Hermann Herder wird heute 80 Jahre alt. Auch in Zeiten der Globalisierung gibt es wohl nur wenige Persönlichkeiten in der Buchbranche, die so global und universal geprägt sind wie der Altverleger des Herder Verlags in Freiburg.

Er entstammt einer Familie, deren Vorfahren deutscher, österreichischer, spanischer und italienischer Herkunft sind. Er wird in eine Verlegerfamilie hineingeboren, die ihre Aktivitäten bereits über drei Kontinente ausgedehnt hatte. Sein Vater führte bereits in vierter Generation ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft in Deutschland lag, aber weitere Unternehmungen in Spanien, den USA und Lateinamerika unterhielt. Heute ist Hermann Herder an zwei Wohnsitzen zu Hause, in Freiburg und in Wien.
Schon mit seiner Geburt überschritt er bereits konfessionelle Grenzen: Von Geburt aus katholisch, wurde Herder 1926 in Rom in einem Krankenhaus geboren, das von evangelischen Schwestern geführt wurde. Als Herder 1957 in das Freiburger Verlagshaus eintrat, befand sich das Unternehmen und seine Verlegerfamilie in globaler Augenhöhe zu der Institution, dessen Inhalte die Produkte des Unternehmens zeitlebens geprägt haben. Die globale katholische Kirche fand im Herder Verlag den global agierenden verlegerischen Counterpart.
Hermann Herder nutzte bereits als junger Mann seine Möglichkeiten konsequent. Nachdem er das Kriegsende auf der Offiziersschule erlebt hatte, studierte er im schweizerischen Fribourg Rechtswissenschaft, machte erste berufliche Erfahrungen in Wien, promovierte 1953 über das Verlagswesen in Lateinamerika und begab sich schließlich als Lehrling in die unternehmenseigene Buchhandlung nach Barcelona.
Als Herder die Gesamtleitung des Verlages 1963 übernahm, stand er damit aber auch vor der schwierigen Aufgabe, den Verlag durch eine Zeit rasanter Umbrüche zu führen. Das Zweite Vatikanische Konzil stellte die katholische Kirche auf eine neue Grundlage, die 68er Generation stellt den Glauben selbst in Frage, moderne religiöse und soziale Bewegungen und Strömungen der 70er und 80er Jahre führten zu heftigen innerkirchlichen Spannungen, zur Erosion der Gläubigen, zahlreichen Kirchenausschlüssen und der technische Fortschritt fordert bis heute immer wieder neue ethische Diskussionen heraus. In all dem nicht zu verknöchern und auf einer Position zu verharren, sondern die Diskussionen beharrlich zu begleiten, ist das Verdienst von Hermann Herder. So brachte er mit Karl Rahner, der zeitweise öffentliches Redeverbot hatte, die zweite Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche heraus.
Herder übernahm Ehrenämter und war von 1965 bis 1968 Mitglied im Vorstand des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Ihn vertrat er bei der „Stiftung Buchkunst“ und der Deutschen Bibliothek. Sein Credo, sich nie dem Zeitgeist zu unterwerfen, sich ihm aber zu stellen und sich von ihm stets herausfordern zu lassen, hat er sich bis heute bewahrt. So sind für den Katholiken Astrologie und Glaube kein Gegensatz und die alte Kulturleistung der Sternendeutung fasziniert ihn noch heute.
Auch nach der Übergabe der Geschäfte an seine Kinder Ende der neunziger Jahre, ist Hermann Herder über die Grenzen hinaus aktiv. So engagiert er sich für die Stiftung „Pro Oriente“. Sie soll die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen und orientalisch orthodoxen Kirchen fördern. Und auch editorisch hat er seine Hände längst nicht in den Schoß gelegt. Gemeinsam mit dem Erzabt des Beuroner Klosters verantwortet er die Stiftung „Vetus latina“. Sie hat zum Ziel, die älteste lateinische Bibelausgabe zu erstellen.
Auch heute sieht Hermann Herder, der 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, als wichtiges Trendthema die globale Herausforderung der Kirchen. Von Papst Benedikt, der Autor des Verlages ist, glaubt Herder, dass er die Frage der Ökumene anpacken, aber auch den Dialog der Religionen vorantreiben wird. Doch Herder ist auch skeptisch: „Ich denke, dass wir Christen selbst noch nicht genügend eingeübt sind für diese Gespräche, dass wir uns noch stärker vertraut machen müssen mit dem Geist des Islam, mit dem Lebensgefühl der Menschen, die ihm vertrauen“, sagt er.
Hermann Herder ist seit 45 Jahren mit Mechthild Herder, geborene Horten, verheiratet. Sie haben vier Kinder und 8 Enkel.
mk
Kontakt: hh@herder.de
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