Home > Veranstaltungen > Klappern und Klagen: Podiumsdiskussion über die Lage der Branche in Berlin

Klappern und Klagen: Podiumsdiskussion über die Lage der Branche in Berlin

Werden die großen Filialisten die kleinen Sortimente langfristig verdrängen? Wie lässt sich dieser Trend stoppen? Gibt es überhaupt ein Publikum, das nach Inhalten schaut? Braucht die Branche neue Vertriebskonzepte? Das sind nur einige der Fragen, die gestern Abend in einer Podiumsdiskussion, zu der der Verbrecher Verlag in den Festsaal Kreuzberg geladen hatte, fünf Branchenkenner beschäftigten: Friederike Schönherr (Ullstein), Kookbook Verlegerin Daniela Seel, Detlef Bluhm, Geschäftsführer des Landesverbands Berlin-Brandenburg des Börsen-vereins, Tropen Verleger Michael Zöllner und Bodo von Hodenberg (Agentur für bildschöne Bücher).

„Liest Berlin überhaupt noch?“ fragte Moderator und Verbrecher-Verleger Jörg Sundermeier angesichts der Klagen über das Buchhandelssterben. Detlef Bluhm wollte diesen Satz gleich mit einem Ausrufungszeichen versehen. Immerhin sei Berlin die lesefreudigste Stadt und inzwischen – nach München – zweitgrößte Verlagsstadt. Er schob den „Schwarzen Peter“ dem Feuilleton zu, das dem Buch immer weniger Platz einräume.

„Statt zu klagen, sollten wir überlegen wie wir den Buchhandel stützen können,“ so Michael Zöllner. Verlage könnten zum Beispiel selbst einen Nachfragedruck schaffen. Begehrlich-keiten wecken, das ist auch das Zauberwort für Bodo von Hodenberg, der mit seiner Agentur neue Vermarktungskonzepte entwirft. Verlage sollten sich für ungewöhnliche Verkaufsstrate-gien öffnen, damit ließen sich neue Zielgruppen erschließen. „Der Buchhandel muss die Basis für den Verkauf von Büchern bleiben“ konterte Bluhm. Allerdings seien tatsächlich viele Buchhandlungen nicht kreativ genug. Es gelte neue Formate zu finden, ungewöhnliche Allianzen zu schaffen, etwa mit Arztpraxen und Theatern.
In einem war sich das Podium einig: Potenzial gibt es noch bei der jungen Zielgruppe – von den Jüngsten bis zu den jungen Erwachsenen. Man muss deren Enthusiasmus nur richtig nutzen.

Das Fazit des Abends brachte nach zwei Stunden Jörg Sundermeier auf den Punkt: „Es ist noch alles in Ordnung, es muss alles anders werden.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert