
Das war gestern die Personalie des Tages: Dr. Alexander Bob, seit 1998 Vorstand im Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG und seit 2001 Sprecher des Vorstands, beendet nach mehr als neun Jahren sein Engagement in Mannheim im Sommer dieses Jahres, um bei der Cornelsen Holding die Nachfolge von Holding-Chef Fritz von Bernuth anzutreten, der Ende des Jahres ausscheiden will. Anlass für DREI FRAGEN an seinen Nachfolger:
Es muss Ihnen schwergefallen sein, Ihre Arbeit in Mannheim aufzugeben.
Dr. Alexander Bob: Ja, das ist so. Neun Jahre sind eine lange Zeit, in der so manches bewegt wurde. Nach einer so langen Tätigkeit in führender Position hat man das Team um sich, das zu einem passt, das man selbst eingestellt, promoviert hat. Das machte einen Abschied auch nicht leichter. Es sind vor allem die menschlichen Beziehungen, die einen binden.
Hinzu kommt, dass der Verlag Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG mit den Marken Duden, Brockhaus und Meyers mit die stärksten Marken in unserer Branche überhaupt hat und damit für einen Verleger faszinierende Möglichkeiten bietet.
Aber die Zeit war nicht einfach, was waren die Probleme, an die Sie sich erinnern.. und was die Highlights?
Die Zeit bei BIFAB war außerordentlich facettenreich. Vom Sanierungsprogramm mit Personalabbau von 200 Mitarbeitern, Verkauf des vertretergestützten Direktvertriebs über Neustrukturierung und verlegerischer Neuausrichtung und gezieltem Personalaufbau mit dem Ziel die Abhängigkeit von Duden 1 und der Enzyklopädie zu lösen, war alles enthalten. In den letzten drei Jahren kamen Beteiligungen und Zukäufe (Duden Paetec, Harenberg, Weingarten) hinzu. Ich habe die Genugtuung mich nach einem sehr schwierigen Jahr 2005 mit einem sehr gut verlaufenen Jahr 2006 zu verabschieden. Der Umsatz wurde gegenüber 2003 verdoppelt und der Verlag steht jetzt auf einer soliden Basis, die allerdings aufgrund der Marktveränderungen jedes Jahr neu verteidigt werden muss. Zu der positiven Entwicklung in den letzten Jahren gehören insbesondere auch Buchreihen, die mit Medienhäusern realisiert werden konnten, wie zuletzt mit der ZEIT und mit GEO.
Letztlich waren die neun Jahre ein einziges großes Highlight, da der Umbau des Verlags, der als Problem begann, zuletzt immer mehr eigenständigen konstruktiven Charakter bekam. Als Verlagsmanager und Vorstand bin ich ja gerade auch für die Probleme da, deren erfolgreiche Bewältigung oder Vermeidung ist dann eine Befriedigung. Als endorphinauslösendes Ereignis wird mir die Enthüllung der Brockhaus-Stelen auf dem Freigelände der Buchmesse 2005 in Erinnerung bleiben. Die Arbeit von 200 Mannjahren kulminierte an diesem Punkt.
Besonders erfreut bin ich darüber, dass es gelingt, im Guten zu scheiden. Herr Langenscheidt bedauert in der Presseerklärung, die gestern verteilt wurde, meinen Weggang. Mein persönlicher Rückblick ist auch positiv, die Zeit war immer (und zuletzt immer stärker) anstrengend, aber mit einem großen Gestaltungsspielraum, den ich gerne genutzt habe und einer überdurchschnittlichen Vielfalt zwischen Pappbilderbuch und Brockhaus Enzyklopädie, zwischen digitalen Medien und höchster handwerklicher Buchkunst, zwischen kleinen Auflagen bei Sachlexika und den unzureichenden Druckkapazitäten in einem Jahr der Duden-Neuauflage, zwischen Wandkalendern und Werken mit höchstem redaktionellen Anspruch und nicht zuletzt vertrieblich zwischen Buchhandel, Downloadshop und der Partnerschaft mit Medienhäusern.
Was reizt einen Mediziner an dem Wechsel nach Berlin?
Sicher nicht die Gesundheitspolitik. Lange bevor ich das Angebot bekam, nach Berlin zu wechseln, habe ich den konsequenten Aufbau bei Cornelsen mit großer Achtung verfolgt. Es war für Außenstehende erkennbar, dass hier sehr überlegt vorgegangen wurde. In einem Unternehmen, das von der Verlagsführung auf so hohem Niveau entwickelt wird, einen erkennbaren Beitrag zu leisten und einen Mehrwert einzubringen, ist für mich beruflich sehr reizvoll. Gleichzeitig wird die Tätigkeit in der Cornelsen Verlagsholding weniger operativ sein, als meine Vorstandstätigkeit bei BIFAB, sodass meine strategischen Fähigkeiten stärker gefordert sein werden.
Nachdem wir der Stadt Mannheim zum 400-jährigen Jubiläum gerade einen – überaus erfolgreich verkauften – Brockhaus Mannheim gewidmet haben und ich bei verschiedenen Gelegenheiten das Hohelied auf die Stadt Mannheim gesungen habe, werde ich mich jetzt zur Stadt Berlin nicht äußern ….







