Die kulturelle Leistung, die kleinere Verlage im Entdecken und Aufbauen neuer Autoren vollbringen, wird immer wieder anerkennend betont. So hat beispielsweise Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung eben erst auf Zoazig Aarons „Klares Nein“ hingewiesen, zu dessen Publikation der Suhrkamp Verlag sich nicht entschließen konnte und der nun bei der Friedenauer Presse erschienen ist: ein großer Roman, der den Holocaust aus neuartiger Sicht verarbeitet.
Der Erfolg, den – dank Elke Heidenreich und ihrer Fernsehsendung „Lesen!“ – jüngst der neue Zürcher Dörlemann Verlag mit Iwan Bunins „Ein unbekannter Freund“ geschafft hat, bringt eine gewöhnlich übersehene, zweite Bedeutung solcher Häuser in Erinnerung: die Veröffentlichung von Werken „klassischer“ moderner Dichter und Schriftsteller, die von den Großen nicht mehr wahrgenommen werden, weil nicht kanonisiert, und deshalb als unternehmerisch zu riskant oder als passé gelten.
Iwan Bunin war u.a. Autor des S. Fischer-Verlages, der eine Neuauflage vergriffener Titel scheute – Sabine Dörlemann wagte es mit einer bislang noch nicht ins Deutsche übersetzten Erzählung (und hat die Rechte an zwei weiteren Bunin-Titeln erworben).
Wer hat den Portugiesen Fernando Pessoa und Ossip Mandelstam – zwei der bedeutsamsten Lyriker des 20. Jahrhunderts, die einst in Frankfurter Häusern erschienen – seit den 1980er Jahren mit dem Wagnis von Werkausgaben nachhaltig verlegt? Ammann.
Wer hat die Lyrik des beispiellosen englischen Madrigaldichters (und –komponisten) der Elisabethanischen Zeit erstmalig deutschen Lesern (in einer zweisprachigen Ausgabe) zugänglich gemacht? Der Verlag Karl Stutz.
Wer hat sich endlich, mit einer elfbändigen Werkausgabe, dezidiert des wunderbaren böhmisch-jüdischen Autors Soma Morgenstern angenommen? Zu Klampen.
Das sind nur einige wenige Beispiele.
Es sollen damit nicht grosse Häuser kritisiert werden. Hier geht es nur darum, auf ein gemeinhin vergessenes, aber hoch verdienstvolles Engagement kleinerer Verlage aufmerksam zu machen. Sie sind keineswegs „exotische Blüten“ unserer Verlagslandschaft, sondern bilden insgesamt vielmehr ihren Humus. Dem sind wir zu besonderem Dank verpflichtet.
Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.