische Baumhaus“, „Die wilden Fußballkerle“ oder „Die wilden Hühner“. Und deshalb ist fast jeder auf der Suche nach einem guten Reihenkonzept. Für 2008 kündigt Anne Schieckel, Programmleitung dtv junior eine Reihe für Jungen ab 8 an, eine Mischung aus Abenteuer-Geschichten und Sachbuchteil, mit zahlreichen Illustrationen versehen.

Jugendbuch: Chaos, Küsse – und Ideen?

Bereits im Oktober startet „dtv girl“, eine neue Reihe für Mädchen ab 12 (s. dazu auch unser Beitrag im Mai-BuchMarkt in der Rubrik „Trends, Pläne, Programme“). Mit einer Covergestaltung, die auf eine Kombination von Foto und Illustration setzt und einem Taschengeld-Preis von 5,95 Euro, einem eigenen Internet-Auftritt und großem Marketing-Etat wagt sich ein weiterer Anbieter in den Markt der Mädchen-Serien. Hörbücher werden, gelesen von der früheren „quergelesen“-Moderatorin Josephine Preuß, bei Hörbuch Hamburg erscheinen.

Bei Baumhaus freut sich Lektoratsleiterin Gabi Strobel auf eine Lizenz aus dem Italienischen, die von Cristina Bernardi, Agentur Michael Meller, vermittelt wurde. Aus „Letre i Diari“ wurde „Chaos, Mails und erste Küsse“, die Klappbroschuren starten im Mai.

Und für „Cathy’s Book“ von Sean Steward, einer amerikanischen Lizenz, arbeitet Baumhaus gerade mit Hochdruck am begleitenden Marketing. Der Tagebuchroman, in dem ein 17-jähriges Mädchen sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Freund begibt, kommt mit 26 Beilagen daher und erhält eine eigene Telefonnummer sowie eine Website.

Im stärksten Genre, der Fantasy, starren alle auf die Trilogie-Enden von

– Harry Potter (der neue kaufmännische Geschäftsführer von Carlsen, Joachim Kaufmann, feilt noch am Marketing-Auftritt)

– der Tinten-Trilogie von Cornelia Funke (auch bei Dressler steht der Erscheinungstermin noch nicht fest)

– Eragon (erstmal kommt aber eine Geschenkausgabe des ersten Bandes, um die Wartezeit bis zum Finale zu verkürzen, weiterer Spitzentitel bei cbj ist Stephen und Lucy Hawkings „Der geheime Schlüssel zum Universum“ – und Marketingleiter Klaus Renner hätte die Vorschau gern schon fertig)

Die Fantasy-Müdigkeit bei den Lektoren ist ungebrochen, aber der Trend, dass das Angebot langsam bei den Lizenzverlagen in England und den USA abnehme, scheint eher ein Wunschgedanke zu sein. Ganz zu schweigen von den Lesern, die sich weiterhin dicke Bücher mit fantastischen Geschichten wünschen. Mögen die Druckereien genügend Papier bereithalten.

Carlsen übrigens hat neben Potter noch einen Fantasy-Titel in der Backlist, der im Herbst gepuscht wird: Philip Pullman’s „Der magische Kompass“ wird der Weihnachts-Film von Warner, beim Original-Verlag Scholastic ist ein großes Programm rund um den Film entstanden, von dem Carlsen einen Teil auf Deutsch bringen wird.

Bloomsbury startet mit einer Trilogie aus dem Katalanischen (Gastland auf der Frankfurter Buchmesse 2007): Maite Carranza, „Der Klan der Wölfin“, eine Serie, die in Spanien stapelweise neben den Büchern von Laura Gallego García liegt.

Loewe ist gespannt auf den Auftritt von Derek Landy’s „Skulduggery Pleasant“, laut Jeanette Hammerschmidt, zuständig für Presse und Lizenzen, „schräge Action-Fantasy“. 25 Lizenznehmer haben bei dem Manuskript eines Iren, der sonst Filmskripts schreibt, zugeschlagen.

Alexandra Borisch auf Talentsuche

Kein Ende der Fantasy also, Trends sind allenfalls etwas mehr Gothic, gerne auch Vampire (siehe „Biss zum Morgengrauen“, Carlsen). Und, wie Loewe-Lektorin Alexandra Borisch bemerkt, tauchen vor allem in den USA gerade ganz viele Serien speziell für Jungen auf, die Mädchen als Leserschaft explizit ausschließen. Ob Jungen das wirklich nötig haben?

