Diesen traditionellem Jahresbericht (einst von seinem Vater und Campus-Gründer erfunden) hat Campus Verleger Thomas Carl Schwoerer auch in diesem Jahr an „Autoren-, Berater-, Gesellschafter-, Herausgeber- und MitarbeiterInnen“ geschrieben – und hier ist er (mit seiner Erlaubnis) für alle anderen nachzulesen.
Liebe Freunde,

im Berichtsjahr können wir wieder dank Ihrer und eurer tätigen Mithilfe schwarze Zahlen vorweisen, trotz der allerorten und auch bei uns gestiegenen Remissionen, also Rücksendungen nichtverkaufter Bücher. Unsere Rate liegt bei 11% vom Umsatz – damit stehen wir zwar vergleichsweise gut da in der hiesigen Landschaft, von der amerikanischen ganz zu schweigen. Aber es läuft doch auf eine einschneidende Veränderung hinaus im Vergleich zu den 8,6%, die wir im Vorjahr hatten. Und es ist fraglich, ob wir von dieser Quote wieder runterkommen.
Ein weiteres Damoklesschwert für die Zukunft sind die Forderungen der Übersetzer. Ihr Verband fordert deutlich höhere Seitenpauschalen, die die Verlage aber in diesen Zeiten nicht bezahlen können. Statt dessen haben die Verlage – Hartnäckigkeit ist die Leidenschaft der Unverbesserlichen – ein Alternativmodell vorgelegt, das eine prozentuale Beteiligung an Absätzen und Nebenrechten vorsieht und den Übersetzern Mehreinkünfte von 10% bis 20% bescheren würde. Mit diesem Modell haben sich vor Weihnachten schon 17 ÜbersetzerInnen einverstanden erklärt.
Optimisten neigen zur Übertreibung, Pessimisten übertreiben hoffnungslos. Wir blicken gewohnt optimistisch in die Zukunft und machen munter weiter mit unseren wichtigsten neuen Übersetzungen (soweit nicht schon im Frühjahrsprogramm 2007 angezeigt): Altman 24 Stunden, Beah Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat, Broussard Märchenhafte Karrieren, Fisher/Shapiro Verhandeln mit Gefühl und Verstand, Greenspan Autobiografie, Kaplan Wie’s der Zufall will, Mearsheimer/Walt Die Israel-Lobby, Richardson Was Terroristen wollen, Saunders Stilvoll überleben als Mutter, Ury Die Kunst, nein zu sagen, Walter Hand & Fuß. Was den Menschen zum Menschen macht.
Unter den autochthonen AutorInnen war die stetige Anwesenheit von Küstenmacher Simplify your love auf der Spiegel-Bestsellerliste bereits zwei Wochen nach Erscheinen natürlich wichtig für dieses Geschäftsjahr. Entsprechend führt dieses Buch die Liste der Renner, also der Umsatzgewinner 2006 an: Küstenmacher Simplify your love, Küstenmacher Simplify your life, Küstenmacher Simplify your day 2007, Kramer WISO Vorsorgeplaner, Grünewald Deutschland auf der Couch, Siefer/Weber Ich, Weiner/Kupfer Das Pippilotta-Prinzip, Georgescu/Vollborn Die Joghurt-Lüge, Malik Führen, Leisten, Leben, Fisher/Ury Das Harvard-Konzept, Horx Wie wir leben werden, Welch Winning, Jungbluth Die 11 Geheimnisse des IKEA-Erfolgs, Doppler/Lauterburg Change Management, Sprenger Die Entscheidung liegt bei dir!, Püttjer/Schnierda Assessment-Center-Training für Führungskräfte, Conen Sei gut zu dir, wir brauchen dich, Püttjer/Schnierda Das große Bewerbungshandbuch, Glass Abzocke, Weidner Die Peperoni-Strategie.
Die Besten nach Absatzzahlen: Küstenmacher Simplify your love, Küstenmacher Simplify your day 2007, Küstenmacher Simplify your life, Kramer WISO Vorsorgeplaner, Weiner/Kupfer Das Pippilotta-Prinzip, Grünewald Deutschland auf der Couch, Siefer/Weber Ich, Georgescu/Vollborn Die Joghurt-Lüge, Sprenger Die Entscheidung liegt bei dir!, Malik Führen, Leisten, Leben, Seiwert Wenn du es eilig hast, gehe langsam, Fisher/Ury Das Harvard-Konzept, Horx Wie wir leben werden, Becker Everybody´s Darling, everybody´s Depp.
Diese Renner schlagen sich nieder in den Marktanalysen der Gesellschaft für Konsumentenforschung: Im Segment Sach-Hörbuch sind wir demnach Marktführer, bei Ratgebern (Lebensführung und Partnerschaft) sowie Bewerbungsbüchern stehen wir an zweiter und bei Wirtschaftsbüchern an dritter Stelle, und in Politik und Gesellschaft gehören wir zu den ersten sechs.
