Der Vorstand des Sortimenter-Ausschusses hat sich zum Thema Weltbild-Ausgaben und speziell zur Sonderausgabe von „Nichts als die Wahrheit“, die derzeit von Weltbild als Sonderausgabe im „Taschenbuch“ umworben wird, geäußert. Das eigentliche Taschenbuch wird erst (siehe unsere Meldung vom 9.1.03 [mehr…])im Mai erscheinen.
Hier die Stellungnahme des Sortimenter-Ausschusses:
„Dieter Bohlen, Nichts als die Wahrheit“ wird bei Weltbild zu einem Preis von 12,90 EURO (statt 20,00 EURO) angeboten.
In der Kommentierung zum Preisbindungsgesetz von Franzen/Wallenfels/Russ heißt es auf Seite 89 unten: „Es ist ein Zeitabstand von 15 Monate zur Originalausgabe wünschenswert. Er muß mindestens aber 12 Monate betragen.“ Dieser expliziten Erläuterung ist weder von Heyne noch Weltbild entsprochen worden.
Bei der Lizenzverhandlung stand offensichtlich das Ziel im Vordergrund, gegenüber der bisherigen Ausgabe einen deutlich niedrigeren Preis anzubieten – ganz nach dem Motto: Wir, Heyne und Weltbild, schaffen den niedrigeren Preis schon nach drei Monaten, der Preis im Buchhandel war bisher zu hoch. Offensichtlich ist es immer mehr gewollte Politik, daß der erste Preis nur noch ein kurzlebiger „Modepreis“ für die Markteinführung ist, nur um dann die Munition für das Marketing von Niedrigpreisen vorzugeben. Der Leser wird an der Nase herumgeführt, wie letztlich der Kunde in der Textilbranche auch. Der Unterschied ist nur, daß es sich beim Buch um denselben Inhalt handelt. In der Textilbranche findet der Kunde zum herabgesetzten Preis das Kleid seiner Vorstellung eventuell nicht mehr.
Auch wenn dem gesamten Buchhandel diese Sonderausgabe zur Verfügung steht, sind zwei Probleme nicht aus der Welt:
– Erstens handelt es sich hierbei nicht um eine Sonderausgabe, die vom Sortiment als „wichtigstem Vertriebspartner“ gewollt wurde und
– zweitens ist der nach schriftlicher Rechtskommentierung von Franzen/Wallenfels/Russ korrekte Zeitpunkt missachtet worden.
Es bleibt also festzuhalten: Einziges Ziel war und ist es, möglichst schnell mit Vergleichspreisen Kasse zu machen. Hier steht der Markt den Idealen buchhändlerischen Denkens konträr gegenüber.
Sich nur auf die Seite des Marktes zu schlagen, schadet jedoch der Glaubwürdigkeit der Preisbindung beim Verbraucher und damit dem Image des gesamten Berufsstandes. Das können wir uns nicht leisten.
Rudolph Braun-Elwert