Eben läuft die diesjährige Bilanzzpressekonferenz des Axel Springer Verlages. In der wird auch die Trennung von der Buchsparte gestreift, die hohe Verluste gebracht habe – rund 48 Mio. Euro sollen das gewesen sein.
Dabei sollte aber nach unserer Überzeugung berücksichtigt werden, dass diese exorbitante Summe durch eine einmalige Abschreibung zustande kommt, die in der Hauptsache auf einer Neubewertung von Rechten aus den Jahren 1999 bis 2001 (!) beruht. Die tatsächliche Situation bei der Ullstein Heyne List Gruppe erscheint so stark verzerrt: Nachdem zum 30.6. 2002 noch ein operatives Ergebnis von minus sechs Millionen Euro bilanziert worden war und der Herbst für die Gruppe einen fulminanten Verlauf nahm (mit Topsellern wie Jörg Friedrich, Pease/Pease, Dieter Bohlen und Peter Scholl-Latour, um nur ein paar zu nennen), ist die Gruppe nach unserer Kenntnis operativ knapp an der „Null“ vorbeigeschrammt und hat sich damit entgegen dem allgemeinen Branchentrend positiv entwickelt. UHL-Chef Christian Strasser nach dem Verkauf mit Bedauern: „Ein Jahr später hätte sich die Sicht auf uns dramatisch verändert gehabt“.
Dazu hier die offizielle Presseinfo im O-Ton :
Konzern-Jahresüberschuss von EUR 61 Mio. / EBITA auf EUR 110 Mio. verdreifacht / Ergebnisverbesserungen in allen Kerngeschäftsbereichen / Gesamtaufwendungen um EUR 160 Mio. gesenkt / Portfoliobereinigung auch in 2003 fortgesetzt
Im Geschäftsjahr 2002 hat der Verlag Axel Springer sein wichtigstes wirtschaftliches Ziel erreicht: Trotz anhaltend schlechter Wirtschafts- und Marktlage gelang es, das EBITA im Konzern von EUR 33 Mio. auf EUR 110 Mio. zu steigern. Dieser Wert ist um Sondereffekte bereinigt. Das operative Ergebnis erhöhte sich von EUR 14 Mio. auf EUR 63 Mio. Diese deutliche Ergebnisverbesserung bei gleichzeitigem Umsatzrückgang um EUR 87 Mio. auf EUR 2 777 Mio. (Vorjahr: EUR 2 864 Mio.) wurde im Wesentlichen durch ein frühzeitig eingeleitetes Restrukturierungsprogramm erreicht.
Dividende von EUR 0,65 je Aktie
Nach dem Jahresfehlbetrag von EUR 198 Mio. im Vorjahr erwirtschaftete Axel Springer 2002 wieder einen Konzern-Jahresüberschuss in Höhe von EUR 61 Mio. Der Gewinn je Aktie nach DVFA/SG belief sich bei 34 000 000 Stückaktien auf EUR 0,76. Vorstand und Aufsichtsrat haben vorgeschlagen, EUR 0,65 je Stückaktie als Dividende an die Aktionäre auszuschütten.
Der Cashflow betrug EUR 234 Mio. und lag aufgrund des positiven Geschäftsverlaufs deutlich über dem Vorjahreswert von EUR 46 Mio. Mit einer Nettofinanzverschuldung von EUR 15 Mio., nach EUR 135 Mio. im Vorjahr, ist Axel Springer nahezu schuldenfrei.
„Gute Nachrichten in schlechten Zeiten. Wir haben die Marktentwicklung frühzeitig erkannt und konsequent reagiert. Deshalb ist uns mitten in der schwersten Krise der Medienbranche seit dem 2. Weltkrieg der Turn-Around gelungen: Wir konnten das EBITA verdreifachen, wir konnten einen auch nach Steuern und ohne Sondereffekte positiven Jahresüberschuss erwirtschaften und wir konnten die Nettofinanzverschuldung praktisch komplett abbauen. All das zeigt, dass der Konzern eine starke wirtschaftliche Substanz und außerordentliche Kraft zum Wandel hat“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Mathias Döpfner während der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin.
Döpfner: Branchenkonjunktur bleibt auch in 2003 schwierig
Für das Geschäftsjahr 2003 erwartet der Vorstand keine maßgebliche Verbesserung der Gesamt- und Branchenkonjunktur. Neben voraussichtlich stagnierenden Werbeaufwendungen und einem rückläufigen privaten Konsum werden politische Unsicherheiten die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich belasten. Der Vorstand geht dennoch davon aus, auch in 2003 ein positives Ergebnis zu erwirtschaften – soweit sich die gesamtwirtschaftliche Lage nicht weiter gravierend verschlechtert.
