Was wäre die Leipziger Buchmesse ohne ihr Rahmenprogramm „Leipzig liest“? Vor 13 Jahren vom CLUB Bertelsmann initiiert, hat das größte Literaturfest der Welt für Autoren und Verlage bis heute nichts an Attraktivität verloren. In bewährter Teamarbeit wird es von der Leipziger Messe mit der Stadt Leipzig, dem Börsenverein, dem Mitteldeutschen Rundfunk, dem CLUB Bertelsmann und den an der Messe beteiligten Verlagen veranstaltet. Neuer Partner ab 2004 ist das Kuratorium Haus des Buches e.V. Auch das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ konnte in diesem Jahr für die Unterstützung gewonnen werden.
Unterhaltsames und Anspruchsvolles
Mit rund 1.200 Veranstaltungen und über 1.000 Mitwirkenden knüpft die Veranstaltungsreihe an den Erfolg der letzten Jahre an. „In diesem Jahr besticht das Programm sowohl durch seine gewachsene Breite als auch durch seine hohe literarische Qualität. Neben bekannten Schriftstellern wie Christa Wolf, Christoph Hein, Rolf Hochhuth, Günter Kunert, Christoph Ransmayr, Peter Bichsel, Adolf Muschg, Robert Gernhardt und dem aktuellen Pulitzer-Preisträger Jeffrey Eugenides stellen zahlreiche Schauspieler, Sänger und Politiker auf der Messe ihre Bücher vor “, sagt Birgit Peter, die neue Sprecherin der Arbeitsgruppe „Leipzig liest“. So zeigen unter anderem Armin Mueller-Stahl, Manfred Krug, Ulrich Mühe, Otto Sander, Hermann van Veen, Angela Merkel und Helmut Kohl in ihren Veranstaltungen dem Publikum eine andere Seite ihres Könnens.
„Leipzig liest“ mit eigener Hörbuch-Abendreihe
Hörbucher liegen im Trend: Seitdem die Leipziger Buchmesse vor vier Jahren den Themenschwerpunkt „Hörbuch“ neu eingeführt hat, sind die Ausstellerzahlen stetig gewachsen. Mittlerweile ist die Leipziger Buchmesse mit über 100 Ausstellern der wichtigste Branchen-Treffpunkt für die nationalen Hörbuchverlage.
Erstmalig bereichert eine eigene Hörbuch-Abendreihe – mit ausgewählten Spielstätten in der Innenstadt – das Lesefest. Unterstützt wird diese Reihe unter anderem vom Mitteldeutschen Rundfunk. So geben an allen vier Messeabenden bei den „Focus-Hörbuchnächten im Spizz“ Prominente Kostproben ihres Mitwirkens an anspruchsvollen und unterhaltsamen Produktionen. Zu den Lesenden zählen die Schauspieler Jan Josef Liefers und Ulrich Pleitgen, der Allrounder Helge Schneider und Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert.
Die Reihe „jüdische Lebenswelten“ gewinnt an Profil
Die schon zur Tradition gewordene Veranstaltungs-Reihe „jüdische Lebenswelten“ – organisiert vom CLUB Bertelsmann – gewinnt weiter an Profil. Glanzvoller Auftakt der Reihe ist die feierliche Eröffnung in der Leipziger Synagoge durch den Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Salomon Korn.
Lesungen im Gasometer, in der Sauna und im Zoo
Das Einmalige an „Leipzig liest“ sind die besonderen Leseorte. 120 verschiedene Partner sind in den vier Märztagen in das Lesefest einbezogen. Seit fünf Jahren hat die Lyrik im Gohliser Schlösschen ihr Stammquartier; Krimifreunde werden traditionell an zwei Abenden das Landgericht aufsuchen; Abenteuerlustige können im Gasometer bei einer Buchvorstellung über Tibet von fremden Welten träumen; in der maurischen Sauna gehen die Besucher auf andalusische Entdeckungsreise und Zoofreunde können sich in der Tiger-Taiga auf einen Katzenkrimi freuen.