Wichtig dafür war wieder das schöne Medienecho: Marion und Werner Tiki Küstenmacher waren mit Simplify your love in Focus, FAS, Bunte, Bild (Serie), in den Fernsehsendungen Menschen der Woche und Volle KanneSusanne und in einer Vielzahl von Hörfunksendungen. Auch Marita Vollborn und Vlad Georgescu gaben zahlreiche Hörfunkinterviews für ihre Joghurt-Lüge, hinzu kamen ein Auftritt im NDR Kulturjournal und Rezensionen in FAZ und FAS. Werner Siefer/Christian Webers Ich hat es zur Titelgeschichte in Focus sowie Besprechungen in SZ und Zeit gebracht, und der Stern druckte jeweils vierseitige Interviews mit Carly Fiorina anläßlich ihrer Autobiografie Mit harten Bandagen bzw. mit Stephan Grünewald (Deutschland auf der Couch). Fiorinas Buch wurde außerdem zur Titelgeschichte der Bilanz mit einem Vorabdruck in zwei Folgen, neben Besprechungen in FAZ, FAS, Handelsblatt und SZ. Und Stephan Grünewald hatte Fernsehauftritte bei Menschen der Woche und Nachtcafé im SWR, ZDF Nachtstudio, 3sat Kulturzeit und Spiegel TV. Unser neues politisches Halbjahresmagazin polar bekam Rezensionen in Zeit und NZZ. William Easterly hat für Wir retten die Welt zu Tode ein beinahe volles Haus zu seiner Veranstaltung in der Deutschen Bibliothek in Frankfurt angezogen, neben Auftritten in Berlin und München und einer Reihe von Interviews. (Zu dumm nur, dass er anschließend seinen Ökonomen-Kongress in Helsinki verpasste, weil die Flugzeuge der Finnair aus Berlin an dem Tag flächendeckend bestreikt wurden.) Spiegel Spezial Bücher empfahl Die große Abzocke mit dem Satz „Das Buch von Neil Glass ist nur halb so dick, aber doppelt so interessant wie das von Thomas Leif.“ Last but not least sind wir mit der WISO-Ratgeberreihe nach dem ersten Jahr unserer Kooperation mit dem ZDF überaus zufrieden.
Dies war außerdem das vierte Jahr, in dem es zahlreiche Preise und Ehrungen bei Campus gab: Niels Pfläging nahm den Wirtschaftsbuchpreis der Financial Times Deutschland entgegen für Führen mit flexiblen Zielen, das außerdem zusammen mit William Easterlys Wir retten die Welt zu Tode als das beste Buch des Jahres vom Internet-Newsletter changeX ausgezeichnet wurde. John D. Barrow und Len Fisher gewannen jeweils einen 2. Platz als Wissenschaftsbuch des Jahres von Bild der Wissenschaft für Einmal Unendlichkeit und zurück bzw. Der Versuch, die Seele zu wiegen. Auch an uns ging die WM nicht spurlos vorbei: Gunter Gebauers Poetik des Fußballs ist von elf führenden Sport- und Feuilletonjournalisten zu einem der fünf besten Fußballbücher des Jahres gewählt worden. Phillip Müllers Auf der Suche nach dem Täter. Die öffentliche Dramatisierung von Verbrechen im Berlin des Kaiserreichs gewann den Publikumspreis beim Wettbewerb „Das Historische Buch 2006“ von H-Soz-u-Kult. Und Petra Gehrings Was ist Biomacht? sowie Gerd Grözingers Jüdisches Denken (Band 2) landeten auf der Bestenliste der Süddeutschen Zeitung.
Hingegen bestand die Enttäuschung des Jahres für mich darin, dass unser Autor, der ehemalige Chef der Deutschen Börse Werner Seifert, sich für sein neues Buch Invasion der Heuschrecken für Econ statt für uns entschied. Daran war ich insofern nicht unschuldig, als ich die Meinung vertrat, der Erscheinungstermin müsse zeitnah zum Ausscheiden Herrn Seiferts aus der Deutschen Börse liegen und dürfe daher nicht später als Herbst 2005 sein. Die Medienresonanz im Frühjahr 2006 belehrte mich eines Besseren. Wie sagte doch Ionesco: Wir glauben, Erfahrungen zu machen, aber die Erfahrungen machen uns.
Ich danke den MitarbeiterInnen für ihr großes Engagement und Ihnen für Ihre beständige Mit- und Zusammenarbeit, wünsche uns selbige auch für die Zukunft und Ihnen, Ihren und unseren MitarbeiterInnen ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr.
Ihr
Thomas Carl Schwoerer