„Unser Ziel ist es, die operative Rendite weiter zu verbessern. Deshalb werden wir das Restrukturierungsprogramm auch in 2003 fortsetzen“, stellte Dr. Döpfner fest. „2003 wird ein weiteres Jahr der Konsolidierung. Gleichzeitig wird Axel Springer in neue Objekte im In- und Ausland investieren und die Entwicklungspotenziale seiner Marken konsequent nutzen.“
Vertriebserlöse auf Vorjahresniveau – Rückgang bei Anzeigenumsätzen
Im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld konzentrierte sich Axel Springer im Geschäftsjahr 2002 auf seine Kernkompetenzen Zeitungen, Zeitschriften sowie digitale Vertriebswege und verfolgte konsequent seine strategischen Ziele: Festigung der Marktstellungen und Ausbau der Marktführerschaft bestehender Objekte im deutschsprachigen Kerngeschäft, Start neuer Projekte im In- und Ausland sowie Intensivierung der Digitalisierung des Kerngeschäfts.
Die Vertriebserlöse konnten im Geschäftsjahr 2002 mit EUR 1 125 Mio. (– 0,2 %) auf stabilem Niveau gehalten werden. Ihr Anteil am Gesamtumsatz stieg auf 40,5 %. Während die Zeitschriften ihre Vertriebsumsätze steigerten, mussten die Zeitungen Rückgänge hinnehmen. Die Anzeigenumsätze beliefen sich auf EUR 1 017 Mio. und lagen damit um EUR 96 Mio. (– 8,6 %) unter dem Vorjahreswert. Von der Anzeigenrezession waren insbesondere die Zeitungen betroffen. Die Übrigen Erlöse erhöhten sich um EUR 12 Mio. (+ 1,9 %) und betrugen EUR 635 Mio.
Ergebnisverbesserungen in den Kerngeschäftsbereichen
Im abgelaufenen Geschäftsjahr gelang es dem Konzern, bei überwiegend rückläufigen Umsätzen das EBITA in den Kerngeschäftsbereichen Zeitungen, Zeitschriften und Elektronische Medien zu verbessern.
Im Segment Zeitungen, dem mit einem Umsatzanteil von 50,2 % größten Umsatzträger im Konzern, steigerte das Unternehmen das EBITA von EUR 81 Mio. im Vorjahr auf EUR 111 Mio. im Geschäftsjahr 2002. Der Umsatz belief sich in diesem Bereich auf EUR 1 393 Mio. und lag damit um EUR 90 Mio. (– 6,1 %) unter dem Vorjahreswert. Der Rückgang wurde maßgeblich durch ein Minus im Anzeigen-geschäft von EUR 82 Mio. (– 10,0 %) verursacht. Insgesamt betrugen die Anzeigenumsätze der Zeitungen EUR 736 Mio. Im Vertrieb lag der Umsatz der Zeitungen mit EUR 657 Mio. hingegen nur leicht (– 1,3 %) unter dem Vorjahr.
Bei den Zeitschriften legte das EBITA auf EUR 31 Mio. nach EUR 13 Mio. im Vorjahr zu. Der Umsatz reduzierte sich um EUR 8 Mio. auf EUR 749 Mio. Während einzelne Titel wie FUNK UHR, BILDWOCHE und BILD der FRAU entgegen dem Trend die Anzeigenerlöse steigern konnten, verminderte sich der Anzeigenumsatz im Geschäftsbereich um EUR 14 Mio. (– 4,8 %) auf EUR 281 Mio. Die Vertriebserlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 % auf EUR 468 Mio. Hierzu trugen u. a. COMPUTER BILD SPIELE, HÖRZU, FUNK UHR, POPCORN, die neu gestarteten Jugendtitel sowie die ungarischen und polnischen Objekte bei.
Bei den Elektronischen Medien reduzierte Axel Springer den EBITA-Verlust auf EUR – 16 Mio. nach EUR – 25 Mio. im Vorjahr bei einem Umsatzanstieg auf EUR 117 Mio. Ursächlich hierfür waren zusätzliche Aufträge für Telefonmehrwertdienste bei AS Interactive sowie gestiegene Umsätze bei Bild.T-Online.de. Die Umsätze aus Lohndruck, Handelswaren und Speditionen gingen konjunkturbedingt zurück.
Gesamtaufwendungen deutlich gesenkt
Die Gesamtaufwendungen wurden um EUR 160 Mio. gesenkt. Davon resultierten allein rund EUR 137 Mio. Einsparungen aus dem frühzeitig eingeleiteten Restrukturierungsprogramm, das Portfolio-bereinigungen, Personalabbau sowie sonstige zahlreiche Kostenreduzierungen umfasst.
Der Personalaufwand verringerte sich 2002 um EUR 73 Mio. (– 7,4 %) auf EUR 908 Mio. Der Anteil des Personalaufwands an der Unternehmensleistung ging um 3,0 Prozentpunkte auf 29,8 % zurück. Im Zuge des Restrukturierungsprogramms reduzierte Axel Springer die Zahl der Mitarbeiter im Konzern um 866 auf durchschnittlich 13 203 (ohne Auszubildende und Volontäre). Der im Jahr 2001 begonnene Personalabbau um 10 % bis Ende 2003 konnte damit bereits im Jahr 2002 weitgehend umgesetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen wurden vermieden.
Investitionen auf hohem Niveau
Die Investitionen betrugen im Geschäftsjahr 2002 EUR 181 Mio. (Vorjahr: EUR 234 Mio.). Die Investitionen in Immaterielle Vermögensgegenstände betrafen mit EUR 15 Mio. (Vorjahr: EUR 23 Mio.) zum Großteil Rechte und Lizenzen. In Sachanlagen investierte Axel Springer EUR 156 Mio. und damit um EUR 9 Mio. weniger als im Vorjahr. Die Investitionsschwerpunkte waren die Modernisierung der Druckereien und der Neubau Berlin. Die Investitionen in Finanzanlagen betrugen EUR 10 Mio. Sie lagen um EUR 36 Mio. unter dem Vorjahreswert von EUR 46 Mio.
Die Abschreibungen (ohne Firmenwertabschreibungen) beliefen sich auf EUR 116 Mio. Im Vorjahr betrugen die Abschreibungen EUR 158 Mio. Der Rückgang resultiert aus geringeren Abschreibungen auf Finanzanlagen.
Zeitungen: Reichweitensteigerung von BILD auf über zwölf Millionen Leser
Im Bereich Zeitungen steigerte Europas größte Tageszeitung BILD bei durchschnittlich 4,1 Millionen verkauften Exemplaren die Reichweite pro Ausgabe auf über zwölf Millionen Leser.
Darüber hinaus bewies die Marke BILD ihre unveränderte Anziehungskraft unter anderem mit dem Erfolg des Markttests von TIER BILD, einem neuen Auflagenrekord für COMPUTER BILD SPIELE und Leserzuwächsen bei VIVA-BamS, dem im August 2001 lancierten wöchentlichen Jugendmagazin in BILD am SONNTAG.
Die Zusammenlegung der Redaktionen und Verlagsbereiche der Titel DIE WELT und BERLINER MORGENPOST wurde 2002 abgeschlossen. Das HAMBURGER ABENDBLATT bewies neuerlich seine führende Position im Hamburger Zeitungsmarkt. Mit der Coupon-Beilage CENT PLUS öffnete der Verlag erfolgreich das Segment des Coupon-Marketing.
Zeitschriften: Erfolgreiche Neueinführungen
Bei den Zeitschriften lag der Fokus auf dem konsequenten Ausbau bestehender Titel und der Einführung neuer Objekte: MAXIM behauptete nach einjährigem Bestehen seine marktführende Stellung im Segment der Männer-Lifestyle-Magazine. BILD der FRAU erzielte mit einer Reichweite von rund fünf Millionen Lesern ihr bestes Ergebnis seit Bestehen. Durch einen optischen und redaktionellen Relaunch gewann HÖRZU zusätzlich an Attraktivität. AS Young Mediahouse startete das neue Jugendmagazin STARFLASH und die Lizenzausgabe des weltweit renommierten Musikmagazins ROLLING STONE. Anfang des Jahres erweiterten der Special-Interest-Titel AUTO BILD ALLES ALLRAD sowie der Monatstitel AUTO BILD TEST UND TUNING die AUTO BILD- Familie.