Autorenspecial 2004 „Vom alten und vom neuen Europa“
Die Leipziger Buchmesse ist für ausländische Autoren traditionell der Ort, an dem sie Kontakt zu ihren deutschen Lesern suchen und finden. Unter den internationalen Schriftstellern sind unter anderem Eric-Emmanuel Schmitt, Michael Frayn, Eoin Colfer, Viktor Jerofejew und Swetlana Alexijewitsch.
Das „Autorenspecial 2004“ widmet sich unter dem Titel „Vom alten und vom neuen Europa“ dem Verhältnis der neuen und der alten EU-Länder zu Amerika. Sechs Autoren, darunter Lavinia Greenlaw aus Großbritannien, Jachym Topol aus Tschechien und Andrzej Stasiuk, schildern in Essays und Gesprächen ihre Sicht auf die diffizile Situation. Mit der Festrede zur diesjährigen Leipziger Buchmesse stimmt der neue Präsident des internationalen PEN-Clubs, Jiří Gruša, während der Messeeröffnung auf diesen Programmteil ein.
Finnland, Griechenland, Kroatien Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern Estland und der DAAD haben sich in diesem Jahr zusammengeschlossen, um am 25., 26. und 27. März im Café Europa über das Thema „Kleine Sprachen – große Literaturen“ zu diskutieren.
Zehn schwedische Autoren werden ihre Neuerscheinungen präsentieren, darunter so bekannte Literaten wie Agneta Plejel, Arne Dahl, Åke Edwardson und Tomas Tranströmer. Sie werden begleitet von ihren Verlegern, die ebenfalls bei Lesungen und Gesprächen am Stand des Schwedischen Instituts/der Schwedischen Botschaft Berlin mitwirken.
„Sind wir reif für eine europäische Erinnerungskultur?“ ist die Frage, die sich in diesem Jahr das Leipziger Europaforum mit seinen Gästen stellt. Am 27. März diskutieren unter anderem Prof. Dr. Witold Kulesza, Direktor der Hauptkommission zur Verfolgung der Verbrechen gegen die polnische Nation, Prof. Etienne Francois, Frankreich-Zentrum der TU Berlin, und Prof. Arnulf Baring zu diesem Thema.
Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
Bereits zum elften Mal vergeben der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf der Leipziger Buchmesse den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Die Auszeichnung würdigt alljährlich besondere Verdienste um die Verständigung zwischen den europäischen Völkern.
In diesem Jahr geht der Preis an den bosnischen Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Dramatiker und Essayisten Dževad Karahasan. Den Anerkennungspreis erhält der ungarische Verleger und Übersetzer Gábor Csordás. Die Preisverleihung findet am Messe-Sonntag, dem 28. März 2004, im Festsaal des Alten Rathauses statt.
Debütanten in Leipzig
Leipzig ist traditionell ein Ort, an dem junge Autoren und Debütanten Kontakte zu Lesern und Verlagen knüpfen können. Partner dieser Lesungen sind neben den auf der Messe ausstellenden Verlagen erneut das Literarische Colloquium Berlin, das Deutsche Literaturinstitut Leipzig und die Universitätsbibliothek Albertina.
bücher.macher-Podium regt zur Diskussion an
Unter dem Titel “Bücher vor Gericht – Was darf Literatur?“ streitet am ersten Messetag “Druckfrisch!“-Moderator Denis Scheck mit prominenten Akteuren und kritischen Beobachtern des Literaturbetriebs über das heikle Verhältnis von Wirklichkeit und Literatur. Gäste des diesjährigen bücher.macher-Podiums sind ZEIT-Literaturchef Ulrich Greiner, der Satire-Zeichner Gerhard Haderer, Kiepenheuer & Witsch-Verleger Helge Malchow, die Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Elke Monssen-Engberding sowie der Schriftsteller Georg M. Oswald.