Die Buchhandlung Quodlibet in Neustadt zieht am 23. September um – in die Fußgängerzone, immerhin eine 1b-Lage.
Das ist sichtlich eine trotzige Reaktion auf die Ankündigung von Osiander, die sich mit 1.000 Quadratmetern Fläche für 2007 auch in Neustadt angekündigt haben. Jeanette Grebe vom Quodlibet-Team sagt: „Deswegen verlieren wir aber noch lange nicht den Mut“, sie baut darauf, dass es genügend Kunden gibt, die Wert auf den direkten Kontakt zu „ihrem Buchhändler“ legen und die „Beratungskompetenz eines engagierten Teams zu schätzen wissen“ – was ihre Buchhandlung bislang in Neustadt zur Adresse erster Wahl gemacht habe. Und: „Wir wollten unseren Kunden schon immer den Weg in unsere Buchhandlung verkürzen, ihnen auf ihren gewohnten Einkaufswegen entgegenkommen.“
Die Gelegenheit bot sich mit dem Freiwerden des alteingesessenen Elektro-Fachgeschäftes Grübius in der Kellereistraße 10 und dem Auslaufen des alten Mietvertrages.
Künftig können ihre Kunden mitten in der Fußgängerzone den Einkaufsbummel unterbrechen.
Frank Schwarz erklärt den Firmennamen: „’Quodlibet’“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß ‚Wie es beliebt‘.“
Gerold Belzer, wie Schwarz ebenfalls Gründungsmitglied des Unternehmens, hofft, dass man in den neuen Räumen einiges noch besser machen könne: So wird beispielsweise die Sparte Kinder- und Jugendbuch erweitert und durch einen Spielbereich für Kinder ergänzt. Neu ist auch eine Sitzecke mit Kaffeebar.
Am Samstag, den 23. September um 9 Uhr sollen die aufwändigen Umbauarbeiten abgeschlossen sein, damit der Tag mit einem Eröffnungsfest gefeiert werden kann. Und das ist nicht das erste Fest bei Quodlibet: Am 7. März 1987 knallten die Korken erstmals am ersten Standort in der Klemmhof-Passage. Der wurde schon bald zu klein, sodass am 14. September 1996 schon wieder Sekt fließen musste: der Umzug an den Elwedritschenbrunnen stand an.
Die Gründung von Quodlibet fiel in die Entstehungsphase des Projekts WESPE, in dem sich Ende der 80er-Jahre selbstverwaltete Firmen mit ökologischem, politischem oder kulturellem Anspruch zusammenschlossen, und zu denen z.B. der Bioladen „Abraxas“, der Kulturverein „Wespennest“ oder das Wirtshaus „Konfetti“ zählen. Quodlibet gehörte zu den Pionieren der Selbstverwaltung – und ist auch dieser Idee treu geblieben: Nach wie vor lebt Quodlibet von der gleichberechtigten Kooperation der Mitarbeiter – völlig ohne Chef.