Elektronische Medien: Bild.T-Online.de erreicht Marktführerschaft
Im Bereich Elektronische Medien erreichte Bild.T-Online.de die Marktführerschaft unter den General-Interest-Portalen von Medienhäusern in Deutschland. Seine Multimediaaktivitäten bündelte der Konzern in der neugeschaffenen AS Interactive. In die mit dem Ring Deutscher Makler (RDM) gegründete Gesellschaft Immonet brachte Axel Springer seine Online-Immobilienaktivitäten ein.
Im Bereich Technik wurde die Modernisierung der Druckereien konsequent fortgesetzt. In der Zeitungs- und in der Tiefdruckerei Ahrensburg wurde die erste Reinvestitionsphase abgeschlossen. In den Zeitungsdruckereien in Berlin-Spandau und Essen-Kettwig begannen – nach Abschluss eines langfristigen Druckvertrages mit der Verlagsgruppe Holtzbrinck im Jahr 2001 – Ausbau und Modernisierung.
Im Vertriebsbereich begegnete der Verlag den gestiegenen Anforderungen des Marktes durch eine umfassende Neupositionierung, die eine Zusammenführung und Neuordnung der bisher stark objektbezogenen Vertriebsorganisation beinhaltet.
International: Aktivitäten in Kernmärkten ausgebaut
Das Unternehmen verfolgte 2002 die internationale Portfolio-Erweiterung mit Konzentration auf wachstumsstarke Kernmärkte. Der Auslandsumsatz stieg um EUR 9 Mio. (+ 1,9 %) auf EUR 460 Mio. Der Anteil am Konzern-Umsatz betrug 16,6 % (Vorjahr: 15,8 %).
In Frankreich übernahm Axel Springer France Anfang 2002 die Lizenzausgabe der weltweit größten Männer-Fitnesszeitschrift MEN’S HEALTH. Neu auf den Markt gebracht wurden auch die monatlichen Frauenzeitschriften BIEN DANS MA VIE! und VIE PRATIQUE.
In Polen etablierten sich das im Herbst 2001 gestartete Nachrichtenmagazin NEWSWEEK POLSKA und das Wirtschaftsmagazin PROFIT als unbestrittene Marktführer. Mit dem Kauf der Autozeitschrift AUTO MOTOR und dem Start einer weiteren TV-Programmzeitschrift stärkte Axel Springer seine marktführende Position in Ungarn. In der Tschechischen Republik wurde die Beteiligung an Axel Springer Praha auf 100 % aufgestockt. Seine rumänischen Objekte – den Jugendtitel POPCORN, das Frauenmagazin OLIVIA sowie zwei Unterhaltungszeitschriften – brachte Axel Springer in die Romanian Publishing Group (RPG) ein, an der der Verlag nunmehr 40 % hält.
Portfoliobereinigung fortgesetzt
Seit Beginn des umfassenden Restrukturierungsprogramms hat Axel Springer 17 Objekte eingestellt und 17 Aktivitäten verkauft. Vor dem Hintergrund der starken Wettbewerbsintensität und -dichte im Markt der Dekorationszeitschriften in Spanien trennte sich der Verlag 2002 von seiner Tochterfirma Grupo Axel Springer.
Wegen der hohen Konzentration im österreichischen Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt bestand keine realistische Perspektive, die Marktführerschaft zu erreichen. Aus diesem Grund veräußerte der Verlag seine Beteiligungen am Sportmagazin Verlag und an der TIROLER TAGESZEITUNG.
Die Portfoliobereinigung wurde auch zu Beginn des Jahres 2003 fortgesetzt: Nach Zusammenführung seiner Buchverlage zur Gruppe Ullstein Heyne List festigte Axel Springer im Jahr 2002 seine Marktposition im Buchgeschäft. Der Umsatz stieg gegen den Markttrend, eine Reihe von Titeln belegten Spitzenplätze auf den Bestsellerlisten. Den Erfolgen im Markt und bei der Fortführung des bereits im Vorjahr eingeleiteten operativen Restrukturierungsprogramms standen jedoch weiterhin hohe Abschreibungen auf Rechte gegenüber. Angesichts der schwierigen Markt- und Geschäftslage und der auch in Zukunft nicht zufrieden stellenden Renditepotenziale hat sich der Verlag aus dem Buchgeschäft zurückgezogen und Ullstein Heyne List Anfang 2003 an Random House unter Kartellvorbehalt verkauft. Das Kartellrechtsrisiko trägt Random House. Zum Jahresende 2002 wurde auch der Ratgeberverlag Zabert Sandmann veräußert.