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Urs Heinz Aerni in „Basler Zeitung“ zur Preisbindungsdiskussion in der Schweiz

BuchMarkt-Mitarbeiter Urs Heinz Aerni, Basler Buchhändler und VUKB-Präsident, hat sich in der „Basler Zeitung“ zur aktuellen Preisbindungsdiskussion in der Schweiz zu Wort gemeldet [mehr…] und zeigt, warum die Buchpreisbindung gesetzlich verankert werden muss. Hier der Wortlaut des Artikels:

Beim Streit um die Buchpreisbindung in der Schweiz hat die Rekurskommission für Wettbewerbsfragen (Reko/Wef) einen Entscheid der Wettbewerbskommission gestützt, nach welchem die Preisbindung unzulässig ist [mehr…]. Dagegen hatten der Schweizer Buchhändler- und Verleger verband (SBVV) und der Börsen verein des Deutschen Buchhandels Verwaltungsbeschwerde erhoben. Der Entscheid der Reko/Wef kann nun nur noch beim Bundesgericht angefochten werden. Der Verein der Kleinbuchhandlungen Schweiz (VUKB) hat zwar organisatorisch mit dem SBVV nichts zu tun, aber in dieser Frage das gleiche Interesse.

Feilschen beim Buchpreis. Ohne mit der Wimper zu zucken, legt der Kinobesucher achtzehn Franken für zwei Stunden Unterhaltung auf den Tresen. Da wird nicht lange gefackelt. Kein Feilschen um Vergünstigungen und Rabatte. Die Kioskdame nennt einen Betrag und der Kunde reicht ihr die Banknote rüber. Ohne Murren akzeptiert er die fünfzehn Franken für das Hochglanzheft, sechs Franken für die Wochenzeitung, und von der Opferbereitschaft für die Zigaretten wollen wir gar nicht reden. Aber wenn es um eine poetische Verführung auf 300 Seiten oder um eine historische Abhandlung zwischen zwei Buchdeckeln geht, dann heisst es: «Warum ist das so teuer?» oder «Ich kann mir das nicht leisten». Andernorts wird hingeblättert.

Teurer statt billiger. Politische Kreise möchten die sogenannte Buchpreisbindung abschaffen und fordern freien Preiskampf. Holen Sie doch schnell einen Farbstift und malen Sie sich aus, was dann geschähe. Die Massenware an Bestsellern würde günstiger und die leisen, die wissenschaftlichen und die fachspezifischen Titel würden unbezahlbar werden; es sei denn, Behörden subventionierten oder die Sponsoren finanzierten die Buchprojekte. Durch die einheitliche Preisgestaltung kann der Verleger mit relativ stabilen Koordinaten seine Projekte kalkulieren und sich somit auch auf schöne und risikoreiche Produktionen einlassen. Wenn er das nicht mehr kann, dann ist fertig lustig. Der feste Buchpreis garantiert die Versorgung mit Schriftgut mannigfaltiger Art. Das Kultur- und Bildungsgut Buch steht auf dem Spiel.

Keine Lernfähigkeit. Unbegreiflicherweise lernt man auch hier nicht aus Erfahrungen. England, die USA oder auch Frankreich liessen ebenso die Buchpreisbindung fallen, mit verheerenden Folgen für die Leserschaft, den Handel, die Bildungswelt und zu guter Letzt auch die Behörden, die nun erst recht die Buchproduktion mit Staatsgeldern unterstützen müssen. Genau deswegen und aus anderen guten Gründen wurde in Deutschland und Österreich die Buchpreisbindung gesetzlich verankert, aber die kleine Schweiz muss es wieder einmal besser wissen.

In Deutschland und Österreich wurde die Buchpreisbindung aus guten Gründen gesetzlich verankert.

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