Es bleiben wiederum Einzeltitel, auf die man gespannt sein darf im Herbst und die hoffentlich nicht untergehen im Trilogie-Ende-Hype. Eva Kutter hat im vergangenen Jahr in Bologna die Rechte für „Der Junge im gestreiften Pyjama“ des Iren John Boyne ersteigert, ein Roman, der in 28 Sprachen übersetzt – ins Deutsche von Brigitte Jakobeit und eben in Warschau verfilmt wird.

Gewagt: Der Klappentext wird nichts über den Inhalt verraten, der Leser soll ohne Vorinformation zu lesen beginnen. Er wird sich im Warschau der beginnenden 40er Jahre wiederfinden und einen neunjährigen Protagonisten begleiten.

Anne Schieckel hat mit dtv junior die Recherche-Reisen des zweiten Bandes von Allan Stratton mitfinanziert und die deutschen Rechte gekauft, bevor die Weltrechte an Harper Collins gingen. Das Thema von „Chandas Krieg“ werden Kindersoldaten sein.

Ein neuer Roman von Mirjam Pressler wird bei Beltz & Gelberg erwartet, Schauplatz ist das Prag des 16. Jahrhunderts. Für rotfuchs hat die Autorin einen Titel aus Belgien übersetzt, der in der neuen Reihe „Das besondere Buch“ erscheinen wird: „Der salzige Kuss“ von Gerda van Ertl.

Bei einem solchen Angebot kann die Zielgruppe den Fernseher ab sofort ausschalten.

Sachbücher: Dinge, von denen man noch nicht wusste, dass man sie wissen will

Es war das Thema der letztjährigen Bologna-Messe [mehr…]: Die Entdeckung des Sachbuchs in den deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchverlagen. Für Ute Freudenberger, arsEdition, war der Termin mit Templar wichtig, dem Verlag, der den Münchnern große Erfolge mit dem „Drachenbuch“ und weiteren Titeln beschert hat.

Die hochpreisigen Sachbücher mit Special Effects müssen langfristig geplant werden, da sie nur durch internationale Koproduktionen finanzierbar sind. Da sei noch einiges in der Pipeline, so Ute Freudenberger, und auch mit anderen Titel werde man den Trend des hochpreisigen Sachbuchs bei arsEdition fortführen.

Gerstenberg führt die Eigenproduktion mit Autorin Maja Nielsen fort, in der Reihe „Abenteuer & Wissen“ erscheint als nächstes das Thema Indianer.

Das erzählende Sachbuch wird bei Bloomsbury weitergeführt, ein besonderes Projekt ist das „Haus-Buch“ von Stephanie Busch und Ulrich Noller, illustriert von Monika Horstmann. „Hier wohnt das Wissen der Welt“ verspricht der Rundgang durch 23 Zimmer, der assoziatives Wissen vermittelt, von dem man teilweise gar nicht wusste, das man das wissen will.

Beltz startet eine neue Reihe in Kooperation mit BI zu den „Schlüsselszenen der Technik“ für Kinder ab 10 und Oetinger wird das im vergangenen Jahr angekündigte erste Sachbuch-Programm vorlegen.

Und dann …

Empfang der Holländer

… stellt sich Bologna in jedem Jahr aufs Neue als eine der schönsten Kulissen für abendliche Essen und Feiern heraus. Die Schweden luden zum großen Empfang zum hundertsten Geburtstag von Astrid Lindgren in den Palazzo Isolani ein. Ein Tag später waren die schönen Räumlichkeiten Ort des Empfangs der Holländer.

Die Liste der Preisträger der Ragazzi-Awards finden Sie hier. Helga Preugschat, Fischer Schatzinsel-Lektorin, freut sich, dass sie das ausgezeichnete „El libro negro de los colores“ von Ediciones Tecolote bereits auf der Buchmesse im mexikanischen Guadalajara entdeckt hatte, in Bologna erhielt sie mit Vermittlung der Agentur books & rights den Zuschlag für die deutsche Lizenz.

Kinderbuchhandlung an der Piazza Maggiore

Und Ulrich Störiko-Blume, Boje-Programmleiter, betonte wie im Vorjahr, die Bologna-Messe könne für ihn ruhig noch drei Tage länger dauern. Aber irgendwann will man dann doch nach Hause.

Unterwegs träumt man von einer internationalen Kinderbuchhandlung, die das ganze Jahr über die Bücher vorrätig hat, die man in Bologna sehen kann. Einen kleinen Eindruck, wie gut frequentiert sie sein könnte, gab die kleine Kinderbuchhandlung an der Piazza Maggiore. Dort sah man sogar: Kinder.

Die Zielgruppe!

Der nächste Termin: 31. März bis 3. April 2008. Ehrengast wird dann Argentinien sein. Wieder drei Tage zu wenig?

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