Carl Friedrich von Weizsäcker ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Er war Physiker und Philosoph und galt als einer der letzten Universalgelehrten im deutschen Sprachraum: Der ältere Bruder des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker ist nach langer Krankheit im bayerischen Starnberg gestorben.
Internationale Anerkennung als Atomphysiker erhielt Carl Friedrich von Weizsäcker 1937 mit der nach ihm benannten Weizsäcker-Formel für die Energiesubstanz der Atomkerne. In den Zeiten der Ost-West- Konfrontation wurde die Kriegsverhütung zu seinem zentralen Engagement: Der Physiker und Philosoph war Hauptinitiator der „Göttinger Erklärung“, mit der sich 18 Kernforscher am 12. April 1957 gegen eine Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen aussprachen.
1970 gründete er in Starnberg das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt, das er bis 1980 gemeinsam mit dem Philosophen Jürgen Habermas leitete.
Eine von der SPD und der FDP angetragene Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten lehnte der ältere Bruder des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (CDU) ab,
Nach seiner Emeritierung im Jahr 1980 trat Carl Friedrich von Weizsäcker für einen radikalen Pazifismus ein und arbeitete in den 90er Jahren an seinem philosophischen Werk „Zeit und Wissen“ (Hanser, dtv).
Carl Friedrich von Weizsäcker war von 1937 bis zu deren Tod im Jahr 2000 mit einer Schweizer Historikerin verheiratet. Weizsäcker war Vater von drei Söhnen und einer Tochter.