Erika Fuchs, die legendäre und lange Zeit einzige Übersetzerin der Disney-Comics, ist am Freitag im Alter von 98-jährig in München gestorben.
1906 im hinterpommerschen Rostock als Erika Petri geboren, wuchs sie im nahe gelegenen Belgard an der Persante (heute in Polen) auf. Sie war 1920 das erste Mädchen am höheren Knabengymnasium, maturierte und studierte Kunstgeschichte in Lausanne, München und London (Promotion summa cum laude). 1932 heiratete sie den Unternehmer und Erfinder Günter Fuchs – später Ratgeber in vielen Daniel Düsentrieb’schen Details – und zog zu ihm nach Schwarzenbach in Franken.
Im Dritten Reich überwinterte sie in der Provinz, zog zwei Söhne groß und war froh über die ersten britischen Soldaten, die ihren Ort erreichten. Zu ihrer Übersetzertätigkeit kam sie eher zufällig, blieb aber ab dem ersten Heft der Micky Maus im September 1951 fix dabei („wenn schon, dann soll das ordentlich gemacht werden“, hatte ihr Mann geraten) und übersetzte bis in die Siebziger praktisch alles, was Disney auf Deutsch herausbrachte.
Erika Fuchs‘ Leistung geht weit über die bekannten Sprachmalereien à la Ächz! und Grübel! hinaus. Sie bestand vor allem darin, den durchschnittlich umgangssprachlichen Jargon des Originals in einen sozial und stilistisch differenzierten, im Zweifelsfall auch witzigeren Kosmos zu übertragen, dabei auf einen liberalen, antimilitärischen und nicht autoritären Grundton zu achten – und Amerikanismen wie Halloween oder den Thanksgiving-Truthahn einzudeutschen.