buchmarkt-online: Sie machen sich mit drei traditionsreichen Verlagen selbständig [mehr…]. Ist das nicht ein wenig gefährlich in den heutigen Zeiten?

Hans-Robert Cram: Ungefährlich ist in den heutigen Zeiten bedauerlicherweise gar nichts mehr. Für mich als Unternehmer stellt sich die Frage aber etwas anders: Ist das Risiko kalkulierbar oder kann da etwas völlig aus dem Ruder laufen? Sicher ist jedenfalls: Es bedeutet ein ziemlich unwägbares Risiko, einen Verlag, einen wissenschaftlichen noch dazu, völlig aus dem Nichts neu aus dem Boden zu stampfen. Die Weiterentwicklung vorhandener und so renommierter Verlagshäuser wie Dietrich Reimer, Gebr. Mann und Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft hingegen ist ein überschaubares Risiko. Der gute Name und das Publikationsumfeld, das ein Verlag seinen Autoren bieten kann, sind ein sehr großer Wert. Dieser Wert verspricht eine Kontinuität in den Autorenbeziehungen – die natürlich sehr gut gepflegt werden müssen – was das künftige Geschäft aber durchaus auch berechenbar macht. Mir selbst war es wichtig, im wissenschaftlichen Verlagsgeschäft zu bleiben. Die Verlage Dietrich Reimer, Gebr. Mann und Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft bieten mir die Möglichkeit, mich in dem mir vertrauten Gebiet zu betätigen bei zugleich deutlich größerer Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit. Eine gewisse Würze kommt dadurch noch hinzu, dass die Wurzeln des Reimer-Verlages und die von Walter de Gruyter dieselben sind: beide lassen sich auf Georg Andreas Reimer zurückführen, dessen Söhne nach seinem Tod 1842 die verschiedenen Verlagsunternehmen fortführten. Georg Ernst Reimer erhielt das Reimersche Hauptgeschäft, das 1897 von Walter de Gruyter übernommen wurde. Dietrich Arnold Reimer erhielt die Atlanten, Landkarten, Geographie- und Kunsttitel aus dem väterlichen Unternehmen und gründete damit 1845 den jetzt von mir übernommenen Dietrich Reimer Verlag. Insofern schließt sich damit auch historisch gesehen ein Kreis.
Wird sich programmatisch in den Verlagen etwas ändern?
Revolutionäre Änderungen wird es nicht geben. Das wäre bei so traditionsreichen und renommierten Häusern auch keine gute Idee. Ich stelle mir schon vor, die Programme in die eine oder andere Richtung hin zu stärken, etwa auf dem Gebiet der europäischen Ethnologie. Ich könnte mir auch vorstellen, unterhalb der reinen Wissenschaft zusätzlich eine etwas populärere Produktlinie einzurichten. Das wird aber auf keinen Fall im Widerspruch zum wissenschaftlichen Anspruch des Programms stehen. Grundsätzlich strebe ich eine Stärkung und Erweiterung des Programms an.
Wird es in diesem Zusammenhang weitere Personalveränderungen geben?
Frau Behrens bleibt weiterhin die Verlagsleiterin und kompetente Ansprechpartnerin des Dietrich Reimer Verlages. Was den Gebr. Mann Verlag betrifft, wird sich Frau Roosens zunehmend, ab dem zweiten Quartal ganz, dem Deutschen Kunstverlag widmen. Ihre Aufgaben übernehme ich selbst bzw. stellvertretend Frau Behrens.