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Neueröffnung von Pustet in Passau: „Alter Hase in neuem Stall“

Die Buchhandlung Pustet feierte am Mittwochabend die Neueröffnung ihres (zuvor über fünf Läden verteilten) Geschäfts in Passau auf nunmehr 1.500 Quadratmeter Ladenfläche.

Pustet außen…

Sie ist als erstes (Einzelhandels)-Unternehmen im Einkaufs- und Dienstleistungszentrum der sogenannten Neuen Mitte mit insgesamt knapp 30.000 Quadratmetern eingezogen, das angeblich im Herbst 2007 komplett fertiggestellt sein soll.

Rund 450 Gäste – darunter viele von lokalem und regionalem Rang und Namen sowie auffällig viele jüngere Gesichter – waren gekommen, um mitzuerleben, was er nun zu bieten hat, der „alte Hase im neuen Stall“ – so in seiner Begrüßungsansprache Friedrich Pustet, der in der Familie heute – in der sechsten Generation – für die Buchhandlungen und den Verlag gleichen Namens verantwortlich ist. Der Hauptsitz des Unternehmens ist Regensburg. Der erste Buchhändler der Familie freilich begann in Passau, wohin die Pustets erst 1974 zurückkehrte – mit einer Filiale, die der zu früh verstorbene, nicht nur in der lesenden Bevölkerung Passaus bis heute unvergessene Jürgen Grau souverän zum führenden, zentralen Sortiment einer Einkaufsregion mit mehreren hunderttausend Bewohnern aufbaute.

Auf die dramatischen Veränderungen jüngster Zeit in der deutschen Buchhandelslandschaft anspielend, erklärte Friedrich Pustet, man habe sich entscheiden müssen, “zu neuen Ufern aufzubrechen oder die Segel zu streichen“. Die neue Filiale ist ein markantes Zeichen des Aufbruchs zu neuen Ufern geworden. In Passau setzen die Pustets buchhändlerisch erneut ein Startsignal.

… und innen

Diese Buchhandlung ist ein „Musterbeispiel modernster Ladengestaltung“, meinte ein beeindruckter Volker Hasenclever nach eingehender, nachdenklicher Besichtigung. „Sie lädt zum Besuch ein. Das Moderne Antiquariat – in allzu vielen Geschäften vordergründig am Eingang platziert, so dass es den Weg zum eigentlichen, wichtigen Buchangebot verstellt – liegt hier vorn seitlich rechts ‚abgezweigt’. Die großzügig gegliederten, hervorragend belichteten Räumlichkeiten auf zwei Ebenen – mit Treppe, Rolltreppen und Lifts – erzeugen eine starke Wohlfühl-Atmosphäre – und doch steht von jedem Blickwinkel aus eindeutig stets das Buch im Blickfeld. Die Programmsegmente sind vorbildlich angeordnet – ebenso die Tafeln zur Kundenführung. Und das Café im ersten Stock – nicht à la Starbuck, sondern in einem ganz eigenen Stil nach dem Muster von Wiener Caféhäusern – wird garantiert ein Besuchermagnet.“

Welche Bedeutung die Buchhandlung Pustet in und für Passau gewonnen hat, zeigte sich an der Eröffnungsfeier. Passau gilt traditionell als „pechschwarz“. Angesichts des bis in die 1980er Jahre erdrückenden Übergewichts von Dom, Klerus und extrem konservativer CSU im Konzert mit der Monopolzeitung „Passauer Neue Presse“ entwickelten sich Protestgruppen – ein radikales scharfzüngiges politisches Kabarett, aus dem beispielsweise die heute deutschlandweit bekannten Bruno Jonas und Otfried Fischer kommen; und eine ebenso kreative literarische Szene um den Verleger Karl Stutz sowie das Literaturmagazin „Pegasus“.

Der Buchhandlung Pustet ist es schon früh gelungen, das alles – sowie die neue Universität – irgendwie zusammen zu bringen und zu integrieren. Die Einsegnung der neuen Räumlichkeiten nahmen der katholische Stadtpfarrer und der evangelische Dekan gemeinsam vor. Das literarische Eröffnungsprogramm aber hatten Friedrich Pustet und sein örtlicher Filialleiter Michael Henkel autonom dem Redaktionsteam des „Pegasus“ um den Lyriker und Universitätsbibliothekar Karl Krieg und einer Kerntruppe der nach wie vor lebendigen heutigen Kabarettszene um Barbara Dorsch in die Hände gelegt.

Es wird spannend werden in Passau. Die Neue Mitte wird nämlich von zwei Investoren finanziert und gestaltet. Da ist zum einen die Vermögensverwaltung Kapfinger; sie gehört den ausbezahlten Kindern des Gründers der „Passauer Neuen Presse“. In diesen, nahezu abgeschlossenen Komplex auf dem (alten) Exerzierplatz ist nun die Buchhandlung Pustet eingezogen.

Den zweiten großen Komplex auf dem alten Lokschuppenareal zieht das ECE (der Otto-Familie) auf. Er soll zum Herbst 2007 fertig werden. Dort wird dem Vernehmen nach Thalia mit einer Filiale über 1.200 Quadratmetern einziehen.

Pustet baut konsequent, so scheint es, auf seine bisherigen Stärken. Damit könnte er gegenüber Thalia große Chancen haben.

Gerhard Beckmann

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