Joanne K. Rowling, die Autorin der „Harry Potter“-Romane, und der Medienkonzern AOL Time Warner klagen gegen den niederländischen Verlag Byblos, der im April 2003 das russische Jugendbuch „Tanja Grotter und der magische Kontrabass“ herausbringen will
Am 25. März 2003 wird der Fall vor einem Gericht in Amsterdam verhandelt. Die Anwälte von J.K. Rowling und AOL Time Warner wollen mittels einer Einstweiligen Verfügung die Veröffentlichung der Übersetzung verhindern, die angeblich eine unzulässige Bearbeitung des Romans „Harry Potter und der Stein der Weisen“ darstellt.
Zuvor hatten die Anwälte den russischen Originalverlag mit einer Klage bedroht; ein Ultimatum, die ausgelieferten Bücher aus dem Handel zu holen, war im Dezember 2002 verstrichen. Dennoch ist bis heute in Russland keine Klage eingereicht worden. Nun wird die Sache in den Niederlanden vor Gericht gebracht, wo die erste westeuropäische Auslandsausgabe des russischen Jugendbuch-Bestsellers erscheinen soll.
Dmitri Jemetz, der 28-jährige Autor des umstrittenen Buches und zweier weiterer Bände aus der „Tanja Grotter“-Serie, versteht seine Romane als Parodie auf den englischen Jugendbuchhelden Harry Potter und als kulturelle Antwort auf den weltweiten Hype um diesen Megabestseller.
Die Geschichten und Abenteuer rund um Tanja Grotter sind von griechischer und asiatischer Mythologie, und besonders von der russischen Folklore inspiriert. Tanjas Mission ist es, das Chaos in der Welt zu bekämpfen; dabei helfen ihr der magische Kontrabass, das Muttermal auf ihrer Nase und ihre Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen.
Der niederländische Verleger Boudewijn Richel zu dem bevorstehenden Prozess: „Tanja Grotter nimmt Harry Potter nichts weg, sondern ist seine parodistische Schwester; Joanne K. Rowling selbst geht außerordentlich ironisch und kreativ mit der literarischen Tradition um.“