Heute meldet sich auch der Münchner Autor Robert Hültner zu den Plagiatsvorwürfen gegen „Tannöd“-Autorin Andrea Maria Schenkel (Edition Nautilus) [mehr…] zu Wort:
„Eine der Merkwürdigkeiten an Peter Leuschners Einlassung besteht schon einmal darin, dass er sein gewiss verdienstvolles Hinterkaifeck-Buch nach eigenem Eingeständnis an einigen Stellen mit eigenen Erfindungen versehen hat, obwohl es dem an bayerischer Kriminalgeschichte Interessierten bislang immer als Sachbuch annonciert wurde. Dies dürfte zumindest all jene düpieren, die es als seriöse Quelle für Fach- und Zeitungsartikel, Dokumentarfilme und Theaterarbeiten verwendeten.
Die textlichen Übereinstimmungen zwischen seinem Buch und »Tannöd« sind derart minimal, dass der Vorwurf des Plagiats geradezu lächerlich ist. Für ein belletristisches Werk zwingend zu fordern, dass an dessem Ende sämtliche Quellen aufgelistet werden müssen, ist nicht weniger albern. Romanautoren sind keine Erbsenzähler, und die Herkunft jeder der unzähligen Detailinformationen, die der Autor zu einem literarischen Werk geordnet hat, interessiert den Roman-Leser in der Regel überhaupt nicht – ist ihm an wissenschaftlich fundierter Information gelegen, greift er gleich zum Sachbuch.
Hinzu kommt, dass auch Peter Leuschner diesen Fall nicht erfunden hat. Für die Wirklichkeit aber gibt es kein Copyright. Gerade im nordwestlichen Oberbayern ist die Geschichte von Hinterkaifeck geradezu zum Volksgut geworden; sie wird seit Generationen in Familien, an Stammtischen usw. erzählt. Es ist zu vermuten, dass Peter Leuschner auch deshalb mit seinem Buch gute Umsätze erzielte, wie ebenfalls zu vermuten ist, dass er seinerzeit mit Informationshonoraren nicht gerade um sich geworfen haben wird.
Man könnte das Ganze also für einen geschmacklosen Scherz oder als Ausdruck gekränkter Eitelkeit halten. Empörend dabei aber ist, dass Peter Leuschner als Medienprofi sich darüber im Klaren sein müsste, was ein derart ehrenrühriger Vorwurf für die berufliche Existenz der Betroffenen bedeuten kann.“







