Home > Buchmessen > Am Samstag ging die Internationale Kinderbuchmesse in Bologna zu Ende – Zufriedenheit bei den deutschsprachigen Ausstellern

Am Samstag ging die Internationale Kinderbuchmesse in Bologna zu Ende – Zufriedenheit bei den deutschsprachigen Ausstellern

Eine ruhige Messe, so die einhellige Meinung der deutschsprachigen Aussteller in Halle 30 der Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna. Keine Sensationen, kaum Gerüchte, dafür aber ein lebhafter Lizenzhandel – das Ausland entdeckt die deutschsprachigen Verlage, die fast alle den Anteil der Eigenproduktionen in ihren Programmen erhöht haben und damit auch mehr anzubieten hatten.

„Man könnte es den Funke-Effekt nennen“, erklärt Ulrich Störiko-Blume, Verlagsleiter Beltz & Gelberg. Seit die Dressler-Autorin in den USA große Verkaufserfolge feiert, schauen Einkäufer genauer hin, was sich auf dem deutschen Markt noch alles entdecken lässt. Am häufigsten wurde bei Beltz Interesse an dem kleinen quadratischen Bilderbuch „Ich“ von Philip Waechter bekundet. Und für den Herbst setzt man drei Schwerpunkte: Klaus Kordons fast 600 Seiten starken historischen Roman „Julians Bruder“, Nikolaus Heidelbachs Andersen-Ausgabe (2005 ist Andersen-Jahr, ein Thema, auf das mehrere Verlage einsteigen) und Janosch – nach langer Zeit erscheint wieder ein neues Buch von ihm. „Onkel Puschkin – guter Bär“ wurde von Hans-Jochen Gelberg lektoriert. Dank eines Vertrags mit der Janosch Medien AG werden ab Mitte des Jahres auch die Diogenes-Titel von Janosch sukzessive bei Beltz neu erscheinen.

Viele klagen jedoch über das Bilderbuch: MA-Anbieter machen es Verlagen mit hochpreisigen Titeln schwerer, ihre Produkte durchzusetzen. Der Trend läuft weiter in Richtung Geschenkbuch. „Ich“ von Beltz ist so ein Beispiel, aber auch der Loewe-Titel „Weil ich dich lieb hab“, der inzwischen 30.000 mal verkauft worden sei, so Jeanette Hammerschmidt, Leitung Presse und Lizenzen beim Loewe Verlag. Oder der „Überraschungserfolg“ bei Sauerländer: In „Alberta geht die Liebe suchen“ witterten die Außendienstler bereits einen Nachfolger für den Bestseller „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab“, erzählt Programmleiterin Daniela Filthaut. Die Möglichkeit der Mehrfachplatzierung – zum Beispiel als Mini-Ausgabe auch im Eingangsbereich, neben der Kasse oder auf dem Geschenkbuchtisch – erweitert die Zielgruppe. Dabei würden Mini-Ausgaben anders verkauft und deshalb der normalen Ausgabe nicht weh tun.

Auch Jürgen Ehgartner, Geschäftsführer Esslinger, setzt auf weitere Verwertungsstufen. Gestärkt werden soll die Reprint-Marke Hahn’s. Von der „Häschenschule“ werden nach wie vor Jahr für Jahr zwischen 40.000 und 60.000 Exemplare in unterschiedlichen Ausgaben verkauft.

Fritz Panzer, Geschäftsführer Ueberreuter Verlag, freut sich über einen Zuwachs im Lizenzgeschäft von etwa 30 Prozent. Im Bilderbuch wurde vor allem der frühere Ellermann-Titel „Meine Füße sind der Rollstuhl“, jetzt bei Annette Betz, in fünf Länder verkauft, mit weiteren Optionen.

Edmund Jacoby, Verlagsleiter Gerstenberg, hat vor allem die Wimmelbücher der Illustratorin Rotraut Susanne Berner gut verkauft. Die für Deutschland nominierte Berner verpasste im übrigen die Andersen Medaille, ebenso wie die Autorin Kirsten Boie – gewonnen haben die begehrte Auszeichnung der irische Autor Martin Waddell (lieferbar auf Deutsch u.a. bei Sauerländer, Loewe, Betz) und der niederländische Illustrator Max Velthuijs (lieferbar auf Deutsch u.a. bei Sauerländer und Nord-Süd).

Neben dem Bilderbuch beschäftigt viele Verleger das Thema Backlist – die Anteile im Verhältnis zum Abverkauf der Neuerscheinungen nehmen weiter ab. Gegenrezepte? „Die Neuheitenschwemme weiter eindämmen“, so Renate Herre, Programmgeschäftsführerin des Ravensburger Buchverlags. „Wer als Neuheit keinen Erfolg gehabt hat, kann auch nicht Backlist werden.“

Thienemann-Verleger Klaus Willberg setzt auf neue, zeitgemäße Ausstattungen von Klassikern. Ein Beispiel: Die im Herbst erscheinende neu illustrierte Ausgabe des Michael Ende-Bilderbuchs „Filemon Faltenreich“, stark nachgefragt bei den Lizenzpartnern, soll dem Klassiker neuen Schwung beim Abverkauf geben. Außerdem plant der Verlag Sonderausgaben von Klassiker-Bilderbüchern im kleineren Format zu einem Preis von unter zehn Euro.

Das Thema Backlist wird im Mai auch die Teilnehmer des Praxisseminars der Arbeitsgemeinschaft von Jugenbuchverlagen (avj) beschäftigen [mehr…] – in der Hoffnung auf neue Ansätze, die letztlich nur im Austausch mit dem Handel erarbeitet werden können.

Schließlich ist auch das Thema Rechtschreibreform noch immer nicht vom Tisch – derzeit wird an einer Resolution getüftelt, die die Position der Jugendbuchverlage in dieser Frage noch einmal bekräftigen soll.

Bleibt der Punkt Verlagszukäufe/verkäufe. Die Zukunft von Pestalozzi und Boje scheint entschieden, Egmont habe an VEMAG verkauft, war zu hören, von offizieller Seite fehlt noch die Bestätigung. Wie es mit dem Nord-Süd Verlag weitergehen wird, ist hingegen noch ungeklärt, mit einer Entscheidung ist in den kommenden Wochen zu rechnen.

Insgesamt ziehen die Organisatoren der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna eine positive Bilanz: 2004 kamen an den ersten beiden Messetagen bis zu 20 Prozent mehr internationale Fachbesucher als im Vorjahr, in dem der Irakkrieg und die SARS-Epidemie für einen Besucherrückgang gesorgt hatten. Mit 1.100 Ausstellern aus rund 70 Ländern, die in sieben Hallen auf insgesamt 17.000 Quadratmetern ihre Produkte ausstellten, war die wichtigste internationale Veranstaltung des Kinder- und Jugendbuchs genauso groß wie im Vorjahr. Auffällig nur, dass etwas weniger Illustratoren als in den Vorjahren unterwegs waren, um mit ihren Mappen geduldig an den Ständen anzustehen, auf der Suche nach konstruktiver Kritik und Aufträgen.

Im nächsten Jahr wird die Bologna Kinderbuchmesse vom 13. bis 16. April stattfinden. Und vermutlich wird es wieder regnen.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige