Nach durchaus wechselhaften Erfahrungen mit Sondereditionen, nämlich teils sehr guten (wie bei der Kooperation mit „DIE ZEIT“) und teils extrem schmerzhaften (ORF, „Das Lexikon für Österreich in 20 Bänden“), wird der Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim, laut Vorstandssprecher Dr. Alexander Bob, auch weiterhin in dieses Geschäftsfeld investieren. So erscheint ab Herbst ein 20 Bände umfassendes „GEO Themenlexikon“, diesmal als Joint Venture. Die ersten drei Bände widmen sich dem Thema „Erde“, die weiteren u. a. den Bereichen „Astronomie“, „Naturwissenschaft und Technik“, „Medizin“, „Psychologie“, „Philosophie“, „Religion“ und „Geschichte“. Jeder Band enthält neben einem Lexikonteil ein GEO-Dossier mit Reportagen und Berichten. Der Preis pro Einzelband soll 17,90 Euro betragen, der Gesamtpreis für alle Bände 299 Euro.
Dass eine Sonderedition aber eben auch mal floppen kann, beweist die ORF-Ausgabe, die das BIFAB-Ergebnis im siebenstelligen Bereich belastet. Immerhin hatte der Verlag ca. 500.000 Adressaten in Österreich kostenlos mit dem ersten Band der Edition versorgt, um so für den Fortsetzungskauf zu werben. Man musste aber feststellen, so Bob, dass die Kundenbeziehung zum öffentlich-rechtlichen Sender im südlichen Nachbarland offenbar weitaus schwächer war, als die der Leser und Abonnenten zu ihrer Hamburger Wochenzeitung.
So konnte der erst seit April 2006 im Amt befindliche neue BIFAB-Finanzvorstand Hans-Jörg Düllmann, zuvor kaufmännischer Geschäftsführer bei Cornelsen, beim Bilanzpressegespräch zwar wie gemeldet eine Umsatzsteigerung für 2005 um 7 Prozent auf 69,8 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr (65,17 Mio. Euro) vermelden [mehr…]. Zugleich muss BIFAB aber auch eingestehen, dass man „mit der Ertragslage und dem Jahresüberschuss in der AG von 83 T € nicht zufrieden“ sein könne und die Dividende diesmal ausfallen müsse. Im Konzern belief sich der Jahresfehlbetrag 2005 sogar auf fast 6 Mio. Euro.
Wesentlich mitverantwortlich für diese Zahlen waren neben dem Misserfolg des ORF-Lexikons u. a. die unterplanmäßige Ergebnisentwicklung bei Duden (nicht zuletzt auch aufgrund der anhaltenden Diskussionen um die Rechtschreibreform), die hohen Entwicklungs- und Marketingkosten der 21. Auflage der „Brockhaus Enzyklopädie“ (deren bisheriger Absatz „sehr zufrieden“ stellt), Sonderausgaben im Zusammenhang mit dem Firmenjubiläum sowie Investitionen in den weiteren Ausbau des Schulbuchprogramms von Duden Paetec.
Für das laufende Jahr sehen sich die Mannheimer „strategisch gut aufgestellt“ und erwarten trotz des anhaltend schwachen Wirtschaftswachstums und eher geringer Konsumneigung einen „gegenläufigen Effekt“ aus Umsatz- und Ergebniswachstum. Mit dazu beitragen soll der Erfolg des am 22. Juli erscheinenden neuen DUDENS (in 24. Auflage). Er enthält die aktuellen Rechtschreibregeln sowie erstmals von der Redaktion empfohlenen und als solche farblich extra ausgewiesene Schreibweisen.
Zum Umsatzwachstum beitragen sollen auch die im Tochterunternehmen Der Kalenderverlag Mannheim GmbH }zusammengelegten Aktivitäten der neu erworbenen Programme [Harenberg und Kunstverlag Weingarten. Außerdem hat BIFAB die Lizenz für das Guinness-Buch erworben, die im eigenen Haus entwickelte Ausgabe „Guinness World Records 2007“ erscheint am 9. September diesen Jahres, flankiert von breit gefächerten Werbe- und PR-Maßnahmen sowie einer RTL-TV-Show.
BIFAB wird auch künftig konsequent alle Vertriebswege nutzen. Unverändert bleibt der Sortimentsbuchhandel dabei an vorderster Stelle, flankiert vor allem vom vertretergestützten Direktvertrieben und dem Versandhandel.
Harald Kiesel
harald-kiesel@web.de