Worstseller-Listen kommen in Mode. Die FAZ hat sich von Daniel Keels Aktion [mehr…] zu einer eigenen Umfrage unter deutschen Verlagen inspirieren lassen: „Bitte nennt uns euren ‚heißgeliebten Ladenhüter’, ein Buch also, das dem Verlag am Herzen liegt, aber vom Publikum ignoriert wird“, lautete die Frage.
„Nicht alle wollten uns Auskunft geben“, merkt Hubert Spiegel an:. „Droemer Knaur beispielsweise erklärte fröhlich, man habe gar keine Worstseller. Der Suhrkamp Verlag, dessen legendäre Backlist fast neuntausend Titel umfaßt, hatte Angst, auch nur ein einziges Sorgenkind zu benennen. Deshalb fehlt in unserer Liste ausgerechnet jener Verlag, mit dem Siegfried Unseld der Branche über Jahrzehnte gezeigt hat, wie man seinen Autoren in guten wie in schlechten Zeiten die Treue hält. Unseld, der wie kein zweiter immer wieder neue Mittel und Wege fand, um die Backlist zu vermarkten, hätte Keels Aktion Beifall gespendet.“
Andere indes haben begeistert mitgemacht. Kiepenheuer & Witsch nannte als Worstseller eine vierbändige Kassette mit vermischter Prosa von Erich Maria Remarque: siebzehn Exemplare. Zum Vergleich: Die Weltauflage von „Im Westen nichts Neues“ liegt bei über elf Millionen. Katharina Wagenbachs Sorgenkind bei der Friedenauer Presse heißt Leonid Dobycin. Daß Ingo Schulze, selbst ein Bestsellerautor, Dobycins Roman „Im Gouvernement S.“ zu seinen Lieblingsbüchern zählt, hat bislang wenig geholfen: 21 verkaufte Exemplare in diesem Jahr. Wagenbach leidet mit Stefano Benni, der in Italien eine Gesamtauflage in Millionenhöhe erreicht. Sein Roman „Der Zeitenspringer“ bringt es 2006 im deutschen Raum auf sechzehn Sprünge. Auch modernen Klassikern wie Jean Améry ergeht es kaum besser: Sein Essay „Jenseits von Schuld und Sühne“ gehört zum Besten, was je über Auschwitz geschrieben wurde. Nur 76 Exemplare konnte Klett-Cotta davon absetzen.