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Heinrich Riethmüller erneut mit offenem Brief an Christian Strasser – Thema: Weltbild-Ausgabe des Bohlen-Buches

In einem offenen Brief an Ullstein Heyne List-Verleger Christian Strasser äußert sich Heinrich Riethmüller, Inhaber der Osianderschen Buchhandlung und Vorsitzender der AWS, zur soeben angebotenen Weltbild-Ausgabe von Dieter Bohlens Nichts als die Wahrheit [mehr…].

Bereits im Streit um die Club-Ausgabe des letzten Grisham-Buches war Riethmüller mit einem offenen Brief in die Offensive gegangen [mehr…] Wie Riethmüller dem BuchMarkt mitteilte, gebe es für das Sortiment zwar die Möglichkeit, diese Ausgabe zu beziehen, sie werde dem Handel jedoch nicht direkt angeboten. Die entsprechende Info sei erst auf ausdrückliche Nachfrage zu bekommen. Damit könne von einem offenen Umgang mit dem Sortiment keine Rede sein.

Der Heyne Verlag wird zu diesem Brief, wie uns inzwischen gesagt wurde, erst im Laufe des Tages Stellung nehmen können. Nochmal weist der Verlag aber darauf hin, dass das Buch aber mit eigener ISBN Nummer (3-453-87292-4) dort bezogen werden könne und im Mai dann ganz regulär die TB Ausgabe erscheinen werde.

Sehr geehrter Herr Strasser,

soeben erscheinen als Weltbild Reader Dieter Bohlens Memoiren »Nichts als die Wahrheit« für nur 12.90 Euro, und da fällt mir doch gleich Ihr »Kniefall von Braunschweig« bei den Buchhändlertagen im letzten Jahr ein. Dort entschuldigten Sie sich in aller Öffentlichkeit ausdrücklich und namentlich bei mir für die Premierentitel, die Ihr Verlag am Sortiment vorbei produzieren ließ. Alle Zuhörer waren gerührt von Ihrem Auftritt, vor allem wegen Ihrer Zusicherung, dass Ihre Verlagsgruppe den Buchhandel weiterhin als wichtigsten Partner betrachtet und alles daran setzen wird, das verlorene Vertrauen wieder zu gewinnen. Ich hatte Ihnen dies sogar geglaubt. Und nun das: Die Tinte des neuen, schwer erkämpften Preisbindungsgesetzes ist noch nicht ganz trocken, da legen Sie die gesetzten Regeln schon wieder sehr weit aus und wieder einmal stoßen Sie damit uns Buchhändler vor den Kopf. Wieder einmal drängen Sie uns in die Rolle des teuren Jakobs und wieder einmal geben Sie Weltbild die Gelegenheit, sich mit einem attraktiven Titel als preisgünstige Alternative zum scheinbar teuren Buchhandel zu präsentieren. Da nützt es dann auch nicht mehr viel, wenn Sie aufgrund von Protesten einzelnen Buchhändlern die Möglichkeit bieten, diese Sonderausgabe auch zu beziehen und zu verkaufen (pikanterweise weiß von diesem Beschwichtigungsangebot in Ihrem Haus niemand was!).

Dieter Wallenfels schreibt in seinem Kommentar zum neuen Preisbindungsgesetz auf Seite 89 über die Reader-Ausgaben: „Es ist ein Zeitabstand von 15 Monaten zur Originalausgabe wünschenswert, er muss mindestens aber 12 Monate betragen…“ Diese Kommentierung kennen Sie natürlich auch, und Sie wissen auch, dass Sie sich zumindest in einer Grauzone befinden und sich mit Ihrer Entscheidung wieder Ärger beim Sortiment einholen. Aber wahrscheinlich läuft wieder alles nach dem selben Muster ab: Erstaunen bei Ihnen über die unerwartete Reaktion, der Hinweis, dass das Sortiment Ihnen ja dankbar sein müsse für die vielen Bestseller, die Sie – uneigennützig – für uns produzieren, und dann vielleicht auch wieder eine Entschuldigung.

Natürlich kennen wir Ihre Argumente der knallharten Kalkulation und wir wissen, dass auch andere Verlage diese Regelung des Potsdamer Abkommens strapazieren. Sie aber geloben jedes Mal aufs Neue, wie sehr Ihnen Ihre Fehler leid tun, wie sehr Sie auf das Sortiment setzen, wie sehr Sie uns alle brauchen. Deshalb dürfen Sie sich nicht wundern, wenn wir Buchhändler Ihre Aktivitäten besonders beobachten und Ihre Grenzüberschreitungen besonders übel nehmen. Ich bin gespannt, welches Rührstück Sie dieses Mal wieder aufführen werden – ich zumindest nehme Ihnen Ihre Versprechungen nicht mehr ab.

Heinrich Riethmüller
Osiandersche Buchhandlung, Tübingen

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