Home > News > Gerhard Beckmanns Meinung – Der deutsche Sprachraum braucht einen Literaturpreis, der das Publikum zum Lesen bewegt

Gerhard Beckmanns Meinung – Der deutsche Sprachraum braucht einen Literaturpreis, der das Publikum zum Lesen bewegt

Mit „Lesen!“ hat Elke Heidenreich im vergangenen Jahr gezeigt, welche grosse Wirkung eine Büchersendung im Fernsehen haben kann.

Was ich den Autoren, Buchhändlern und Verlagen für das neue Jahr wünschen möchte: dass wenigstens für einen Literaturpreis unseres Sprachraums endlich ein Konzept mit mediengerechter Inszenierung entwickelt wird, damit wir auch so etwas wie den Goncourt oder den Premio Strega bekommen.

Was es bringen könnte, zeigt ein Blick auf die eben veröffentlichte britische Taschenbuch-Erfolgsstatistik des vergangenen Jahres.

Dank des Booker Award 2002 konnte der kleine schottische Verlag Canongate von dem Roman „The Life of Pi“ des zuvor unbekannten Autors Yann Martell über 797.000 Exemplare absetzen.

Und der Erstlingsroman „Vernon God Little“ von D.B.C. Pierre, der den Preis im Oktober für das Jahr 2003 gewann, brachte es binnen zweieinhalb Monaten (!) auf mehr als 197.000 Exemplare.

Der Booker Award – inzwischen auf „Man Booker Award“ umgetauft – ist auch hier zu Lande bekannt, der (ältere) Whitbread Award dagegen kaum. Doch auch er löst beachtliche positive Leser-Reaktionen aus.

Im Falle der Samuel Pepys-Biographie von Claire Tomalin führte er zu 210.00, bei Michael Michael Frayns Roman „Spies“ zu 243. 000 verkauften Exemplaren.

Philip Pullman, mit dessen Abschlussband der Trilogie „The Amber Spying Glass“ die Whitbread-Juroren 2002 erstmals einen Titel der Kinder- und Jugendbuchliteratur zu ihrem „Buch des Jahres“ wählten, verschaffte er höhere Bestseller-Plätze.

In den 1990ern trug der Whitbread Award entscheidend dazu bei, dass mit Seamus Heaney und Ted Hughes sogar zwei Lyriker auf Platz 1 der Hardcover-Bestsellerlisten für Belletristik gelangten.

Warum wollen beispielsweise die für den Deutschen Bücherpreis und die „Corine“ Verantwortlichen sich eigentlich nicht endlich der Mühe unterziehen, von solch erfolgreichen Beispielen des Auslands zu lernen, wie man’s richtig macht?

Nicht nur Autoren, Buchhändler und Verleger – auch die Leser würden es ihnen danken. Im übrigen würde es mit ziemlicher Sicherheit der Übersetzung und Verbreitung deutscher Literatur in anderen Ländern und Sprachen dienlich sein.

P.S. Yann Martells Roman ist deutsch unter dem Titel „Schiffbruch mit Tiger“ bei S.Fischer erschienen. (Demnächst als Fischer-Taschenbuch.)
D.B.C. Pierres Roman „Jesus in Texas“ kommt im Februar bei Aufbau heraus.
Im Februar publiziert Hanser Michael Frayns Roman „ Das Spionagespiel“. Philip Pullmans deutscher Verlag ist Carlsen (mit Taschenbuchausgaben u.a. bei Heyne und Beltz & Gelberg).
In deutscher Übersetzung sind Werke von Seamus Heaney bei Klett-Cotta, Hanser und dtv lieferbar; von Ted Hughes.bei Klett-Cotta, der Frankfurter Verlagsanstalt, Insel, Suhrkamp sowie (als Taschenbuch) bei Insel und Piper.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige