
Kann Klaus G. Saur seine viele Doktorhüte, Ehrenprofessuren und sonstige Auszeicnungen noch zählen? Wir haben aufgegeben, darüber Buch zu führen – freuen uns aber mit ihm dafür um so mehr für die neueste Auszeichnung, die ihm die DIE FREUNDE DER STAATSBIBLIOTHEK ZU BERLIN E.V. morgen in einer Festveranstaltung in Berlin überreichen. Er erhält dann den Max-Herrmann-Preis 2003, der in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben wird.
In der Begründung heißt es: „Mit ihm wird eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die sich um die Entwicklung und das Ansehen dieser Bibliothek oder um das Bibliothekswesen besondere Verdienste erworben hat. Der Tag der Verleihung erinnert an die Bücherverbrennung unweit der Preußischen Staatsbibliothek auf dem Opernplatz, die in diesem Jahr 70 Jahre zurückliegt.“
Namensgeber des Preises ist der deutsche Literatur- und Theaterwissenschaftler Max Herrmann (1865 – 1942). 1923 setzte er das Theaterwissenschaftliche Institut an der Berliner Universität durch. Er war Herausgeber sechs wissenschaftlicher Zeitschriften, der erste Vorsitzende der Gesellschaft für Theatergeschichte und zwanzig Jahre lang Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Literatur. Er gründete die Bibliothek deutscher Privat- und Manuskriptdrucke, eine einmalige Sammlung seltener Schriften, die nach vierzig Jahren Sammeltätigkeit 1938 Eigentum der Staatsbibliothek wurde.
Max Herrmann wurde 1942 mit seiner Frau Helene nach Theresienstadt deportiert, wo er im November desselben Jahres ermordet wurde. Seine Frau kam in Auschwitz um.
Als Preis wird der Nachdruck eines wertvollen Buches aus dem Bestand der Staatsbibliothek vergeben. Es wurde die Psalmenübersetzung Moses Mendelssohns ausgewählt, die kurz vor dessen Tod bei Friedrich Maurer in Berlin erschien.
Jury des Max-Herrmann-Preises 2003: Antonius Jammers, ehemaliger Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin, Steffen Wawra, Direktor der Akademiebibliothek der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Karin von Welck, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder.
Der Preisträger Professor Dr. h.c. mult. Klaus Gerhard Saur ist seit Jahrzehnten erfolgreicher Verleger von zahlreichen großen Verzeichnissen und Nachschlagewerken, insbesondere von bibliotheksnahen Publikationen und enger Partner von Bibliothekaren und Wissenschaftlern. Er hat mit seinen herkömmlichen und digitalen Verlagsprodukten die Informationsbestände der Bibliotheken erheblich bereichert und wichtiges Quellenmaterial allgemein zugänglich gemacht.
Die Staatsbibliothek zu Berlin sowie die Zentral- und Landesbibliothek verdanken ihm viel; beim Institut für Bibliothekswissenschaft der Humboldt-Universität hat er sich als Honorarprofessor lehrend, aber auch als Stifter der K. G. Saur-Bibliothek große Verdienste erworben.
Hervorzuheben ist im Zusammenhang mit dem Datum dieser Preisverleihung und mit dem Namensgeber des Preises das ungewöhnliche Engagement des Preisträgers für seine Verlagspublikationen zum Nationalsozialismus und zum Widerstand, zur Emigration und zum Exil sowie zum Judentum.
Oft hat er den Druck wichtiger Werke persönlich und finanzierend erst ermöglicht.
Zur festlichen Preisverleihung in der Staatsbibliothek, Haus Unter den Linden – Lessing-Saal – am 10. Mai 2003 um 18.00 Uhr sind Sie herzlich eingeladen.