
Seit Jahren beschäftigt sich Ernst Klee mit Euthanasie und Medizin im „Dritten Reich“. Ganz neu auf dem Markt: Sein neues Buch „Deutsche Medizin im Dritten Reich“ (S. Fischer) mit „Karrieren vor und nach 1945“.
In diesem Buch (S. 293ff.) erinnert er auch an die Ermordung von mindestens 86 jüdischen Männern und Frauen im KZ Natzweiler – sie waren als „Ausstellungsstücke“ für eine anthropologische Sammlung in Straßburg vorgesehen. Maßgeblich beteiligt an der Organisation dieses Mordes war ein SS-Obersturmführer. Diesen überführte das Landgericht Frankfurt am Main 1971 der Beihilfe zum Mord. Lediglich bestrafen konnte man den Mann nicht mehr, weil die Tat inzwischen verjährt war.
Jetzt kommt diese ganze Geschichte wieder hoch. Weil Ernst Klee sie in seinem neuen Buch vergearbeitet hat: Der ehemalige SS-Obersturmführer suchte seinerzeit einen jungen Historiker auf. Der hatte seine Dissertation über das so genannte „SS-Ahnenerbe“ verfasst und diente sich dem ehemaligen SS-Mann regelrecht an: Als Gutachter versuchte er, das Gericht zu überzeugen, dass der Angeklagte nur Befehlsempfänger war – das kennt man. Ernst Klee nennt es in seinem neuen Buch „Beihilfe“ des Historikers „für einen Nazitäter, der die Ermordung von mindestens 86 Juden organisiert hatte“.
Es handelt sich dabei um Michael H. Kater, einen der renommiertesten Historiker für die NS-Zeit. Und weil er Fachmann ist, ließ ihn die Frankfurter Rundschau für ihre Literaturbeilage zur Buchmesse eine Rezension zum neuen Klee schreiben…
Raus kam ein knochenharter Verriss, Klee wird u.a. vorgeworfen, er schreibe „sensationalistisch (!). Dass Kater über die Vorwürfe gegen die eigene Person vornehm schweigt, versteht sich von selbst.







